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Predigten zu Johannes 12,24

"Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht."

Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Es sei denn, dass das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt's allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte."

Möchten wir viele Früchte bringen oder unser Leben so halbwegs behaglich für uns geniessen? Ist das letztere unser heißester Wunsch, so kann, wenn er erfüllt wird, unser Weg ums Sterben, das hier gemeint ist, herumkommen; aber dann geht es uns mit seinem Ertrage für die Ewigkeit verloren. Im andern Falle gilt nur der Todesweg. Nicht immer so massiv wie bei Jesus, aber dafür ist das Sterben über viele Tage und Stunden unseres Lebens verteilt. Wir werden stückweise unsere Aussichten und Hoffnungen auf Erdenglück in den Tod geben müssen. Früchte gibt es nur in dem Maße, wie wir unserm eigenen Ich abgestorben sind. Und das ist ein zähes, langlebiges Ding! Das ist schon längst zum Tod verurteilt und hat schon manchen starken Stoss erhalten, und es ist doch nicht tot. Man spürt sein empfindungsreiches Leben deutlich, wenn wir verkleinert oder verkannt werden. Dann bäumt es sich gekränkt empor. Anstatt, dass wir uns freuen sollten, dass unsre Gegner uns wieder ein Stück Tod des alten Menschen bereitet haben, begehren wir auf, als widerführe uns etwas Seltsames. Die Freiwilligkeit zum Sterben findet sich sogar bei denen, die sich gern "Gestorbene" nennen, oft in sehr winzigem Grade.

Herr Jesu! Zieh uns in dein Sterben. Lass mit dir gekreuzigt sein, was doch zu dir nicht passt und dir nur im Wege steht. Lehre uns dein Leben besser erkennen und verspüren, damit uns unser Sterben leichter fällt. Amen.


Autor: William MacDonald (* 07.01.1917; † 25.12.2007) US-amerikanischer Prediger der Brüdergemeinden
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"Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht."

Eines Tages kamen einige Griechen zu Philippus mit dem edlen Wunsch: "Herr, wir möchten Jesum sehen." Aber warum wollten sie Ihn sehen? Vielleicht wollten sie Ihn mit nach Athen nehmen als populären neuen Philosophen. Oder vielleicht wollten sie Ihn vor der Kreuzigung und dem Tod retten, die inzwischen unvermeidlich schienen.

Der Herr Jesus antwortete mit einem der großen Prinzipien der Ernte: Ein Getreidekorn muss in den Boden fallen und sterben, wenn es produktiv sein soll. Wenn Er sich vor dem Tod retten würde, müsste Er allein bleiben. Er würde die Herrlichkeit des Himmels für sich allein geniessen; es gäbe keine geretteten Sünder, die Seine Herrlichkeit mit Ihm teilen würden. Doch wenn Er bereit wäre zu sterben, würde Er dadurch einen Weg zur Errettung schaffen, wodurch viele in den Genuss des ewigen Lebens kämen. So war es unumgänglich für Ihn, den Opfertod zu sterben, anstatt ein angenehmes Leben zu führen.

T.G. Ragland sagte einmal: "Von allen Plänen mit Erfolgsgarantie ist der sicherste Christi eigener Plan, der darin besteht, dass Er ein Weizenkorn wurde, in die Erde fiel und starb. Wenn wir uns weigern, Weizenkörner zu werden... wenn wir nicht bereit sind, Zukunftsaussichten zu opfern, unseren Ruf, unser Eigentum und unsere Gesundheit aufs Spiel zu setzen, dann werden wir allein bleiben. Aber wenn wir fruchtbar sein wollen, müssen wir unserem geliebten Herrn folgen, indem wir ein Weizenkorn werden und sterben, dann werden wir viel Frucht hervorbringen."

Vor Jahren las ich von einer Gruppe von Missionaren in Afrika, die jahrelang unermüdlich gearbeitet hatten, ohne eine dauerhafte Frucht für Gott zu sehen. In ihrer Verzweiflung beriefen sie eine Konferenz ein, wo sie mit Gebet und Fasten vor Gott kommen wollten. Bei den Gesprächen sagte einer der Missionare: "Ich glaube nicht, dass wir je Segen erfahren werden, solange nicht ein Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt." Kurz darauf wurde eben dieser Missionar krank und starb. Da begann die Ernte - der Segen, den er vorhergesagt hatte.

Samuel Zwemer (1867-1952, amerikanischer Pionier-Missionar, "Apostel des Islam" ) schrieb:

Es gibt keinen Gewinn, als nur durch Verlust, Du kannst dich nicht retten, als nur durch das Kreuz; Das Weizenkorn, um sich zu vermehren, Muss in die Erde fallen und sterben. Wo immer du reife Felder siehst, Die ihre goldenen Halme Gott zur Ehre wogen lassen, Sei gewiss, ein Weizenkorn ist dort gestorben, Eine Seele dort hat das Kreuz auf sich genommen Jemand dort hat gerungen, geweint und gebetet, Und die Legionen der Hölle unverzagt bekämpft.


