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Predigten zu Johannes 3,27

"Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts empfangen, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben."

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Ein gutes Mittel gegen den Neid

"Johannes sprach: Ein Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel."

Der Neid ist eine schlimme Giftpflanze. Er ist ein böser Spaltpilz, der die Gemeinschaft in Zersetzung und Zerrüttung bringt. Er ist ein Mehltau, unter dem alles verdirbt, was noch Gutes in der Seele vorhanden ist. Wer sich vom Neid beherrschen lässt, der kommt herunter. Denn Gott kann dem Neidischen nichts geben. Vielmehr nimmt er ihm, was er noch hat. So ist der Neidische Mörder an andern und Selbstmörder an sich. Er bringt sich vor allem um die Wahrheit. Er kann nicht gerecht und unparteiisch urteilen. Er verdächtigt und sieht alles in einem verkehrten Licht. Er wittert immer etwas Arges beim Nebenbuhler. Wahrlich, der Neid richtet eine schauerliche Verwüstung an nach allen Seiten! Eine vortreffliche Arznei gegen dieses schreckliche Übel ist das Wort des Johannes: "Ein Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel." Wie außerordentlich tief und weitgreifend ist dieses Wort! Bei der Nachricht: "Jesus tauft, und jedermann kommt zu ihm", gibt Johannes nicht dem Neid Raum, sondern überwindet ihn mit diesem Wort. Es gibt zweierlei Standpunkte: Entweder will man sich alles selbst nehmen, oder man lässt sich als Bittender von oben geben. Weil der Neid aus der selbstsüchtigen Gier stammt, ist er unausbleiblich bei denen, die alles an sich raffen wollen. Arme Menschen, sie kommen doch nie zum gewünschten Ziel! - Wie anders, wenn ich nach oben blicke! Dann kann der Neid nicht aufkommen. Wenn ich um mich schaue, schleicht er sich in meine Seele ein. Wenn ich aber auf den Geber aller guten Gaben schaue, dann weiss ich, dass er es auch dann mit mir gut meint, wenn er mir dieses und jenes versagt. Es würde mir gewiss zum Schaden ausschlagen, wenn ich das hätte, was dem andern zuteil geworden ist. Jeder bekommt, soviel er tragen kann (Mt. 25, 15). Alles, worin ich hinter anderen zurückstehe, muss zu meinem Besten dienen. Es ist eine Schule der Demut. - Mit der Gabe steigert sich die Verantwortung. Wem viel gegeben ist, von dem wird viel gefordert. Darum beneide den nicht, der mehr hat! Er hat auch einen schwierigeren Stand am Tag der Rechenschaft. Zudem kann auch die kleinere Gabe, die dir zuteil geworden ist, gemehrt werden, wenn du sie treu verwertest. Werde nicht missvergnügt und vergrabe dein eines Pfund nicht im Trotz! So verlierst du alles. Benutze das dir Gegebene treu, dann wird dir mehr gegeben, bis du die Fülle habest. - O, wie herrlich ist es, wenn man alles von oben nimmt und sich geben lässt! An Stelle des finsteren Neides treten dann erquickender Dank für das, was andern gegeben ist, und Freude über ihre reicheren Gaben. Man sieht selbst in den Widerwärtigkeiten eine Gabe. Der ganze Heiland wird allen zuteil, die von Herzen nach ihm verlangen.


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Hoffnung — oder Verzweiflung?

Johannes der Täufer antwortete denen, die ihn fragten, mit einem kurzen Satz, den ich umschreibe mit: »Hoffnung und Verzweiflung der Menschheit«. Er sagte ihnen, dass »ein Mensch nichts nehmen kann, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist«.

Johannes sprach hier nicht von den Gaben eines Menschen. Er sprach von geistlicher Wahrheit. Göttliche Wahrheit ist von der Art des Heiligen Geistes, und aus diesem Grunde kann sie nur durch geistliche Offenbarung empfangen werden.

