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Predigten zu Matthäus 20,22

"Jesus aber antwortete und sprach: Ihr wisset nicht, um was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinken werde? Sie sagen zu ihm: Wir können es."

Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Könnt ihr? Jawohl!

Das ist die Empfindung der Jugend, in ihrem Eifer, ihrem raschen Mut, ihrem Selbstvertrauen. Sie berechnet nicht die Klippen oder Gebirgsketten, die zwischen ihr und ihrem Ziele liegen mögen; sie denkt, sie könne in unaufhaltsamem Schnelllauf auf dem glitzernden Eise die ganze Entfernung durchmessen. Ohne zu zögern behauptet sie, allen Schwierigkeiten trotzen, alle Mühsale überwinden, den Kelch trinken, und mit der Leidenstaufe getauft werden zu können.

Aber dieselben Männer schliefen in Gethsemane, verließen den Meister, als Er gefangen geführt wurde, und unter dem Kreuze stand nur einer von den beiden. Kreatürliche Kraft genügt nicht in der Stunde größter Gefahr. Ich kannte einst zwei Freunde, die ebenso sprachen, wie die Söhne Zebedäi, als Gott ihnen den Kelch des Leidens darbot. Sie wussten nicht, was alles darin eingeschlossen war, und bekannten später, sie hätten nie bei ihrem Entschluss bleiben können, wenn sie nicht aus Gnaden wiederholt dazu gestärkt worden wären. Aber am Ende mussten sie sagen, sie hätten nichts anderes wünschen können.

Wie verschieden war doch die Führung dieser beiden Brüder? Für den einen kam der Kelch und die Taufe sehr bald, als er durch das grausame Beil Herodis enthauptet wurde (Apstg. 12,2); dem anderen waren lange, lange Jahre zugeteilt, als Mitgenosse der Geduld Jesu Christi. Es gibt verschiedene Seiten derselben Leidensgemeinschaft – schneller Tod, oder langes Warten, wenn nur die Nähe Jesu beides erhellt! Wir haben kein Recht zu hoffen, zur Rechten und zur Linken des HErrn sitzen zu dürfen auf seinem Thron, wenn wir damit unsere eigene Herrlichkeit und Gewalt im Auge haben. Ist unser Wunsch aber darauf gerichtet, so nahe wie möglich bei Jesu zu sein, so können wir mit völliger Sicherheit auf seine Erfüllung zählen.