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Predigten zu Johannes 1,12

"so viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben,"

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Die rechtmässigen Gotteskinder

Wie viele Ihn aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben."

Glauben heißt nichts anderes als Jesus aufnehmen. Zuerst muss das Herz ausgeleert werden von allem, was sich mit ihm nicht verträgt. Sodann muss der Mensch auf seine Selbstherrlichkeit verzichten. Denn Jesus kann nicht mit einem Plätzchen an der Seite oder gar im Winkel vorliebnehmen. Denn er ist der Herr der Herrlichkeit. Bei ihm heißt es: Alles oder nichts! Er muss den Mittelpunkt einnehmen, er kann niemand neben sich dulden. Dein eigenes Ich muss ihm darum den Thron abtreten. Glauben heißt: Jesus als den einzigen und unbedingten Herrn anerkennen, dem sich alles beugen muss. - Es gibt Seelen, die Jesus noch nicht aufnehmen wollen. Es gibt aber auch solche, die ihn von Herzen gern aufnehmen möchten, jedoch zweifeln, ob sie sich etwas so Großes herausnehmen dürfen. Das sind die schüchternen, verzagten Herzen, die nur ihre große Unwürdigkeit empfinden und es nicht fassen können, dass der Herr auch bei ihnen einkehren sollte. Ihnen darf ich ermunternd zurufen:

Fürchtet euch nicht, seid getrost, ihr wollt ja doch nichts als nur ihn! Darum ist er auch für euch da. Gerade weil die meisten ihn nicht aufnehmen wollen, freut er sich umso mehr über die, die von Herzen nach ihm verlangen. "Ich will auf, spricht der Herr, ich will eine Hilfe schaffen dem, der sich danach sehnt" (Ps. 12, 6). - "Die an seinen Namen glauben", heißt es. Der Glaube hält sich an den Namen des Herrn. Er lautet: Jesus, der Retter von Sünden. Er beweist seinen Namen auch an dir. Halt ihm nur seinen Namen vor! Sollte er die Ehre seines Namens nicht auch an dir retten? "So, wie ich bin, ohn' alle Zier, komm' ich, Herr, auf dein Wort zu dir." Solchem Glauben schenkt sich der Herr Jesus. - Welche ihn so aufnehmen, denen gibt er Macht, wörtlich: Vollmacht, Gotteskinder zu werden. Sie dürfen sich mit Recht Gotteskinder nennen. Viele nämlich massen sich den Ehrentitel eines Gotteskindes an, sie nennen Gott ihren Vater, und doch kann Gott sie nicht als seine Kinder anerkennen, weil sie Jesus noch nicht als ihren Retter aufgenommen haben. Sie sind noch selbstgerecht und weltförmig und darum Jesu fremd. Wie dürfen sie sich den Kindern Gottes beizählen, die in Jesus den einzigen Grund ihres Heils finden? Wie viele sprechen im Vaterunser den köstlichen Vaternamen mit den Lippen aus, aber sie haben kein Herzensverhältnis zu Gott! Sie sind Gotteskinder nicht durch eine Geburt, nicht auf Grund neuen Lebens aus Gott, sondern sie haben sich eingedrängt und werden einst das furchtbare Wort hören müssen: Ich kenne euch nicht! Bin ich euer Vater, wo ist meine Ehre? Ihr habt euch selbst verherrlicht. Nur wer als ehrloser Missetäter an den Heiland glaubt, empfängt die Geburt aus Gott.


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Du fragst: Wo liegt die Macht, dass ich glauben darf, ich sei ein Kind Gottes? Die Macht dazu gibt nur das Wort, Christus, als des Vaters Licht und Weisheit; so musst du denn erst Christum haben, willst du diese Macht bekommen. Aber Christum haben und Christum haben ist noch ein Unterschied. Die Finsternis hat Christum gehabt, ebenso die Welt und das erwählte Volk, aber Finsternis, Welt und erwähltes Volk haben es bewiesen, wie erbärmlich, wie elend, wie von Gott abgekommen alles Fleisch ist, dass es Christum haben und doch verloren gehen kann. Um Christum zu haben, so zu haben, dass du durch ihn selig wirst, musst du erst Sünden haben, musst du erst rat- und rettungslos verloren sein. Da hört denn die Philosophie auf und auch die Frömmigkeit des Fleisches; da kannst du es in deinem Fleische und seiner Gerechtigkeit so wenig als bei allem andern Fleisch finden, da öffnet dir aber der heilige Geist Augen und Ohren, dass du die Stimme des Rufenden in der Wüste hörst: Siehe das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt trägt. Gott öffnet dir selbst die Augen des Geistes, dass du das Lamm siehst. Und weil er als solcher dir von dem Vater geschenkt ist, so gibt er dir die Macht durch seinen heiligen Geist, dass du es glauben darfst, du seiest um seinetwillen ein Kind Gottes.

