10.800 biblische Andachten und Predigten von Spurgeon, MacArthur, MacDonald, Christlieb, Eichhorn, Hofacker, Zinzendorf, Luther uvm.

Predigten zu Johannes 10,11

"Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe."

Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
Zitate von Martin Luther anzeigen

Der große Hirte

Wenn unsere Zuversicht angefacht werden soll und wir gestärkt und getröstet werden wollen, dann ist es nötig, die Stimme unseres Hirten kennenzulernen und alle anderen Stimmen fahren zu lassen. Solche Stimmen führen uns nur in die Irre und hetzen und jagen uns hin und her. Wir müssen nur auf diesen Glaubensartikel hören und ihn erfassen, den uns Christus so überaus freundlich und tröstlich ins Herz malt – so schön, wie nur er es kann. Dann kann unser Herz voller Vertrauen sagen: »Mein Herr Jesus Christus!« »Herr Jesus, Du bist ja der einzig gute Hirte, und ich bin leider das verlorene Schaf, das sich jämmerlich verirrt hat. Darum fürchte ich mich und habe große Angst und hätte so gern einen gnädigen Gott und ein gutes Gewissen. Nun höre ich hier in diesem Gleichnis, dass Du Dir mehr Sorge um mich machst, als ich mich nach Dir sehne. Und Du begehrst nichts anderes, als dass Du mich wieder zu Dir bringst. Dafür danke ich Dir in Ewigkeit!«


Autor: Dora Rappard (* 01.09.1842; † 10.10.1923) Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin

"Jesus sprach: Ich bin gekommen, dass meine Schafe das Leben ."

Unser Herr und Heiland gibt an verschiedenen Stellen den Zweck seines Kommens an. Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen (Lk. 5, 32). Des Menschen Sohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist (Lk. 19, 10). Ich bin gekommen, ein Licht, auf dass wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe (Joh. 12, 46). Alle diese Wohltaten sind zusammen gefasst in dem Wort, das wir heute vor uns haben: Ich bin gekommen, dass sie Leben haben sollen. Leben ist das Gut der Güter. Leben ist die Grundlage und Bedingung alles übrigen. So ist es im Irdischen; so noch viel mehr im Geistlichen. Leben muss die Seele haben, sonst hat sie nichts als Dunkel der Finsternis in Ewigkeit.

Jesus ist das wesentliche Leben, und durch sein Kommen hat er es der Welt gebracht. Aber er gibt es nicht gleichsam in Bausch und Bogen. Die einzelne Seele muss sich ihm öffnen und Leben empfangen, das heißt glauben. - O Seele, hast du Leben? Sinne über diese Frage nach. Jesus ist gekommen, um dir Leben zu schenken. Nimm diese kostbarste Gabe betend, glaubend, dankend an. Wer Jesum hat, hat Leben.

O Herr, gib meiner Seele Leben Und zieh sie ganz in Dich hinein! Du hast Dich für sie hingegeben In unerhörte Todespein, Damit sie Dir zu Deinem Ruhm Verbleib ein ew'ges Eigentum.


Autor: Dora Rappard (* 01.09.1842; † 10.10.1923) Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin

"Ich bin gekommen, dass meine Schafe das Leben und dasselbe im Überfluss haben sollen.".

So lautet die genaue Übersetzung dieses Heilandswortes. Wie im Reich der Natur, so ist es auch im Reich der Gnade. Gott kargt nicht. Er, der die Bäume mit Millionen von Blüten schmückt und der Erde eine Fülle von treibenden Kräften zuströmen lässt, hat auch für die Seelen der Seinen reiche Zuflüsse seines siegreichen Lebens. Aber sie nehmen diese Ströme so oft nicht auf. - Eine christliche Frau, über ihr Glaubensleben befragt, antwortete seufzend: "Ach, ich vegetiere gerade noch. Ich bin nicht ganz vom Heiland gelöst, aber zum freudigen Früchtetragen reicht's nicht." Das ist ein trauriges Zeugnis. Wo mag es fehlen, wenn es also steht?

Jene Frau, die, gottlob, wieder zu einer gesunden inneren Erfahrung gelangte, hat es angedeutet. Die Verbindung mit dem Herrn ist gelockert worden, und die Lebenszuflüsse dringen nicht herzu. Die Dinge dieser Erde nehmen das Herz zu sehr ein. Nachlässigkeit, Unglaube, Sünde verstopfen die Kanäle, und das Leben, das der Herr im Überfluss zu geben bereit ist, findet keinen Zugang zum Herzen seines Kindes. - Wie steht es bei mir? Ich möchte grünen und fruchtbar sein in Deinem Garten, Herr. Lass Deine Lebensfülle mich überströmen!

O Herr, gib meiner Seele Leben, Durchdringe sie mit Deinem Geist, Lass mich durchaus an nichts mehr kleben, Was eitel ist und irdisch heißt!


Autor: Dora Rappard (* 01.09.1842; † 10.10.1923) Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin

"Ich bin gekommen, dass meine Schafe das Leben und volle Genüge haben sollen."

Wir kehren noch einmal zu dem Ausspruch unseres guten Hirten zurück und lesen die Stelle in der Fassung, wie sie den meisten unter uns wohl am besten bekannt ist: Ich gebe meinen Schafen Leben und volle Genüge. Welch ein großes, allumfassendes Wort! Es mahnt uns an jenes andere: Lass dir an meiner Gnade genügen; sie ist genug für dich. - Wir wollen dies Wort nicht lesen als ein Gesetz, sondern als ein süsses Evangelium.

Komm, Schäflein Christi! Bei deinem Hirten, der dir das Leben gab, findest du auch volle Genüge. Jede Leere deines Herzens, jede Sehnsucht deiner Seele, jedes Verlangen deines Geistes findet in ihm volle Befriedigung.

Ein Kindlein lernte die ersten Worte des Hirtenpsalmes lallen, und sagte sie nach seiner holden Weise: "Der Herr ist mein Hirte, mir tut nichts mangeln." O ihr Gotteskinder, wollen wir es nicht auch also sagen? Ob ich arm bin und krank, einsam und verlassen; ob auch das Sehnen zu lieben und geliebt zu werden mir manchmal Kampf und Herzweh kostet, ich bin dennoch selig in meines Heilands Liebe. Möge eine neue Erfahrung dieser vollen Genüge unser seliges Christgeschenk sein.

Gnadenreicher Herr und Meister, lass mein Leben es bezeugen, dass Du die Deinen königlich versorgst, und dass sie in Deiner Nähe volle Genüge haben.