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Predigten zu Kolosser 1,24

"Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch und ergänze in meinem Fleische, was noch rückständig ist von den Drangsalen des Christus für seinen Leib, das ist die Versammlung,"

Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Nun freue ich mich in den Leiden für euch und erdulde stellvertretend das Übrige der Trübsal Christi an meinem Fleisch für seinen Leib, welcher ist die Gemeinde."

Es ist nicht ganz leicht, festzustellen, was sich Paulus unter der Ergänzung von dem Fehlenden der Trübsale Christi dachte. Jedenfalls verstand er darunter nicht das stellvertretende Sühneleiden des Christus. Das bedurfte für ihn nicht der Ergänzung. Er spricht hier vielmehr von jenen Leiden Christi, von denen er auch an die Gemeinde in Korinth schreibt: "Gleichwie die ,Leiden Christi' sich reichlich über uns ergiessen, so ergiesst sich auch der Trost reichlich durch Christus. Mögen wir nun in Not sein, so geschieht es euch zum Heil und Trost."

Was auch Paulus immer unter dem "Fehlenden der Trübsale Christi" verstanden hat, eins sehen wir klar, dass ihm die Gemeinde mit ihrem Haupte, Christus, ein sehr realer, lebendiger Organismus war, mit dem er sich als Glied aufs engste verbunden wusste. Seine persönlichen Leiden und Kämpfe mussten daher unbedingt dem Gesamtorganismus zugute kommen. Das ist eine sehr köstliche Wahrheit. So manche Jesusjünger ahnen nicht, von welch weit tragender Bedeutung es für die Gesamtkirche Jesu sein kann, wenn sie in ihrem persönlichen Leiden oder in ihren verborgenen Kämpfen den vollen Sieg erringen. Jeder Gewinn des einzelnen ist hier Gewinn der Gesamtheit. Und wie würden manche in ihrer Einsamkeit und auf ihren unbeobachteten Berufswegen weit mehr in der Furcht Gottes wandeln, wenn sie wüssten, dass jede innere Niederlage ganz bestimmte Wirkungen in dem lebendigen Gesamtorganismus des Christus hervorrufen.

Obgleich nur einer bei der Eroberung Jerichos von dem Verbannten etwas geraubt hatte, so litt doch ganz Israel darunter. Und hätte David einst je gewagt, den Kampf mit dem höhnenden Philister im Terebintental aufzunehmen, wenn demselben nicht der wunderbare Sieg in der Einsamkeit der Wüste beim Hüten der Schafherden seines Vaters vorangegangen wäre? Als er im Vertrauen auf die Macht Gottes hinlief und dem Löwen und dem Bären die geraubte Beute entriss, da ahnte er nicht, welch entscheidende Bedeutung sein Sieg etliche Monden später für sein ganzes Volk haben würde.

Was würde es doch auch in unseren Tagen bedeuten, wenn das tiefe Bewusstsein von dem organischen Zusammenhang des einzelnen Gliedes mit dem Gesamtorganismus des Christus wieder lebendig würde und seine volle Kraft entfalten könnte! Wir ahnen nicht, wie viel das zur Belebung, Bewahrung, Befruchtung und Bereicherung der gesamten Jesusgemeinde beitragen würde. Dieselbe würde wieder zu jener weltüberwindenden Kraftentfaltung zurückkehren, in der einst in den Tagen des Paulus die Welt überwunden wurde.


Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Nun freue ich mich in den Leiden für euch und erdulde stellvertretend das Übrige der Trübsal Christi an meinem Fleisch für seinen Leib, welcher ist die Gemeinde."

Für Paulus sind es Christusleiden, die ihm eine Quelle der Freude und für die Gemeinde eine Quelle des Segens sind. So war für ihn das Problem seiner Leiden gelöst. Sie hatten für ihn ihre Bitterkeit und Härte verloren. Er sah ihre heilige Zweckmässigkeit und freute sich der köstlichen Frucht, die er und andere aus seinen Leiden ernteten.

Denn was er da über seine Leiden schrieb, war nicht tote Theorie, sondern tiefstes Erleben. Er kannte Leiden. Als Gefangener schrieb er an die Gemeinde. Die Trübsale Christi hatten bisher einen sehr wesentlichen Teil seines Glaubenslebens ausgefüllt. Ihm war es aber nicht fraglich, warum das so sei. Er wusste, dass Lammesjünger auch Lammeswege zu gehen hätten. War das Haupt durch Leiden vollendet worden, so konnten auch die Glieder dieses Hauptes allein durch Leiden vollendet werden. Paulus konnte sich keine Jesusjünger denken ohne Jesusleiden, und zwar weil ihm eine Aussöhnung zwischen einem Jesusleben und dem Weltleben unmöglich erschien. Eine Vermählung des Geistes mit dem Fleisch, ein Aufhören der Feindschaft der Weltgemeinde gegen die Auferstehungsgemeinde galt ihm für ausgeschlossen. Beide sind durch ihr innerstes Wesen wie durch eine unüberbrückbare Kluft voneinander geschieden.

Daher bildeten die Leiden für ihn keine Überraschung und waren für ihn nichts Unerwartetes. Aber mehr: Sie bedeuteten ihm auch keinen Verlust an Leben und Kraft. Sie raubten ihm nicht seine Freude am Herrn. Sie brachen nicht seine Kraft und Freudigkeit im Dienste des Herrn. Im Gegenteil: Sie vermehrten ihm Kraft und Freude. Sie machten sein Leben umso fruchtbarer für andere.

Nicht von den Leiden an sich erwartete er diesen Segen. Leiden an sich konnten ihm nichts an Leben und Kraft geben. Er erwartete und erlebte diesen Segen vom Auferstandenen, dem seine Leiden zur Grundlage ganz neuer Kraft- und Lebensentfaltung werden musste. Und das war für ihn Gewinn. Jede neue und grössere Lebensäußerung Christi bereicherte sein Leben, erfüllte seine Seele mit Freuden und schuf in seinem Dienst neue Frucht.

Mit am wertvollsten war ihm jedoch, dass er durch seine Leiden für die Gemeinde ergänzen durfte "das Fehlende der Trübsale Christi". Seine Christusleiden kamen dem ganzen Christusleib zugute. Er hätte dieselben umgehen können, wenn er sich der Fürsorge für die Gemeinden entzogen hätte. Das hatte er jedoch nicht getan. Vielmehr hatte er freiwillig all die Leiden auf sich genommen, die mit seinem Dienst an den Gemeinden für ihn verbunden waren.