O, was ist das für Herrlichkeit,
zu der wir sind gekommen,
dass du, Herr, uns in dieser Zeit
zu Kindern angenommen!
Wir sind vergänglich wie das Laub
und vor dir Asch’ und armer Staub
und sind so hoch geehret.


Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Wie viele Ihn aufnahmen, denen gab Er Macht, Gottes Kinder zu werden ... welche von Gott geboren sind."

Bei einer solchen Erklärung der Schrift über die Kinder Gottes sollten sich doch die Herzen aller Gläubigen vor Freude und Verwunderung erweitern - andererseits diejenigen, die sich frech und selbstisch diesen hohen Namen anmassen, erschrecken und zurückprallen! Gottes Kinder sind in der Bedeutung der Schrift von Gott geboren, sind Wunderwerke der Gnade Gottes, sind neue geistliche Geschöpfe auf Erden, die eine "Teilhaftigkeit der göttlichen Natur" verraten. Und das bringt der wahre, lebendige Glaube mit sich. Dass wir einzig und allein aus Gnaden, durch den Glauben Gottes Kinder und selig werden, ist so gnadenvoll und trostreich, dass man vor Freude darüber weinen möchte. Aber werden wir dann nicht verstehen und bedenken, dass hier ein solcher Glaube gemeint ist, durch den wir von Gott geboren werden? Oder würde auch ein selbstgemachter Wahnglaube, der nie eine Geburt aus Gott zur Folge hat, uns selig machen? Ohne Frage kann wohl jeder den schönen Titel eines Kindes Gottes an sich reißen. Mancher schmeichelt sich auch mit der Hoffnung, ein wahrer Christ zu sein, obwohl er die auszeichnenden Merkmale dieser Neugeburt nicht hat. "Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten!" Hier wird schließlich nicht gefragt, wieviel Verstand man im Kopf oder im Mund gehabt hat, sondern ob Wahrheit in unserem Christentum gewesen ist, ob wir von Gott geboren sind.

Ach, es wäre schrecklich, sich mit einem angemassten Trost durch das Leben gegaukelt zu haben, anstatt mit einem von Gott gewirkten Glauben, sich und andere mit einem losen Gedankenglauben betrogen zu haben, der keine Kraft zur Demütigung, zur Neugeburt und zur Heiligung des Herzens hatte, sondern nur in Erkenntnis und Worten sowie in einigen Religionsübungen, in Beten, Lesen und Reden bestand, was alles selbstgewirkt war, um das Vertrauen der Christen zu gewinnen. Bald hat das Spiel ein Ende, bald kommt der Große, Heilige, vor dem man geheuchelt hat, mit der ernsten Botschaft: "Es ist getan! Tue Rechenschaft!" Und dann, wenn wir im ernsten Antlitz des Todes entschleiert und entblösst vor die Augen des Heiligen gestellt werden wie schrecklich, wenn wir die ganze Zeit hindurch geheuchelt hätten! Gerade darum, weil die Gnade so groß ist und die himmlische Kindschaft so herrlich ist, ist es auch so furchtbar gewagt, wenn in unserem Christentum nicht Wahrheit ist. Beachte darum tief die Worte des Apostels in diesem Spruch!

Er sagte zuerst: "Wie viele Ihn aufnahmen, denen gab Er Macht, Gottes Kinder zu werden." Dieses "Aufnehmen" erklärte er durch den Zusatz "die an Seinen Namen glauben". Aber seht, wie er sich erklärt! Er fügt hinzu, dass diejenigen, die durch den Glauben Kinder Gottes waren, auch von Gott geboren sind. Diesen Punkt müssen wir uns tief in unsere Herzen prägen. Wer "das Reich Gottes sehen soll" und als ein Kind Gottes ewig mit Gott leben können soll, muss von Gott geboren sein. Das göttliche Leben, das vor dem Sündenfall im Menschen wohnte und das Bild Gottes in dem war, dessen Verlust Gott vor allem im Auge hatte, als Er sprach: "Welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben," dieses göttliche Leben muss jetzt durch eine Neugeburt vom Geist in uns wiederhergestellt werden, so dass wir aufs neue "dem Bild Gottes ähnlich werden", obwohl dieses Bild nicht vollkommen wird, bevor wir von der hindernden Umkleidung des Fleisches befreit sein werden. Christus erklärte ausdrücklich: "Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen."