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Wir feiern oft Gedenktage, aber bei jedem Gedenktag wird der große Unterschied sichtbar zwischen dem, was der Gefeierte selbst erreicht hat, und dem, was seither als Ernte aus seiner Arbeit erwachsen ist. Die Anerkennung, die er selber fand, und der Erfolg, der ihm nachher beschieden war, sind weit von einander verschieden. Es gilt von allem, was groß ist und bleibt: erst muß das Weizenkorn in die Erde hinein. Sprich hier nicht von einem harten Schicksal. Gottes Gnade schützt dich gegen dich selbst, indem sie vor deine Ernte das Sterben des Weizenkornes stellt. Würdest du dich, wenn du deine Ernte selber sähest und zu sammeln vermöchtest, nicht zu jenen Weingärtner gesellen, die sich selber die Frucht des Weinberges zueigneten? Ständest du nicht plötzlich an der Seite Nebukadnezars, der in Babel seine Stadt sah, die er erbaut habe? Was dich vor dir selber schützt, wehrt nicht nur Fall und Verderben ab, sondern hat schaffende Kraft in sich. Das, was am Weizenkorn wie ein Sterben aussieht, ist die Bewegung und Entfaltung des lebendigen Keims, der Anfang jenes Prozesses, der die Frucht hervorbringt. Aus der Entsagung entsteht der Erfolg, aus dem Gehorsam die Macht und darin, daß ich in mir selbst nichts bin, besteht meine Fähigkeit zu Gottes Dienst. Unter diese göttliche Ordnung hat sich jesus mit entschlossener Festigkeit gestellt. Das Wort vom Weizenkorn, das sterben muß, stellt Johannes damit zusammen, daß einige Griechen nach Jesus fragten. Wie lockend war für ihn der Blick hinüber zu den Griechen! Während er am galiläischen See wohnte, hatte er die griechischen Städte fortwährend vor Augen und bei jedem Fest in Jerusalem sah er auch Männer, die aus den griechischen Ländern gekommen waren. Sein Blick auf sie war von jüdischem Stolz völlig frei. Er sah mit dem leuchtenden Auge der göttlichen Gnade auf die Völkerwelt. Die reiche Ernte kommt! Sie kommt aber nicht dadurch, daß er vor dem Kreuze flieht und die Gemeinschaft mit Jerusalem zerbricht. Nur dadurch, daß er den Gehorsam vollendet bis zum Tod auf Golgatha, kommt der große Erntetag, der aus Griechen Kinder Gottes macht. Er sagte seinen Jüngern: es gibt auch für euch keinen anderen Weg zur Ausrichtung eures Amts. Sie bauten die Kirche in Jerusalem. Das war nicht mehr als ein in der Erde sterbendes Weizenkorn. Allein so und nur so entstand die Kirche, die für alle Völker offen ist.

Ich preise dich, unser Herr und Haupt, daß du den Weg all der Deinen anders ordnest, als sie selber es sich wünschten. Uns alle umringen hemmende Schranken und Unvermögen ist das Kennzeichen unseres Tuns. Denn das, womit wir Gott ehren, soll unser Gehorsam sein. So bleiben wir bei der Schar, die sich um dein Kreuz versammelt, den Ort, an dem das Weizenkorn in die Erde fiel, die Stätte, wo du bis zum Tod gehorsam warst. Amen.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Es sei denn, dass das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt es allein

Das Morgenland kam zu Jesu Krippe, das Abendland zum Kreuze. Die da Jesum gerne sehen wollten, waren nicht etwa hellenische Juden, sondern wirkliche Griechen, deren Leben und Weisheit ganz auf die Gegenwart gerichtet war, auf die Freuden und Genüsse, die Natur und Kunst bieten konnten. Wie eigentümlich muss sie diese Todesverkündigung angemutet haben! Aber wie weise von Jesu, ihre Blicke auf jenes erste göttliche Buch, die Natur, zu lenken! Betrachten wir dies Gleichnis vom Weizenkorn nach drei Seiten:

1. Seine Einsamkeit

Ehe es gesät wird, liegt es allein in der Scheune, neben unzähligen anderen, die aber unter sich kein gemeinsames Leben verbindet. Jedes einzelne Körnchen ist den anderen ebenso fremd, wie die Sterne es unter einander sind, die durch Millionen Meilen von einander geschieden sind. Wenn du dein Leben erhalten willst, deine Eigenliebe groß ziehst alles scheust und vermeidest, was an Selbstverleugnung erinnert, dann wirst du ein ganz einsames, ödes Dasein fristen.

2. Das Ersterben

Vergleichen wir uns mit einem Weizenkorn, so müssen wir sagen: ein Körnlein kann sich nicht selbst begraben; aber es kann bereit sein, ausgestreut zu werden. Das ist für das Samenkorn kein angenehmes Erlebnis. Sobald es sich unter der Erde befindet, wird es von zerfetzenden Kräften in Angriff genommen, die seine zarte Hülle zerreißen und bis in sein Innerstes durchdringen. Der Tod ist kein Kinderspiel.

3. Das Fruchtbringen

Alsbald schießen die Würzelchen ihre Triebe nach unten, der Keim drängt nach oben, und beinahe unmerklich fängt der Halm an zu blühen und Frucht zu tragen, die sich dann durch neues Säen vervielfältigt. Solches kann auch an dir geschehen, wenn du Gottes Wirken stille hältst. Via crucis, via lucis: der Weg des Kreuzes ist der Weg des Lichts.