10.798 biblische Andachten und Predigten von Spurgeon, MacArthur, MacDonald, Christlieb, Eichhorn, Hofacker, Zinzendorf, Luther ...

Predigten zu Matthäus 11,29

"Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen;"

Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
Zitate von Ludwig Hofacker anzeigen

Der Heiland ist der Anfänger und Vollender des Glaubens, das A und O; er ist das herablassendste, geduldigste, erbarmendste, demütigste Herz; kein Mensch ist so demütig wie er, kein Mensch siehet so auf das Niedrige wie er. Wenn ich mit diesem Blick in die Welt hineinsehe, so wird es mir leichter zu hoffen für mich und für die ganze Welt. Sieht man ohne dies auf sich selber und auf die Welt, so muß man freilich in das Wort einstimmen, das der Heiland seinen Jüngern in Absicht aufs Seligwerden der Rei- chen sagte: »Bei den Menschen ist's unmöglich!« Der Leichtsinn des menschlichen Herzens ist unbeschreiblich groß; und wenn dieser aus dem Herzen weicht, so wollen finstere, trübsinnige Gedanken hereinbrechen; dieses arme Herz findet die Mittelstraße nicht; es ist ein trotzig und verzagt Ding. Was stecken für Hindernisse des Seligwerdens im Fleische; was für eine Menge falscher Ansichten, Vorurteile, guter Meinungen lassen dem Geiste Gottes im Inwendigen nicht Raum; wie viele Versuchungen und Gefahren liegen in unsern Umgebungen; was tut der Welt- und Zeitgeist nicht; was unternimmt und probiert nicht der Teufel! Und aus diesem allem soll sich das so geringe und schwache Glaubenssämlein herausarbeiten! Bei den Menschen ist's unmöglich, aber der Macht und Barmherzigkeit Jesu ist alles möglich; und das gibt mir einen heitern Blick in unsere Christenheit hinein. Wie viele, wie verschiedene Geister sind da! Aber bei aller Verschiedenheit möchte doch in den meisten ein Same für die Ewigkeit liegen. Im Blick auf den Heiland ist es zu hoffen, daß vielleicht das Evangelium noch bei vielen durchschlagen werde, wenn einmal ihre Stunde gekommen ist. Denn der Heiland verachtet auch ein schwaches Glaubensfünkchen nicht, sondern hilft demselbigen auf, und bereitet das Herz nach und nach also zu, daß das Gericht kann zum Siege hinausgeführt werden.

Liebe Seele, was sorgest du? Warum grämest du dich? Ergib dich, Den zu lieben, der heißt Immanuel! O ein treuer Gott! Fürchte dich nicht, du Würmlein Jakob, und ihr, armer Haufe Israel; ich helfe dir, spricht der Herr; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein; ich vertilge deine Missetat, wie eine Wolke, und deine Sünde, wie den Nebel; kehre dich zu mir, ich erlöse dich! O Friedensfürst, dein freundliches Regieren stillt alles Weh, das meinen Geist beschwert. Wenn sich zu dir die blöde Seele kehrt, so läßt sich bald dein Friedensgeist verspüren; dein Gnadenblick zerschmelzet meinen Sinn, und nimmt die Furcht und Unruh von mir hin.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
Zitate von Ludwig Hofacker anzeigen

Wenn ein Sünder mit zerschlagenem Herzen zu den Füßen Jesu um Gnade schreit, so ist er doch nicht so demütig, als der, den er anbetet, als unser Heiland selbst, denn dieser ist von Herzen demütig, es ist seine Natur so, er ist, daß ich mich so ausdrücke, das Urbild aller Demut, bei uns aber ist die Demut nichts Angeborenes, nichts in unserer Natur Gegründetes, sondern etwas vom heiligen Geist erst Gelerntes, das uns eben darum in jedem Augenblick wieder entrissen werden kann, wenn wir es nicht treu bewahren. Unter allen vom Weibe Gebornen ist Jesus Christus der demütigste Mensch. Und wie könnte das auch anders sein? Ein Hauptzweck, warum der Heiland in die Welt gekommen ist, bestand ja auch darin, daß er uns ein göttliches Muster und Vorbild würde. Und gibt es wohl eine Tugend, für welche uns hochmütigen Söhnen Adams ein Vorbild so nötig gewesen wäre, wie für die Demut? Durch Hochmut war ja Adam gefallen, in Hochmut hatte sich das ganze Sündergeschlecht verloren, man wußte gar nicht mehr, was wahre Demut sei, da war es ja wohl nötig, daß uns ein Muster göttlicher Demut vom Himmel gegeben werde, damit wir daran die Demut lernen könnten.