Gottes Reich wird uns aus eitel Gnade geschenkt, dieser Punkt steht ewig fest; aber du bist ganz ungeschickt, es zu geniessen, du kannst unmöglich das Leben mit Gott und das Leben im Himmel leben, wenn du nicht von neuem geboren und der göttlichen Natur teilhaftig wirst. Der wahre Gott ist ein heiliger Gott. Ein unheiliges Wesen wird in Seiner Nähe verzehrt und vernichtet. Es muss eine mit Gott verwandte Natur, ein "neuer Mensch, der nach Gott geschaffen ist", entstehen, bevor eine Seligkeit in der Gemeinschaft Gottes sein kann. "Fleischliche Gesinnung ist eine Feindschaft wider Gott" und kann nicht einen einzigen Tag, viel weniger eine ganze Ewigkeit, in Seiner Nähe gedeihen. Darum sagt Christus: "Lass dich's nicht wundern, dass Ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden! Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch. - Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen." Und Johannes sagt: "Welche nicht von dem Geblüt, noch von dem Willen des Fleisches ..., sondern von Gott geboren sind." Und so sagt Petrus: "Ihr seid wiederum geboren, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewig bleibt." Und so sagt Paulus: "In Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern eine neue Kreatur."

Nun, wem solltest du in dieser Lebensfrage glauben, wenn nicht dem Herrn? Christus ist ja die Liebe und Milde selbst. Christus und seine Apostel müssen wir hören! Da sie nun gleichsam mit einem Mund bezeugen, wie Gott einen solchen Weg für die Menschenkinder festgestellt hat, dass sie von neuem geboren und der göttlichen Natur teilhaftig werden müssen, um in den Himmel eingehen zu können, wie kannst du dann, der Ewigkeit entgegengehend, dahinleben, ohne dir dieser Art bewusst zu sein?

Totes Werk, historisch Wesen Ist's, was sich die Welt erlesen Und für ihren Christum hält; Schatten, Bildnis, Schein und Meinen, Judaskuss und Heuchelweinen Ist der Glaube dieser Welt.


Autor: Dora Rappard (* 01.09.1842; † 10.10.1923) Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin

"Wie viele ihn aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, denen, die an seinen Namen glauben."

Unser heutiges Wort gibt uns weiteres Licht über das neue Leben. Jesus aufnehmen ist der Weg zur göttlichen Geburt. Wie viele ihn aufnehmen, empfangen damit etwas von der göttlichen Natur. Sie sind nicht nur an Kindesstatt angenommen (adoptiert), sondern durch den Geist Gottes gezeugt, von Gott geboren, und haben das Recht, Gottes Kinder zu heißen.

Am neugeborenen Kinde muss sich etwas von des Vaters Art offenbaren. Neue, göttliche Triebe erfüllen die Seele. Neue Liebe zum Herrn und zu den Miterlösten, neues Verlangen nach Heiligung, neuer Hass gegen die Sünde ist erwacht. Es ist noch alles zart und gering, aber das neugeborene Kindlein hat doch Leben. Es steht unter des Vaters Pflege. Er ernährt es mit der vernünftigen, lautern Milch des Wortes, mit dem Brot des Lebens, mit dem Wein seiner heiligen Gemeinschaft. Er wird es auch erziehen, unterweisen, züchtigen und ermuntern, auch prüfen und stark machen. O, es ist ein unaussprechliches Glück, ein Gotteskind zu sein!

Darum, liebes Herz, nimm Jesum auf! Öffne ihm dein ganzes Wesen. Gib in den Tod, was ihn hindern müsste, bei dir Einzug zu halten. Hast du ihn, so hast du Leben.

O Jesu, in Dir ist das Leben, in Dir ist Licht und Freude und Frieden. Komm, o komm in meine Seele und bleibe in mir ewiglich!


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Gemeinschaft der Erlösten

Wer sich auch nur kurz mit dem 1. Buch Mose beschäftigt, der entdeckt, dass Gott uns darin mehr über Seine Gegenwart in der Schöpfung und in der Geschichte mitteilte als über Einzelheiten der menschlichen Zivilisation. Wir glauben, dass in Gottes Person die Ewigkeit gegenwärtig ist und dass das materielle Universum durch Gottes Schöpfung ins Sein gerufen wurde.

Der erste Mensch und die erste Frau wurden erschaffen. Sie versagten, nachdem sie das erste Mal Satan, unserem Erzfeind, begegnet waren. Was danach im i. Buch Mose folgt, ist die Schilderung, wie der Mensch an Gottes bleibender Treue scheitert.

