10.800 biblische Andachten und Predigten von Spurgeon, MacArthur, MacDonald, Christlieb, Eichhorn, Hofacker, Zinzendorf, Luther uvm.

Predigten zu Johannes 14,10

"Glaubst du nicht, daß ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater aber, der in mir bleibt, er tut die Werke."

Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
Zitate von Jakob Kroeker anzeigen

"Glaubst du nicht (Philippus), dass Ich im Vater bin und der Vater in mir? Die Worte, die Ich zu euch rede, rede Ich nicht von mir selbst, sondern der Vater, der in mir bleibt, der tut die Werke."

Nie hätte Jesus seine einzigartige Messiasmission zum Heile der Völkerwelt erfüllen können, wenn Er in seiner Knechtsgestalt seinen Vater im Himmel nicht ganz ernst genommen hätte. Gewiss, es gab auch für Ihn noch andere Wirklichkeiten. Er täuschte sich nicht über die Mächte seiner Zeit hinweg. Ob es der Fluch der Sünde war, ob es die Kräfte der Unterwelt waren, ob es die große Welt menschlicher Leiden und Schwachheiten war, ob es die Macht des Todes war, - Jesus setzte sich nicht über diese Wirklichkeiten hinweg. Sie waren Ihm aber nicht letzte Wirklichkeiten.

Weil Jesus mit der Welt seines Vaters ganz Ernst machte, daher war Er auch auf allen Gebieten so unabhängig von dem, was Ihn umgab. Ob es das Sprechen der Zeit war, ob es die herrschende Sünde war, ob es die dämonischen Mächte waren, Jesus erwies sich als der Herr all dieser Wirklichkeiten. Und zwar, weil Er in der Welt seines Vaters lebte. Diese Welt war Ihm grösser als das Reden seiner Zeit. Es wurde damals viel gesprochen. Auch manches Gute wurde gesagt. Wenn Er jedoch sprach, dann hatte das Volk den Eindruck, Er redete als einer, der Vollmacht hatte."

Oder wie kam es, dass Er sich nicht durch die Sünde vom Menschen trennen ließ? Wohl schied die Sünde den Menschen von Ihm, sodass der Mensch nicht wagte, den Saum seines Kleides anzurühren. Niemals aber trennte sie Ihn vom Menschen. Darum fand Er den Weg zum Menschen. Er fand ihn auch über die Schuld des Menschen hinweg. Er sass unter den Zöllnern und Sündern und sprach Worte, die in dem Leben der Gebundenen befreiend wirken mussten. "Gehe hin, und sündige hinfort nicht mehr!" -

Jesus lebte in der Welt der Vergebung seines Vaters und nahm sie ganz ernst. Daher diente Er auch aus der Vergebung heraus. So kam es, dass Jesus in seinem Dienst und in seinem Opfer den alttestamentlichen Vergeltungsgedanken einfach überwand. Nicht die Vergeltung überhaupt! Er verlegt aber den Vergeltungsgedanken von Gott in unsere Handlungen. Nicht Gott vergilt uns, unser Widerspruch wird uns zum Gericht. Erst wenn die Pharisäer sprechen können: "Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub", spricht Er von einer Vergebung, die diese Kreise nicht mehr erfassen wird. Erst wenn Jerusalem seine Propheten steinigt, erlebt es seinen Untergang als letzte Frucht dieser Handlung. So nahm Jesus den Vater in seiner Vergebung ganz ernst bis zu jenem höchsten Augenblick der Geschichte, wo Er am Kreuze sterbend ausrufen konnte: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!"