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Predigten zu Johannes 16,26

"An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen, und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten werde;"

Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten will. Er selbst, der Vater hat euch lieb.

Wir können es wohl nie ermessen, welch eine Wohltat uns damit erwiesen ist, dass uns der Vater nicht ein theologischer Begriff, kein Lehrsatz, auch keine Glaubensmeinung ist, sondern der rechte Vater über alles, was Kinder heißt, der mit deinen Sorgen barmherziges Mitleid trägt und deine ungereimtesten Fragen zu Haupt- und Staatsanliegen seines Reiches erhebt und deine Tränen zählt und deine Seufzer sammelt und dein Leben vom Verderben erlöst. Vordem warst du reich, wo sind die geblieben, die dich reich machten? Dann bist du arm geworden, und er hat dich von seinem Vater unterwiesen, darum bist du bleibend reich. „Denn ich sage nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde“, spricht der Herr, „er selbst, der Vater, hat euch lieb.“ Je mehr wir heimkommen, desto mehr betet der Herr Christus mit uns, damit wir einst ganz im Chor der Anbetung unter seiner Führung stehen können. Ich meine, er entwöhnt uns langsam seiner Fürbitte, weil er ja dem Vater bereits das Herz für uns erschlossen und den freien Zugang zu ihm uns bereitet hat. Nur wenn wir des Vaters Zorn spüren, tritt der Herr mit der Fürbitte ein. Das Normale wäre, dass er nicht mehr für uns bittet, sondern mit uns. Wenn du an einem Tage mit deinem Heiland das Vaterunser weit über alle Erdenanliegen beten kannst, dann ist es ein normales Christentum. Wenn aber alles so schwer und zuwider ist, dann tritt das Abnorme ein, dann betet er für uns. Er sagt nicht: Ich werde überhaupt nicht mehr für euch beten, sondern als Ziel seiner Seelsorge will er das darstellen, dass der Vater selbst mit uns verkehrt und wir mit ihm.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten will. Er selbst, der Vater hat euch lieb.

Es ist ein großes, reiches Wort: Er selbst, der Vater, hat euch lieb, weil ihr mich geliebt habt. Was heißt das im neuen Bunde: geliebt sein vom Vater? Ich werde in allen Anliegen verstanden, in schweigenden Fragen getröstet, in den Kleinigkeiten des Lebens innerlich aufgenommen und erfasst. – Du scherzest mit dieser Liebe des Vaters, du verlässt sie, du wirfst sie hin wie etwas Abgebrauchtes und Abgenütztes. Dann freilich bist du ganz allein. Aber wenn alles zerschellt, dann kommt der Gedanke wieder mit Macht in die Seele: „Er selbst, der Vater, hat euch lieb.“ Sollte ich denn dazu erlöst sein, dass ich in der Erde zerfalle? Dazu erkauft sein, dass mein Name verhallt? Lasst uns das Wort recht fest halten: „Der Vater hat euch lieb“, in allen Dingen, in Leid und Liebe, in Tränen und Freuden, in Ja und Nein, an Tagen, wo man seine Liebe spürt, an Tagen, wo man seine Liebe glaubt. Ich meine, wenn man das Wort recht ins Herz fassen würde, so würde man alles drangeben und weglegen: es hat ja keinen Schein noch Schimmer mehr gegenüber der unübertrefflichen Klarheit der Liebe des Vaters.