Gott selbst weist - durch den Heiligen Geist - auf ein universales Problem hin: die natürliche Gemeinschaft aller Menschen ist eine Gemeinschaft von Sündern. Es ist die Gemeinschaft all derer, die in geistlichem Sinne verloren sind.

Doch die Bibel hat eine gute Nachricht. Das ist die Offenbarung, dass eine neue Gemeinschaft entsteht, die Gemeinschaft der Erlösten! Wir kennen sie: Es ist die Gemeinde Jesu Christi aus allen Völkern. Sie ist eine neue Gemeinschaft unter den Menschen, gegründet auf die Wiedergeburt - und die geistliche Erneuerung!


Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

Johannes schreibt seinen Brief an die «Kinder». Wir sind tatsächlich klein, winzig klein und schwach. In seinem Evangelium spricht er von einer Stellung, von einer Bezeichnung, deren ganze Würde wir zu schätzen wissen sollten: wir sind Kinder Gottes. Immer und überall, zu Hause, in der Fabrik, im Büro sollten wir diese Stellung bewahren, mitten unter diesem «bösen, ehebrecherischen Geschlecht».

Als wir den Sohn Gottes, Ihn, der das Leben, das Licht und das ewige Wort ist, als unseren Retter aufnahmen, wurden wir Kinder Gottes. Aber wir sind eine kleine Minderheit, und wir, die wir im Licht leben, sollten uns deutlich von der Welt unterscheiden, die in der Finsternis lebt. Unsere Worte und unser Glaubensbekenntnis haben für die Welt keinen Wert, wenn nicht ein Leben dahinter steht, das unserer hohen Stellung entspricht, der Stellung von Kindern Gottes, die von oben her geboren sind.

Wenn wir diese Bezeichnung tragen, dann legt uns das eine Verantwortung auf; unsere Stellung schließt alle Halbherzigkeit, alles, was unseres Herrn unwürdig ist, aus. Wir haben ein unschätzbares Vorrecht empfangen, daß wir in diese geistliche Stellung erhoben wurden. Nun ist es unsere Pflicht, sie auch im Leben zu verwirklichen – nicht in einer Haltung der Überheblichkeit, sondern erfüllt mit Dankbarkeit gegen unseren himmlischen Vater. Darum laßt uns wachen und beten, daß dies durch nichts beeinträchtigt wird! Und Gott gebe, daß unser Leben in anderen Menschen das Verlangen weckt, auch Gottes Kinder zu werden! Das Johannes-Evangelium beginnt ohne Einführung. Es bringt uns gleich von Anfang an in die Gegenwart des ewigen Sohnes Gottes, der unter uns wohnt voller Gnade und Wahrheit, der die Herrlichkeit Gottes offenbart und denen, die die Stellung von Kindern Gottes haben, aus Seiner Fülle Gnade um Gnade schenkt.

Aus Gottes Fülle empfangen, bedeutet nicht, in Zungen zu reden, sondern unsere eigene Zunge so zu gebrauchen, daß sie ein Kanal für das Leben des Geistes Gottes wird. Das Feuer Seiner Liebe ist in unseren Herzen entbrannt, und diese Flamme leuchtet so hell, daß sie nicht verborgen bleiben kann. Gottes Gegenwart wird in unserem Leben Wirklichkeit... und die Menschen um uns herum merken es.