Diese Demut hat nun auch der Heiland in seinem ganzen Leben in unzähligen Proben auf's herrlichste gezeigt. Nur eins jetzt: er wußte schon in seinem zwölften Jahre, woher er kam und wer er war; er sah von da an achtzehn Jahre lang das Elend seines Volks, fühlt Gotteskräfte in sich und doch - schweigt er, doch verhält er sich ruhig und still und arbeitet auf seinem Handwerk, wie wenn er nur dazu geboren wäre, und ist seinen Eltern gehorsam, ob er sie gleich unendlich weit übersieht. Es ist erstaunlich. Diese Demut, dieser Gehorsam geht über alles menschliche Denken weit, weit hinaus. Was sind wir dagegen? Wie müssen wir uns scheuen vor ihm! Kaum glauben wir etwas besser zu wissen, als unsere Mitmenschen, so will uns das Herz oder der Kopf schon zerspringen, bis unsere Weisheit ausposaunt, bis sie der Welt vor Augen gelegt ist. Und er, der Weiseste unter allen, schweigt achtzehn Jahre! Immer stiller, immer stiller laß, o stilles Lamm, mich sein! In den Leiden, in den Freuden tiefer in die Still hinein! Wenig Wort und viele Kraft und ein stilles, sanftes Wesen mehr im Wandel, als im Wort, sei zu meinem Schmuck erlesen!


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
Zitate von Aiden Wilson Tozer anzeigen

Der Demütige sagt: »Was falsch ist, kommt von mir.«

Ein Blatt aus der Frühzeit der christlichen Gemeinde berichtet uns, dass man einem weisen Mann einmal sagte, sein geistlicher Rat sei sehr hilfreich gewesen. »Das kann nicht sein«, schrieb dieser Mann als Antwort. »Nur was falsch ist, kommt von mir. Jeder gute Rat ist ein Rat des Geistes Gottes. Seinen Rat habe ich zum Glück richtig verstanden und euch unversehrt mitteilen können.« Wir finden hier eine prächtige Lektion für uns, die wir nicht unbeachtet lassen dürfen. Es ist die angenehme Demut dieses Gottesmannes, die ihn sagen ließ: »Nur was falsch ist, kommt von mir.« Er war sich völlig darüber im Klaren, dass seine eigenen Bemühungen nur zu Fehlern führen konnten und dass alles Gute in seinem Rat das Werk des Heiligen Geistes sein musste, der in ihm Sein Werk tat. Offensichtlich war dies mehr als ein plötzlicher Impuls, sich selbst herabzusetzen, der den Stolzesten manchmal überkommt. Es war vielmehr seine feste Überzeugung, die seinem ganzen Leben Gestalt und Richtung verlieh. Der lange, demutsvolle Dienst dieses Mannes, der vielen geistliche Hilfe brachte, offenbart das zur Genüge. Wir glauben fest, dass der Evangelikalismus fortfahren wird, weiter und immer weiter von den Positionen des Neuen Testaments abzudriften, wenn dessen Leiter nicht von dem modernen religiösen Starkult zu heiliger Selbstverleugnung umkehren, die nicht nach Ruhm und Stellung trachtet, sondern nur glücklich ist, wenn Gott aller Ruhm zukommt und sie selbst darüber vergessen werden!


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
Zitate von Aiden Wilson Tozer anzeigen

Christus, der eine Gesegnete

Es tut mir sehr Leid für diejenigen, die die Bergpredigt lesen und daraus den Schluss ziehen, dass Jesus hierin das Bild der Männer und Frauen zeichnete, die die Menschheit ausmachen. Wir finden in dieser Welt nichts, das den Tugenden und Werten nahe kommt, von denen Jesus in den Seligpreisungen spricht.

