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Predigten zu Josua 2,3

"Da sandte der König von Jericho zu Rahab und ließ ihr sagen: Führe die Männer heraus, die zu dir gekommen, die in dein Haus eingekehrt sind; denn sie sind gekommen, um das ganze Land zu erforschen."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Das wurde dem König zu Jericho berichtet. Da sandte er zu Rahab." Jos. 2, 3.

Rahabs Glaube war ein fester und ausharrender Glaube mitten unter allen Nöten.

Ich habe von einem Geistlichen gehört, der in der Zeit anhaltender Dürre ersucht wurde, um Regen zu beten. Er sagte: "Gut, ich will beten, aber das Gebet hilft nicht im geringsten, solange der Wind von Osten kommt."

Manche haben einen Glauben dieser Art; sie glauben, solange es ihnen wahrscheinlich vorkommt, dass geholfen werde. Aber dies heißt nicht Glauben, sondern Schauen. Der wahre Glaube sagt: "Obwohl die Sache unwahrscheinlich ist, so glaube ich dennoch." Der Glaube spricht: "Wenngleich die Berge in Finsternis eingehüllt sind, so sind sie doch ebenso wahrhaftig vorhanden wie bei Tageslicht." Der Glaube sieht durch die Wolke hindurch, nicht mit dem äußeren Auge, sondern mit dem inneren Geistesauge. Der Glaube spricht: "Ich traue meinem Gott und wandle auf dem Wasser ebensofest wie auf einem Felsen; ich reise ebensosicher im Sturm wie beim Schein der Sonne; ich lege mich ebensoruhig auf die Wellen des Meeres wie auf mein Bett im Haus." So war der Glaube der Rahab, er war stark, fest und ausdauernd.

Natürlich wird sich der alte Unglaube auch mit ihr in eine Unterhaltung eingelassen und etwa folgendes mit ihr gesprochen haben: "Liebe Frau, siehst du nicht die Torheit deines Glaubens? Siehe, die Israeliten sind auf der anderen Seite des Jordans, sie haben keine Brücke, wie wollen sie herüberkommen? Natürlich müssen sie weiter den Strom hinaufgehen, und dann wird Jericho noch lange sicher bleiben. Sie müssen erst andere Städte erobern, ehe sie Jericho angreifen können. Überdies sind die Kananiter sehr mächtig, und die Israeliten nur geringe Sklaven, die man bald in Stücke hauen wird. Deswegen nimm du die Kundschafter nicht auf, und bringe dein Leben nicht in solche Gefahr wegen dieser Unwahrscheinlichkeit." So sprach ihre ungläubige Vernunft. Aber der Glaube in ihr erwiderte: "Ich bekümmere mich nicht um den Jordan, mein Glaube ist nicht bloss ein trockener Land-Glaube." Als die Israeliten über den Jordan gekommen waren, so wird ihr der Unglaube gesagt haben: "Jericho ist stark und kann widerstehen; willst du noch an den Untergang der Stadt glauben?" Und als vollends die Israeliten, statt zum Angriff und Sturm der Stadt zu schreiten, täglich um die Stadt gingen und nur mit Ziegenhörnern bliesen, so konnte sich der Unglaube recht breit machen und der Frau große Not verursachen; aber sie blieb fest und unbeweglich, als ein denkwürdiges und triumphierendes Beispiel von der Macht des Glaubens.

Rahabs Glaube blieb fest und ausharrend.


Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Da sandte der König von Jericho zu Rahab."

Rahab kam in eine schwierige Lage. Der König fordert von ihr die Auslieferung der Boten. Sie lügt. Sie gibt die Richtung an, in welcher die Männer sich entfernt haben sollten. Dürfen wir mit dem Ausdruck "Notlüge" diese Unwahrheit entschuldigen? Nie und nimmer! Der Geist der Heiligen Schrift, der Geist der Wahrheit, kann niemals eine Unwahrheit gutheißen. Rahabs Glaube war nicht stark genug, sie bei der Wahrheit zu halten. Man kann indessen mehrere Gründe zur mildernden Beurteilung ihrer Schwachheit nennen. Da ist zunächst der plötzliche Schreck, als die Boten des Königs vor ihr stehen. Sie muss sofort etwas sagen. Ihr fällt nichts Besseres ein. So sagt sie die Unwahrheit. Mag bei Rahab diese Lüge milder beurteilt werden dürfen, weil sie das Glied eines durch und durch verderbten, gerichtsreifen Volkes gewesen ist; wehe uns, wenn wir bei unserer Kenntnis des heiligen Gesetzes und unserer christlichen Erziehung uns mit Rahabs Beispiel entschuldigen wollten. - Mildernd spricht für Rahab auch der Umstand, dass es ihr zunächst um Rettung der Kundschafter zu tun war. Sie steht vor Gott anders da, als einer, der allein um des eigenen Vorteils willen oder gar zur Schädigung anderer lügt. Dass Gott in so gefährlichen Lagen den Seinen durchhelfen kann, auch ohne Unwahrhaftigkeit, zeigt das Beispiel Oberlins. In der Revolutionszeit hielt er das Töchterlein eines Geächteten im Pfarrhaus verborgen. Die Häscher kommen und fragen Oberlin, ob das Mädchen in seinem Haus sei. Oberlin seufzt innerlich zu Gott um Hilfe und spricht dann schlicht: "Meine Herren, tun Sie Ihre Pflicht!" Die Beamten gehen durch alle Zimmer. Das Kind hört die schweren Tritte und stellt sich hinter die Tür des engen Zimmerchens. Die Beamten öffnen die Tür nur wenig, werfen einen flüchtigen Blick hinein und gehen weiter. Gott kann uns in jeder Lage retten, auch ohne dass wir lügen.