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Sie nahmen Jesus auf und ließen ihn als ihren Gast in ihre Wohnung hinein; noch mehr, sie ließen ihn an ihr Herz herankommen. Damit, daß sie ihn aufnahmen, kam sein Wort zu ihnen. Nicht als ein Schweigender kehrt er bei ihnen ein. Mit seinem Wort kommt auch sein Werk zu ihnen. Nicht so ist er bei ihnen, daß sie ihn bewirteten und ehrten, sondern als der Gebende. Was geschieht nun in ihnen? Sie glauben an seinen Namen. Denn er kommt zu ihnen nicht als eine namenlose Gestalt, nicht als ein Rätsel, das niemand deuten kann, sondern besitzt einen Namen, der ausspricht, was er will und soll. Sein Name ist die Verkündigung seiner Sendung an die ganze Welt. Dieser Name erweckt Hoffnungen, die einzigartige Größe haben. Wirkt er nur das? Er bringt noch Größeres hervor, nämlich Glauben. Denn er senkt sich in die Seele ein und wird dort Gewißheit und die uns bewegende Kraft. Was tut nun Jesus? Er gibt mir die Vollmacht, Kind Gottes zu werden. Ein Kind Gottes zu werden liegt ganz jenseits meines Vermögens. Sein Geschöpf bin ich; aber sein Kind sein ist mehr als Geschöpf sein. Kindschaft ist nicht nur Abhängigkeit von Gottes Macht, sondern auch Anteil an Gottes Leben. Sie stellt zwischen ihm und mir eine Gemeinschaft her, die ich Verkehr mit Gott nennen darf, ein Gekanntsein von ihm, durch das ich ihn kenne, ein Geliebtsein von ihm, durch das ich ihn liebe, ein Gebrauchtwerden von ihm, durch das ich sein Mitarbeiter bin. Wie soll ich zu dieser Höhe emporgelangen? Machen, fordern, erlisten läßt sich Gottes Kindschaft nicht. Dazu ist Ermächtigung nötig und diese uns zu geben ist der Beruf Jesu, durch den er sich uns als unseren Herrn in Herrlichkeit offenbart. Kinder entstehen nur durch den Vater. Indem Jesus uns in die Kindschaft Gottes führt, handelt er an uns in Gottes Macht und Gnade. Ficht mich ein Zweifel an, ob ich so Großes von mir sagen und das, was ich bin, als Gottes Gabe schätzen darf, ob das, was ich denke, Gottes Wort und das, was ich will, Gottes Wille sei, so gibt mir der Name Jesu auf meine Frage die Antwort. Ich darf nicht nur, ich muß mich zu Gott als meinem Vater halten; sonst löschte ich den Namen Jesu aus meiner Seele aus.

Daß ich als dein Kind, Vater, zu dir bete, ist das Zeichen deines Geistes, der Abglanz aus Jesu Herrlichkeit, der Inbegriff und die Summe deiner Gaben. Darin ist alles beschlossen, was ich besitze, was ich bedarf, worum ich bitte. Unser Vater bist du, der Vater der ganzen Schar, zu der das Wort Jesu kommt. Uns allen reichst du dies als deine Gabe dar, daß wir deine Kinder werden. Amen.


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben.

Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder, ruft der Apostel Johannes in 1. Joh. 3,2 aus. Paulus sagt in Röm. 8,16: derselbe Geist gibt Zeugnis unserm Geiste, dass wir Gottes Kinder sind. Diese Worte zeigen uns, dass wir der Gotteskindschaft gewiss werden können, und dass der heilige Geist uns diese Gewissheit verleiht. Es ist die größte Gnade, die einem Menschen widerfahren kann, ein Kind Gottes und damit ein Erbe des ewigen Lebens zu sein. Willst du Gottes Kind sein, so nimm Jesum auf, wie Johannes dir sagt. Nimm Ihn auf als das Lamm Gottes, das deine Sünden trug. Nimm Ihn auf als den, der dich mit Gott versöhnt hat. Sobald du durch Gottes Gnade glauben kannst, dass nichts mehr zwischen dir und deinem Gott ist, wirst du Macht empfangen durch den heiligen Geist, dich selber als Kind Gottes zu betrachten. Auf dem Boden der Versöhnung durch Jesu Blut erweckt und stärkt der heilige Geist das Kindschaftsbewusstsein. Es ist des Vaters Hand, die dir in Jesu durchgrabener Hand gereicht wird; es ist des Vaters Geist, der dir in Jesu Blut die ewige Vaterliebe Gottes offenbart und dir zuruft: du sollst mein Kind sein. O, diese Liebesmacht Gottes, die der Glaube empfängt, aus Gnaden empfängt! Hast du die Macht empfangen, dich als Kind deines Gottes zu betrachten? Nur der Glaube empfängt sie; alles ist auf den Glauben gestellt. Der Glaube hält sich an Gottes Verheißungen. Obiges Wort ist eine solche Verheißung, die dir gehört. Warum? weil du ein Sünder bist, den der Herr Jesus erlöst hat, dem Er Vergebung und die Kindschaft erworben hat. Eben deshalb heißt es: die an seinen Namen glauben. Glaube nur!

Vater unseres Herrn Jesu Christi! Ohne Deine Liebe wäre ich ein verlorner Sohn, ohne Hoffnung. Du hast aber auch mich in Christo geliebt, denn Du hast die Welt geliebt, zu der ich auch gehöre. Zu den durchgrabenen Füßen meines Heilandes sinke ich nieder und bete an. Du, Herr Jesu, hast auch mir das Kindschaftsrecht erworben. Dir will ich ewig angehören und durch Dich dem Vater. Amen