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Predigten zu Johannes 13,21

"Als Jesus dies gesagt hatte, ward er im Geiste erschüttert und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich überliefern."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, einer unter euch wird mich verraten!"

Stellt euch den Herrn und seine Apostel beim letzten gemeinsamen Mahl vor: Zwei sehr verschiedene Gestalten treffen bei dieser Gelegenheit zusammen, um kurze Zeit später auseinanderzugehen und sich niemals wieder zu begegnen.

Wenn man sie sah, schienen sie gleichwertige Jünger Jesu zu sein. Der eine lehnte sich an des Herrn Brust, während der andere die kleinen Vorräte des Meisters verwahrte. Waren sie nicht beide vertrauenswerte und geachtete Nachfolger des großen Herrn? Ihr hättet sicher auf den ersten Blick nicht gewusst, welcher von diesen beiden Jüngern der bessere Mann sei - Johannes oder Judas. Sehr wahrscheinlich hättet ihr das sanfte Wesen des Johannes vorgezogen; aber ich nehme an, dass ihr auch die ruhige Klugheit und den sicheren Geschäftssinn des Judas bewundert hättet.

Sie sassen an demselben Tisch und waren mit denselben Dingen beschäftigt. Niemand von uns hätte vermutet, dass der eine von ihnen Johannes, der Schreiber der Offenbarung, und der andere Judas, der Sohn des Verderbens, war.

Eine Zeitlang mögen beide gleich handeln und fühlen. Anscheinend sind sie beide aufrichtig; und dennoch wird eines Tages die Scheidung kommen. Der treue Jünger Johannes wird in seiner Liebe und Lauterkeit seinen Weg gehen, um ewig in der Nähe des Herrn zu sein. Der Heuchler Judas jedoch wird ein schreckliches Ende nehmen.

Wir wollen uns einmal alle die Frage stellen: "Herr, bin ich's?" Bei demjenigen ist Verrat am wenigsten wahrscheinlich, der dem Herzen seines Herrn am nächsten steht. Wer einen solchen Platz einnimmt wie Johannes, der ist kein Verräter.

Oh, dass wir von einem liebevollen Ehrgeiz angefeuert wären, der Jünger sein zu wollen, "den Jesus liebte"! Dann wird diese Frage nicht lange unbeantwortet bleiben. Seine Liebe, die in unser Herz ausgegossen worden ist, wird uns rufen lassen: "Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe."


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Da Jesus solches gesagt hatte, ward er betrübt im Geist, und zeugete und sprach: wahrlich, wahrlich, ich sage euch: einer unter euch wird mich verraten.

Es ist eine selige Beschäftigung, Blicke in die Leidensgeschichte des Heilandes zu tun. Da besonders finden wir die heiligen Spuren, die uns hineinleiten in seine Zubereitung zum barmherzigen Hohenpriester. Sein Leiden, das sich nicht nur auf die letzten Tage beschränkte, war ein heiliges Leiden und darum gerade in seinen Tiefen ein stilles Leiden. Wer kann sagen, was er in der Stille durch Judas gelitten hat? Und wie viel Belehrung und Trost können wir nicht schöpfen, aus seinem ganzen Verhalten zu diesem Jünger bis zum Verräterkuss! Der Jüngerkreis des Heilandes war in gewissem Sinne eine Familie. In der Familie machen wir die tiefste Erfahrung, sowohl in Freude als in Leid. Den Unannehmlichkeiten, die außerhalb der Familie liegen, kann man sich vielfach entziehen, sehr oft ohne zu sündigen, entziehen; den Dingen, die uns in unseren Familien begegnen, können wir uns nicht entziehen, wir müssen uns vor Gott mit denselben auseinandersetzen; dazu liegen sie täglich vor uns. Wie viel wird da gesündigt durch Ungeduld, Unweisheit, Lieblosigkeit, Versäumnisse; besonders wenn schwere Übungen länger anhalten! Das Familienleben soll uns eine Schule zur Heiligung sein; aber es kann uns auch zur Verkrüppelung dienen, durch unsere eigenen Fehler. Sollte der Heiland in allen Dingen uns gleich werden; sollte er für alle Lebensverhältnisse unser barmherziger Hoherpriester werden, so konnten ihm die schwersten Erfahrungen in seinem engsten Jüngerkreis nicht erspart bleiben. Die bittersten Übungen bereitete ihm Judas. Des Herrn Auge durchschaute ja seine ganze Entwicklung; er sah, wie er sich innerlich mehr und mehr dem Lichte verschloss. Wie musste dieser Geist täglich auf des Herrn heiliges Gemüt drücken. Welches Weh musste es für ihn sein ein „verlornes Kind“ unter seinen Zwölfen zu haben! Und doch, mit welcher Geduld trug er ihn! Er schickte ihn nicht fort; Judas musste sich selber ausschließen. Er gab ihm völlig Zeit zum Ausreifen. Er entzog ihm selbst die Kasse nicht, obschon er ein Dieb war, und er ihn als solchen kannte. Er predigte ihn nicht fortwährend an, und überhäufte ihn nicht mit Vorwürfen, sondern erwies ihm Liebe bis zum Schluss, so dass er auch dem armen verlornen Kind gegenüberstand, ohne Fehl. Welch ein heiliger Bußspiegel ist Jesu Verhalten für uns! Und welch mächtigen Trost können bußfertige Eltern in ähnlicher Lage bei ihrem barmherzigen Hohenpriester holen, der sie ganz versteht!

Heiliger Jesu! Ich beuge mich vor Dir im Bewusstsein meiner Familiensünden. Reinige Du mich! Sei Du mein Lehrer,und lass Dir alle meine Sorgen auf Dein treues Herz gelegt sein. Amen