Anstelle der geistlich Armen finden wir äußerst stolze Menschen. Statt der Leidtragenden finden wir solche, die Vergnügen suchen. Statt auf Sanftmut treffen wir nur auf Arroganz, statt dass sie nach Gerechtigkeit hungerten, sagen Menschen: »Ich bin reich und habe viele Güter; ich brauche sonst nichts!«

Statt Barmherzigkeit finden wir Grausamkeit. Anstelle der Reinheit des Herzens treffen wir auf verdorbene Einbildung. Statt auf Friedfertige treffen wir auf Streitsüchtige und Neider, die mit jedem Mittel zurückschlagen, das sich ihnen anbietet.

Jesus sagte, Er sei gekommen, um uns von der Erbsünde zu befreien. Selig ist der Sünder, der erkennt, dass Jesu Worte selbst die Wahrheit sind, dass Er der eine Gesegnete ist, der von oben kam, um über die Menschheit den himmlischen Segen zu bringen.


Autor: Hermann Bezzel (*18.05.1861; † 08.06.1917) deutscher lutherischer Theologe
Zitate von Hermann Bezzel anzeigen

Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig.

Seine Sanftmut zeigt sich darin, dass er so lange die altgewohnte und altverbrauchte Lektion uns lehrt, nicht bis wir sagen: Herr, jetzt wissen wir’s – sondern bis er sagen kann: Jetzt seid ihr unterwiesen und habt die Salbung von oben und wisst alles! Jesu Unterweisung hat nichts Reizvolles, nichts Abwechslungsreiches, nichts Lockendes und Lebendes, nichts Schmeichelndes noch Erquickendes, aber Jesu Unterweisung hat das Grundsolide der ewigen Treue, dass sie nicht von uns weicht, bis wir von ihr überwunden, willenlos, aus reinem Willen sagen: „Rede, Herr, dein Knecht höret.“


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Nehmet auf euch mein Joch und lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig: so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

Wir sollen zu Jesu kommen, mühselig und beladen; bei ihm sollen wir entlastet und erquickt werden. Und dann ermahnt er uns, sein Joch auf uns zu nehmen mit der Versicherung, es sei sanft. Daraus lernen wir, dass sein Joch nichts sein kann, das wir uns selbst aufzulegen haben; denn alles was wir uns auflegen, drückt, es ist weder sanft, noch leicht. Nur was Jesus uns auflegt, ist sanft und leicht. Jesu Joch macht uns nie zu seufzenden Lasttieren. Wenn Er eine Last auflegt, so hilft Er sie auch tragen. Es gibt Bürden, die man sich selbst aufgeladen hat, und die man, wenn man zum Glauben gekommen ist, nicht ohne Weiteres abschütteln kann, sondern in Geduld und Demut tragen muss, bis der Herr sie wegnimmt. Unter seiner Gnadenhand werden solche Lasten zu großem Segen: sie fördern in der Demut, und lehren uns wachen, dass wir uns nicht wieder neue Lasten auflegen, oder uns von andern Menschen nach ihrem Belieben belasten lassen. Es muss uns ein Herzensanliegen sein, unser Leben so einzurichten, dass wir es in allen Dingen mit Jesu zu tun haben, von Ihm lernen. Tun wir das, so merken wir, wie gut man es bei ihm hat. Er der Sanftmütige und von Herzen Demütige behandelt uns gar zart, schonend und freundlich und legt es in allen Dingen darauf an, dass auch wir Seine Art bekommen, dass sein Geist der Sanftmut und Demut auch uns erfülle und wir wandeln können als seine rechten Jünger. Das ist der heilige, sichere Weg zur Ruhe für unsere Seele. Bin ich in der sanftmütigen und demütigen Hand Jesu; suche ich selber als ein Sanftmütiger und Demütiger in seinen Fußstapfen zu wandeln, so werde ich von tausend Dingen verschont, die andere drücken, welche eigene Wege gehen und darum ihre selbst erwählten Lasten tragen müssen.

Ach, dass ich Dich so spät erkannte, Du hochgelobte Liebe Du! Wie Manches wäre mir erspart geblieben. Bei Dir will ich bleiben; bei Dir hat man es gut. Amen