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Predigten zu Markus 10,17

"Und als er auf den Weg hinausging, lief einer herzu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Lehrer, was soll ich tun, auf daß ich ewiges Leben ererbe?"

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Ein noch unklarer Gottsucher

"Und es lief einer herzu, kniete vor ihn und sprach: Guter Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Aber Jesus sprach zu ihm: Was heißt du mich gut? Niemand ist gut denn der einige Gott."

In dem Jüngling war ein edles Streben, ein Zug nach oben, den Gott in ihm geweckt hatte. Er hatte das höchste Ziel vor Augen, er wollte das wahre und ewige Leben gewinnen. Aber es war noch viel Unklarheit dabei. Er kannte sich noch nicht. Die Jugend schwärmt gern ein wenig. Man ist überschwenglich. Der Jüngling kniete vor den Heiland hin in heißem Verlangen nach innerster Befriedigung. Einige Minuten später ging er unmutig von Jesus weg. Die seelische Begeisterung schlägt oft schnell ins Gegenteil um. Die Wahrheit ist nüchtern. Jesus, der die Wahrheit in Person war und ist, wirkt ernüchternd durch seinen Geist: der unklare Durst wird von ihm verscheucht. "Was heißt du mich gut? Niemand ist gut denn der einige Gott." Jesus sagt nicht: Ich bin nicht gut; denn er war es. Er schließt sich an einer andern Stelle von uns argen, sündigen Menschen aus, wenn er sagt: "Ihr, die ihr arg seid" (Lk. 11, 13). Ja, er fragte: "Wer unter euch kann mich einer Sünde zeihen?" Er wusste, wie keiner außer ihm, was Sünde war. Er hat sie in ihrem Wesen oder vielmehr Unwesen erfasst wie niemand. Aber er wusste von Sünde nicht aus eigener trauriger Erfahrung. Sie war ihm innerlich fremd. Der Jüngling aber erkannte Jesus nicht in seinem einzigartigen Wesen als den eingeborenen Sohn Gottes, der an dessen absolut gutem Wesen teilhat.

Er sah in Jesus einen Lehrer. Aus seinem Mund war die Anrede "guter Meister" ungehörig. Jesus rügt sie. Der junge Mann ist mit dem Wort "gut" allzu freigebig. Er hält sich selbst auch für gut. Denn er ist sich keiner Übertretung des göttlichen Gebots bewusst. Er überschätzt sich. Jesus lässt sich nicht bestechen. Er schließt den an sich liebenswürdigen Menschen nicht sofort in seine Arme. Er wirft ihn unsanft aus seinen Träumen: Keiner ist gut, auch du nicht! Wir bedürfen alle der Reinigung, nicht bloss unserer Herzen, sondern auch unserer Ausdrucksweise. Wir übertreiben, gebrauchen zu starke Ausdrücke, sagen schmeichelnde Worte und denken anders. Wir reden geistlich, führen das Wort "Herr" viel im Mund und sind am Ende nur "Herr, Herr"- Sager. "Der Herr hat mir's gezeigt", sagt z. B. jemand. Aber im Grunde ist es die Stimme des eigenen Herzens. Alle Reden, die der Sache nicht entsprechen oder auch mit dem Innern nicht stimmen, sind hohle Phrasen. Wenn wir die Worte nicht nach ihrem Vollsinn gebrauchen, machen wir sie zu falschen Münzen. Lasst uns massvoll, einfach und schlicht in der Rede werden! Geben wir gediegene, bare, vollgewichtige Münze aus! Halten wir uns in den genauen Linien der Wahrheit! Dann kommen wir dem näher, der die Wahrheit ist.


Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
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Das Himmelreich suchen

»Dein Reich komme.« Viele Menschen, die so beten, wollen nur selig werden und verstehen unter dem Reich Gottes nichts anderes als die Freuden des Himmels. Ihr fleischlicher Verstand kann sich einfach nichts anderes ausdenken. Sie fürchten sich vor der Hölle und wollen darum gern in den Himmel. Sie wissen nicht, dass Gottes Reich nichts anderes ist, als gottesfürchtig, ehrbar, rein, milde, sanft und barmherzig zu sein und mit aller Tugend und Gnade erfüllt zu werden, sodass Gott seine Gaben in uns findet und dadurch in uns wohnt, lebt und regiert. Danach müssen wir am meisten und als Erstes trachten, denn das heißt wirklich selig sein, wenn Gott in uns regiert und wir in seinem Reich sind. Die Lust und Freude des Himmels brauchen wir aber nicht zu suchen, zu erbitten und zu begehren, weil beides von selbst kommt und dem Reich Gottes auf dem Fuße folgt. Wenn man guten Wein trinkt, dann bekommt man davon ein fröhliches Herz – das geht gar nicht anders. Noch viel mehr werden, wenn Gnade und Güte – das Reich Gottes – in uns sind, ganz natürlich und ungezwungen Freude, Friede, Seligkeit und alle Wonne folgen. Wir sollen nicht die Freude und die Lust des Reiches suchen, sondern das Reich selbst. Viele suchen das Niedrigere zuerst und achten das Höchste nicht, und wenn doch, dann nur um des Niedrigeren willen. Darum werden sie gar nichts erhalten. Sie wollen den Anfang nicht, darum werden sie auch das Ende nicht bekommen.