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Predigten zu Klagelieder 3,39

"Was beklagt sich der lebende Mensch? über seine Sünden beklage sich der Mann!"

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Wie murren die Leute im Leben also? - Ein jeglicher murre über seine Sünde."

Als Nebukadnezar Jerusalem erobert hatte, als die Stadt in Trümmer gesunken war, als die Toten noch unbestattet herumlagen und die Feinde über ihren Sieg jubelten, hörte Jeremias ein Murren unter seinen Volksgenossen, zu dem er nicht schweigen konnte. In diesem Murren erkannte er die unrichtige Herzensstellung Israels gegenüber der göttlichen Heimsuchung. "Wer darf denn sagen, solches geschehe ohne Befehl des Herrn?"Israel, solches bereitest du dir selber! Es ist deiner Bosheit Schuld, dass du so gestäupt wirst und deines Ungehorsams, dass du so gestraft wirst"(Jer. 2, 19)."Ein jeglicher murre wider seine Sünde!"- Auch in unseren Tagen haften die Blicke vielfach nur an dem Elend und den schrecklichen Nöten der Zeit. Daraus entsteht dann das Murren, das ungöttlich ist und uns vom Herrn abzieht. Solches Murren ist verderblich. Heilsam aber ist das Murren, zu dem Jeremia direkt auffordert:"Ein jeglicher murre über seine Sünde!"Dieses Murren erwächst aus richtiger Selbstprüfung, zu der Jeremia auffordert mit den Worten (V. 40):"Lasst uns erforschen und prüfen unser Wesen." Dieses richtige Murren lehrt uns das Beispiel der Dorothea Trudel, der Gründerin der Männedorfer Anstalten. Diese Magd des Herrn wurde einst am späten Abend zu einem fern wohnenden Kranken gerufen. Erst spät in der Nacht kehrte sie heim, müde und hungrig. Sie hatte gehofft, man würde ihr eine Erfrischung bereitgestellt und etwas vom Abendbrot verwahrt haben. Niemand hatte daran gedacht. Da stiegen im Herzen der treuen Dienerin Gottes verdriessliche Gedanken auf. Am anderen Morgen hörte jemand ungewollt, wie sie im Gebet inständig den Herrn um Vergebung anflehte wegen der mürrischen Gedanken darüber, dass man an sie in der vergangenen Nacht nicht so dachte, wie sie es erwartet hatte. Sie übte das Murren wider die eigene Sünde. - Das ist ein Weg zu seligem, wahrem Christenleben.


Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Die rechte Unzufriedenheit

"Wie murren denn die Leute im Leben also? Ein jeglicher murre wider seine Sünde!"

Als Jeremia seine Klagelieder verfasste, war schwere Zeit. Ein furchtbarer Zusammenbruch war erfolgt, ein Strafgericht war am Volk vollzogen, das einen völligen Untergang nach sich zu ziehen schien. Der gewaltige Nebukadnezar kannte keine Schonung. Mit rücksichtsloser Gewalt trat er das Volk der Juden zu Boden und seine Gefangenen unter seine Füße. Teuerung und Hunger herrschten in dem verödeten, ausgeleerten Land. - Da gab es genug Grund, zu klagen und zu murren. Viele zweifelten, ob es überhaupt einen Gott im Himmel gebe, der das Geschick der Menschen leitet. Denn sie konnten diese Ereignisse und Zustände mit der Gerechtigkeit Gottes nicht in Einklang bringen. - Grund zur Unzufriedenheit ist auch bei uns reichlich vorhanden. Wohin man kommt, hört man Äußerungen des Unmuts und der Bitterkeit. Und doch ändern wir mit allem Kritisieren und Schimpfen nicht das Geringste. Wir kommen nicht vom Fleck. Das Leben fließt dahin unter unnützen Klagen und Vorwürfen, wenn nicht endlich der Mensch den tiefsten Grund alles Jammers erkennt: die Sünde. - Ein jeder murre wider seine Sünde! "Du hast mich gezüchtigt, und ich habe mich auch züchtigen lassen." Wenn diese Tonart erklingt, dann ist bald gewonnen. Wenn ich das Schwere, das über mich kommt, als Züchtigung vom Herrn annehme und mich darein füge, indem ich einsehe: Es ist meines Ungehorsams Schuld, dass ich so gestraft werde, dann bin ich auf der richtigen Spur. Ich kehre den Dolch wider mich, ich zürne mir und nicht andern. Ich hadere nicht mehr mit meinem Schicksal, ich ziehe mich selbst zur Rechenschaft. Es ist nicht zu befürchten, dass wir gegen uns selbst allzu hart und scharf vorgehen. Wir sind von Natur nur allzu nachsichtig und rücksichtsvoll gegen uns selbst. Wir verurteilen uns niemals mit allzugroßer Strenge. - Sobald wir uns als die eigentlich Schuldigen erkennen, verwandelt sich das Murren in ein Beten und Flehen um Gnade. Äußere Nöte treiben wohl auch ins Gebet, sie machen aber auf der andern Seite den Menschen leicht an allem Gebet irre, wenn die begehrte Hilfe ausbleibt. Anders dagegen ist es, wenn der Mensch in Sünden- und Gewissensnot gerät. Dann hört sein Gebet auf, oberflächlich zu sein. Dann heißt es: "Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir; erhöre meine Stimme, lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!" Oder: "Es haben mich meine Sünden ergriffen, dass ich nicht sehen kann; ihrer ist mehr denn Haare auf meinem Haupt, und mein Herz hat mich verlassen." Ein solches Gebet wird unfehlbar erhört, und dann verwandelt sich das Murren in Lob und die Klage in einen Reigen.

Gib, Herr, Geduld, vergiss der Schuld, schaff ein gehorsam Herze, dass ich nur nicht, wie's wohl geschieht, mein Heil murrend verscherze!