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Predigten zu Markus 7,33

"Und er nahm ihn von der Volksmenge weg besonders und legte seine Finger in seine Ohren; und er spützte und rührte seine Zunge an;"

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Von der Gebundenheit zur Lösung (I)

"Jesus nahm den Taubstummen von dem Volk besonders."

Noch heute nimmt er die Menschen besonders vom Volk. Jede Heimsuchung durch Krankheit oder Trübsal ist ein solches "Besondersnehmen". Vielleicht klagst du: Mir geht es besonders schlecht, ich bin besonders hart betroffen. Sieh es so an, dass er dich besonders nimmt, weil er etwas Besonderes mit dir vorhat, dir einen besonderen Segen, eine besondere Erfahrung seiner Gnade zugedacht hat! Lass dich willig auf die Seite, in die Stille führen!

Der Herr Jesus geht nicht schablonenhaft zu Werke. Die Leute meinten, er solle dem Taubstummen die Hände auflegen, wie sonst oftmals. Diesmal verfuhr er anders. Der Heiland geht bei seinen Kuren auch nicht summarisch vor, er verfährt nicht in Bausch und Bogen. Er widmet sich jedem einzelnen besonders. Er geht ein auf seine besonderen Bedürfnisse und Schäden. Bei dem Taubstummen legte er die Finger in die Ohren. Da hatte das Übel seinen Sitz. Der Heiland legt den Finger auf den Schaden. Vielen ist dies zuerst unleidlich, wenn er durch seinen Geist im Gewissen an die kranken Stellen rührt und bei der Wortverkündigung oder in der Einzelunterredung durch seine Werkzeuge an den wunden Punkt gelangt. Aber entziehe dich dem nicht! Der Heiland legt den Finger nicht hin, nur um dir Pein und Schmerz zu verursachen, sondern um zu heilen. Ferner brachte er an die Zunge des Stummen etwas von seinem Speichel. Das konnte dem Taubstummen rätselhaft und sinnlos erscheinen, hatte aber einen tiefen Sinn. Der Speichel gehört zu den wichtigsten und unentbehrlichsten Säften des Leibes. Von diesem Lebenssaft nimmt der Heiland etwas: ein Abbild seines aufopfernden, hingebenden Handelns. "Es ist eine Kraft von mir ausgegangen", lesen wir einmal. Die Wunder waren nicht Kunststücke, die er hinzauberte. Es war ein inneres Aufnehmen der Leiden und Krankheiten und ein Spenden seiner Kraft. Zuletzt hat er sein Blut, den eigentlichen Lebenssaft, den Träger des Lebens, für uns hergegeben. Einen solchen Heiland haben wir, einen Retter, der sich in Liebe für uns dargibt. Wollen wir uns ihm nicht anvertrauen mit den Schäden, die doch niemand heilen kann als nur er?

Gott rufet noch, ob ich mein Ohr verstopfet, er stehet noch an meiner Tür und klopfet. Er ist bereit, dass er mich noch empfang'; er wartet noch auf mich; wer weiss, wie lang?


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Und er nahm ihn von dem Volk besonders.

Im Lärm der Welt, in der Zerstreuung des Tages, in der fesselnden Arbeit, wie in der aufregenden Sorge und Erholung geht der Meister und Freund der Seele verloren. Darum sendet Gott die Krankheit, die den Fuß hemmt und deine Hand ermattet, und führt dich in die Stille. In sie tritt er mit der seelsorgerlichen Frage, ob die trüb gestimmte Seele, das geängstete Menschenkind nun Zeit für ihn habe. In allem ist es der Herr, der in den Fügungen und Schickungen, die jeder am ehesten selbst erkennen muss, besonders nimmt. Ein ums andere Mal nahen die ernsten Zeiten, da den Menschen Besonderes gesagt wird.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
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Und er legte ihm die Finger in die Ohren und spützte und rührte seine Zunge.

Er legt dem Armen die Finger in die Ohren, damit er erlerne, wo sein Elend ruht, und nimmt die gebundene und schwere Zunge in seine Hand, damit er merke, wie eingehend die Treue mit der Not sich befassen will. So macht er's bei dir und mir, zeigt den Grund des Leides und des Übels. Du suchst ihn in Verhältnissen, er findet ihn im Verhalten. Du entschuldigst dich und erklärst dein Wesen aus deiner Umgebung, er wendet alles persönlich: Das ist deiner Bosheit Schuld. Du willst dich von den schweren Gedanken mit Ausreden befreien, er legt dir den Finger auf die Wunde: Du selbst bist deines Leidens Grund.