In seinen Briefen erklärt der Apostel Paulus immer wieder, dass menschliches Nachdenken unfähig dazu ist, göttliche Wahrheit zu entdecken und zu begreifen. In dieser Unfähigkeit liegt die Verzweiflung der Menschen. Johannes der Täufer sagte: »... wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist« - und darin liegt unsere Hoffnung! Mit diesen Worten ist gewiss gemeint, dass es ein Geschenk gibt, durch das man Wissen empfängt, ein Geschenk, das vom Himmel kommt. Jesus hat seinen Jünger verheißen, dass der Geist der Wahrheit kommen und sie alles lehren werde. Jesus betete auch: »Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart« (Lukas 10,21).


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Nehmen und empfangen darf ich unbeschreiblich viel, darf aus seiner Fülle Gnade um Gnade nehmen und dies so, wie ich es für jeden Tag bedarf. Ich brauche nicht zu verdursten, sondern darf kommen und trinken, muss mich nicht dem Tod überlassen, sondern darf kommen und trinken, muss mich nicht dem Tod überlassen, sondern darf das Brot des Lebens holen, brauche nicht töricht zu verfahren, sondern darf um Weisheit bitten. Aber nehmen kann ich nur, was mir gegeben wird. Ohne göttliches Geben gibt es kein menschliches Nehmen. Wir Menschen meinen es anders und bilden uns ein, unsere gierigen Griffe reichten aus, um uns reich zu machen. So greifen wir mit raffenden Händen in die Natur hinein in der Meinung, es brauche nur unser Nehmen, so müsse sie uns ihre Ernten spenden. Aber mit diesem wilden Greifen füllen wir unsere Hände nur mit Sand. „Eine Hand voller Sand“, das gewinne ich, wenn ich nehme, was mir nicht gegeben ist. Im inwendigen Leben bereiten wir uns dieselbe Not. „Ich brauche, ich will, ich beanspruche, ich nehme mir“, wie oft gerät unsere Seele in diese Bahn, und doch führt sie hier ebenso wenig zum Ziel wie im Bereich der Natur. Kein Grübeln hilft mir; die Erkenntnis kommt als Geschenk. Kein Klagen wendet die Not; die Hilfe wird geschenkt. Keine Angst vor dem Sterben scheucht es weg; das Leben kommt, weil es mir gegeben ist. Nun aber, wenn die göttliche Gabe dich besucht, und nimm, nun gib deiner Hand Kraft, dass sie greife, und Festigkeit, dass sie bewahre. Wenn Gott spricht, nun höre. Wenn Gott dir dein Werk zeigt, dann steh. Wenn Gott dir seine Gnade gibt, dann handle. Dazu gibt Gott, dass du nimmst. Er gab aber nicht deshalb, weil du nimmst oder nehmen möchtest. Darin, dass wir das haben, was wir empfingen, und nichts anderes bekommen, als was uns gegeben wird, ist Gott offenbar.

Bessere, Herr, Gott, alle meine Sinne, dass sie achthaben auf Deine uns begabende Hand. Mach wach mein Ohr, dass es Dein Wort höre, mach mein Inwendiges offen, dass es die Gaben Deiner Gnade empfange, mach meinen Willen beweglich, dass er der Weisung Deines Geistes gehorche. So führst Du mich in den seligen Stand, in dem ich nehmen darf, was Du mir gibst. Amen.


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Ein Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel.

