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Predigten zu Kolosser 3,13

"einander ertragend und euch gegenseitig vergebend, wenn einer Klage hat wider den anderen; wie auch der Christus euch vergeben hat, also auch ihr."

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Die tragende Liebe (II)

"Es vertrage einer den andern!"

Wir geben alle einander zu tragen. Daneben gibt es Menschen, die wirklich nur eine Last für andere sind, die keine Stärkung und Erquickung bieten, sondern nur Beschwerde und Verdruss bereiten Tag für Tag. Auch solche wollen wir tragen, wenn Gott sie an unsere Seite gestellt hat. Sie sind uns eine heilsame Übung in der Geduld, ein Schleifstein, durch dessen Härte so manche Ecken und Kanten in unserem eigenen Wesen abgeschliffen werden sollen. Jesus ertrug drei Jahre lang einen Judas, der ihm nie eine Erquickung war, dessen finsteres, unlauteres, verstecktes Wesen seine heilige und zarte Seele nur belastete. Er ertrug ihn ganz still, ohne seinem Herzen Luft zu machen. Wie nahe lag es, sich über diesen unerträglichen Menschen, wenigstens gegenüber seinen vertrautesten Jüngern, auszusprechen! Er tat es nicht bis zum letzten Abend. Er ist der große Lastträger. Er trug der ganzen Welt Sünde. Auch seine Jünger gaben ihm noch genug zu tragen mit ihren Untugenden. Auch die erlösten Gotteskinder erquicken ihn nicht bloss, nein, sie beschweren ihn oft noch sehr durch ihre immer neuen Verfehlungen, Kleinglauben, irdischen Sinn und Lieblosigkeiten. Er hat nicht nur einmal unsere Sünde getragen, er trägt sie fort und fort als unser Hoherpriester und vergibt immerdar. In Jesaja 53 lesen wir beides: "Er hat vieler Sünden getragen" und: "Er trägt ihre Sünden fort und fort." - Wie sind wir von Natur so unverträglich, weil wir nur die Fehler anderer sehen und nicht auch die eigenen! Wie wenig sind wir gewillt, Unliebenswürdigkeiten, Wunderlichkeiten, Launen und Bosheiten zu ertragen! Wie kurzatmig ist unsere Liebe! Wie schnell ist die Geduld erschöpft! Wie oft könnten wir einen fehlerhaften Menschen bessern und fördern, wenn wir uns etwas gefallen lassen wollten! Anstatt zu ertragen, wehren wir uns. Anstatt zu schweigen, machen wir nur Vorwürfe. Anstatt durch Worte der Sanftmut dem andern ins Gewissen zu reden und ihn von seinem Unrecht zu überzeugen, machen wir unserm Unwillen und unserm Ärger Luft. Anstatt zu retten, verderben wir und treiben den andern in Trotz und Verstockung hinein. Wollen wir ihn von seinen Fehlern befreien, dürfen wir uns nicht von ihm zurückziehen, wenn wir ihn fehlen sehen. "Eines müssen wir noch lernen, durch das Leben still zu geh'n, uns von Liebe nicht entfernen, wenn wir Brüder fehlen sehn." Der Heiland ließ die Sünden der Menschen auf sich fallen. So müssen auch wir uns etwas, ja viel und schließlich alles gefallen lassen. Wenn wir um des Gewissens willen zu Gott das Böse vertragen und das Unrecht leiden, wenn wir vielleicht gerade um des Wohltuns willen, so wie Jesus, leiden müssen, dann ist Aussicht, dass wir die Bösen gewinnen und Sünder bekehren. Die tragende Geduld hat schon manches widerspenstige Herz überwunden und das Bekenntnis hervorgelockt: "Du bist besser als ich. So wie du möchte ich auch sein." So gesinnt macht uns Jesus, der sanftmütige, unermüdliche Lastträger.


Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
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Vergebungsbereitschaft

»Und vergib uns unsere Schuld, wie wir unseren Schuldigern vergeben.« Es gibt zweierlei Menschen, die diese Bitte nicht aussprechen und die darin enthaltene Vergebung nicht empfangen können. Dazu gehören ganz gewiss jene, die ihre eigenen Sünden vergessen und die Sünden ihres Nächsten so groß machen, dass sie sich nicht schämen zu sagen: »Ich will und kann ihm niemals vergeben!« Diese haben Balken – ja, Baumstämme in ihren Augen und sehen sie nicht, aber das Splitterchen oder den kleinen Zweig im Auge des Nächsten wollen sie nicht übersehen. Auf diese Weise achten sie ihre eigene Sünde Gott gegenüber für nichts, machen aber die Sünde des Nächsten groß und schwer. Sie wollen, dass Gott ihnen ihre große Schuld vergibt, während sie – was den Nächsten betrifft – nichts ungestraft lassen wollen. Selbst wenn sie keine andere Sünde oder Schuld hätten, so wäre doch dieser Balken schon groß genug (vgl. Röm 12,19). Ja, Gott ist verwunderlich in seinem Recht und Gericht, denn Gott sucht die größere Schuld in jenen, die nicht vergeben wollen, und nicht in denen, die Schaden und Leid verursacht haben.


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Die Liebe weicht, wenn Groll einzieht

Ich glaube nicht, dass der Geist des Grolls in einem liebenden Herzen ruhen kann. Im Laufe vieler Konferenzen und bei Hunderten von Gesprächen habe ich immer wieder gehört: »Das hat mich geärgert!« Aber niemals habe ich solche Worte von Männern und Frauen gehört, die bewusst ein christliches Siegesleben führten! Bevor der Groll einkehren kann, muss die Liebe weichen und der Bitterkeit Platz machen. Die bittere Seele legt dann eine Liste von Kränkungen an, an denen sie sich verletzt hat und die sie hütet wie eine Bärin ihre Jungen. Es gibt kaum etwas Niederdrückenderes als den Anblick von bekennenden Christen, die ihre vermeintlichen Rechte verteidigen und erbittert jedem Versuch entgegentreten, diese anzutasten. Solch ein Christ hat nie den Weg des Kreuzes akzeptiert. Die freundlichen Gnaden der Niedrigkeit und der Demut sind ihm fremd. Die einzige Heilung von dieser Sache liegt darin, dem Ich zu sterben und mit Christus zu einem neuen Leben aufzuerstehen. Ein Mensch, der sich den Willen Gottes zum Ziel setzt, wird dieses Ziel erreichen – nicht durch Selbstverteidigung, sondern durch Selbstverleugnung. Dann spielt es keine Rolle, wie er von den Menschen behandelt wird – er wird immer inneren Frieden behalten. Er hat getan, was Gott will – da ist es einerlei, ob ihm geflucht oder geschmeichelt wird. Er sucht weder das eine noch das andere, sondern will Gott gehorchen – koste es, was es wolle! Wenn es solche gibt, die Freude daran haben, ihn unten zu halten, so ist er doch mit sich selbst in Frieden und hegt keinen Groll gegen sie – denn er sucht keine Verbesserung seiner Lage, sondern den Willen Gottes.