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Predigten zu Markus 14,61

"Er aber schwieg und antwortete nichts. Wiederum fragte ihn der Hohepriester und spricht zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Gesegneten?"

Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Wie ganz anders wird es dann sein, als es vor achtzehnhundert Jahren war und als es jetzt noch ist! Vor achtzehnhundert Jahren kam Jesus als ein armer Mensch; als er zu den Toren von Jerusalem einritt, konnte ein Weltauge von seiner Herrlichkeit wenig oder nichts sehen. Bald darauf übergab er sich in die Hände seiner Feinde, die den Mutwillen und die Bosheit ihres finstern Herzens an ihm verüben durften; er starb am Kreuze, wie ein Missetäter stirbt - nackend, in der alleräußersten Verachtung hing er da am Kreuz, zum Spott und Hohn seiner Feinde, und starb.

Aber auch jetzt noch siehet ein Weltauge nichts oder wenig von seiner Herrlichkeit; er hat sich verborgen in Gott; sein Reich ist ein Kreuzreich; sein Leben ist allenthalben unter der Schwachheit des Fleisches versteckt; durch die Niedrigkeiten des Kreuzes verächtlich gemacht vor den Augen der stolzen Welt. - Die Welt mit ihrer Lust, mit ihrer vergänglichen Pracht und Hoheit, ja das glänzt in die Augen, das brüstet sich: - aber die Herrlichkeit des Reiches Jesu zu sehen, dazu gehören schon andere Augen, als die Vernunft hat; es muß geoffenbaret sein vom Vater; denn diese Herrlichkeit ist verborgen, ist inwendig, ist eine Herrlichkeit des Glaubens; und was man glaubet, das siehet man nicht.

Aber es wird anders werden an jenem Tage. Des Menschen Sohn wird kommen in seiner Herrlichkeit. In der Herrlichkeit, die er hatte, ehe die Welt war; die er nun wieder angenommen hat, seit er sich gesetzt hat zur Rechten der Kraft; mit dieser Herrlichkeit wird er aus seiner Verborgenheit herausbrechen, und es wird ihn sehen alles Auge. Der Mann, welcher in Bethlehem geboren wurde, der schon in seiner Kindheit vor Herodes fliehen mußte; der Mann, welcher in Nazareth mit seinem Pflegvater auf dem Handwerk arbeitete; der Mann, welchen sein Volk von sich stieß; der Mann, den sie in's Angesicht schlagen durften mit den Worten: »Weissage, wer isfs, der dich schlug?« - der sich unter allen diesen Mißhandlungen und Bosheiten als das sanftmütigste Lamm bewies; der unbekannte Mann, der allen weltlich gesinnten Menschen unbekannt ist und bleibt, und mit dem Hereindringen des Geistes dieser Zeit es immer mehr wird: - Dieser Jesus von Nazareth wird wiederkommen in seiner Herrlichkeit.

Herr, wo ich bin und was ich tu, da rede durch dein Wort mir zu, daß du, erhöhter Jesus Christ, mein Heiland und mein Richter bist.