Dieses schöne, inhaltsreiche Wort sprach Johannes der Täufer zu seinen Jüngern, als sie ihm sagten: Jedermann kommt zu Jesu. Es tat den Jüngern des Täufers wehe, dass der Heiland mehr Zulauf hatte als ihr Meister. Johannes tat es nicht wehe; er freute sich hoch über des Bräutigams Stimme und sprach im Blick auf den Herrn: er muss wachsen, ich aber muss abnehmen. So kann nur die Demut denken und reden; Kinder Gottes müssen diese Sprache lernen. Zunächst muss freilich jeder für sich glauben lernen: ein Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel. Zwar kann der Mensch doch auch etwas an sich reißen, ohne dass Gott es ihm gibt, und das geschieht alle Tage; aber erstens kann der Mensch immer nur Irdisches an sich reißen, nie Himmlisches, und auch das Irdische, das uns nicht von oben gegeben ist, zerrinnt bälder oder später. Glauben wir in Wahrheit an Gottes Regiment in allen Dingen, so müssen wir das Wort: wir können uns nichts nehmen, es muss uns von oben gegeben werden, auf alle Verhältnisse anwenden und erkennen: wir sind in allen Dingen von Gott abhängig, auf seinen Segen angewiesen. Für den Unglauben klingt diese Tatsache beengend; er will nicht auf Gott angewiesen, sondern selbstherrlich sein; für den Glauben dagegen liegt eine mächtige Kraft in diesem Bewusstsein, das ihn in allem an den lebendigen, treuen, barmherzigen Gott bindet. Der Glaube erfährt tatsächlich, dass diese Abhängigkeit von der Liebe Gottes eigentlich tägliches Nehmen ist von unserer Seite, dem das reichliche, göttliche Geben zur Verfügung steht. Kein Mensch hat so viel, wie der, welcher für sein ganzes Leben im Glaubensverkehr mit Gott und deswegen nie, sage nie, vor einer leeren Vorratskammer steht, sondern immer vor der Fülle. Es ist höchst verwunderlich, wenn in neuerer Zeit die Menschen auch im Geistlichen so vieles machen wollen. Der Mensch mag tausend Dinge machen, Geist kann er nicht machen. Was Gottes Geist wirken soll, was Werk für die Ewigkeit sein soll, muss von oben gegeben werden; dem gläubigen Bettler wird es gegeben. Lass Dich nicht irre machen.

O Du reicher Gott und Vater! Ich danke Dir, dass Du mir immer wieder auf's Neue zeigst, dass ich mir nichts nehmen kann, das Du nicht gibst. Aber ich danke Dir auch von Herzen, dass Du in Gnaden reichlich gibst den Gedemütigten. Amen


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Ein Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel

Nach sechs Monaten wunderbarer Wirksamkeit, da der Täufer das ganze Land zu seinen Füßen gesehen, eine ganze Schar von Jüngern gesammelt, und den Messias dem jüdischen Volke vorgestellt hatte, da merkte er, dass die Menge sich allmählich verlief. Mit Empfindungen des Schmerzes sahen seine Jünger, wie die Gunst des Volks sich von ihrem Meister auf Ihn übertrug, von dem er gezeugt hatte.

Was wollte Johannes der Täufer mit den oben angeführten Worten sagen? Es war ihm klar, dass alles – die Menge der Zuhörer, die gespannte Aufmerksamkeit, der rasche Erfolg, die Macht der Rede, die Botschaft, die tiefe Reue, das Amt des Morgensterns, der den Aufgang aus der Höhe verkünden sollte – eine Gabe Gottes war. Er hatte nichts, das ihm nicht gegeben worden wäre. Ob nun diese Gaben ihm gewährt oder entzogen wurden, darüber hatte er nicht zu verfügen; er sollte nur das annehmen und gebrauchen, was Gott ihm gegeben hatte, und dann auf sein Geheiß, Ihm das anvertraute Pfund zurückgeben. Dadurch wurde er zugleich vor Stolz und vor Verzagtheit bewahrt.

Was können wir daraus lernen? Demut und Stille.

1. Demut

Du stehst vielleicht jetzt in günstigen Verhältnissen; große Scharen lauschen deinen Worten; eine starke Bewegung macht sich in deinen Kreisen bemerkbar, herrlicher Erfolg krönt deine Arbeit! Werde nicht aufgeblasen, rühme dich nicht! „Wer hat dich vorgezogen? Was hast du aber, das du nicht empfangen hast? So du es aber empfangen hast, was rühmst du dich denn, als der es nicht empfangen hätte?“

2. Stille

Wenn nicht deine Trägheit und Untätigkeit Schuld daran ist, dass die Zuhörerschar abnimmt, und dass die Flut der Belehrungen zurückgegangen ist, so sei nur stille. Das sind Dinge, die der heilige Geist wirkt, und einem jeden zuteilt, wie es Ihm gefällt.