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Predigten zu Offenbarung 1,7

"Siehe, er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, auch die ihn durchstochen haben, und wehklagen werden seinetwegen alle Stämme des Landes. Ja, Amen."

Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Der Apostel sagt nicht: er wird kommen, sondern er kommt. Seine ganze Zurückgezogenheit und seitherige Unsichtbarkeit vor den Augen der Menschen (Kol 3,3) ist also nichts anderes als eine Zeit seines Kommens. Wir haben es uns so zu denken, wie wenn ein Herr verreist in ein fernes fremdes Land, und nachdem er nun dort angekommen ist, zieht er bald in längeren, bald in kürzeren Tagesreisen wieder heim, er ist nun beständig im Kommen begriffen, auch gelangen hin und wieder Kuriere und Boten von ihm in sein Land zu seinen Knechten, die daraus merken: der Herr kommt, er ist in völligem Anzug begriffen.

So kommt auch der Heiland seit 1800 Jahren, er kommt näher und immer näher, und von Zeit zu Zeit hat er Boten und Knechte erweckt, die mit großer Gewißheit unter die schlafende Menge hineinriefen: was schlafet ihr? Er kommt; er ist in völligem Anzug. Wie wird er aber kommen? Mit den Wolken. Dieses mit hat seine besondere Bedeutung. Wenn wir nämlich dies recht auffassen, so kann es nicht anders sein, als: er wird mit und in einem Gewitter kommen. Denn Wolken sind ja bei Gewittern in großer Menge beisammen, und wenn es dann recht schwarz, recht schrecklich aussehen wird am Himmel, so wird im Sturm eines Gewitters aus den Wolken heraus Jesus erscheinen, Jesus, der längst Ersehnte; Jesus, der Liebevolle und Sanftmütige, aber auch Schreckliche und Gewaltige, zum Fluch dem, der ihm flucht, zum Heil und süßen Lichte dem, der ihn liebt und sucht. Als das Gesetz gegeben wurde vom Sinai, da erschien der Heiland - denn der Jehova des Alten Testaments ist niemand anders als Christus - auch in einem Gewitter; das war schrecklich, aber viel schrecklicher wird seine zweite Erscheinung sein. Denket euch ein recht furchtbares Gewitter mit Blitz und Donner und Stimmen, ein Gewitter, wie vielleicht keines gewesen ist, so lange die Erde steht; alles was Mensch und Tier heißt, erzittert vor dem Gewitter, sie fühlen zugleich, daß etwas Unsichtbares darunter verborgen ist, daß das unsichtbare Geisterreich, daß Jesus in der Nähe ist, daher wird sie eine große Angst und Bangigkeit ankommen. Nun - und aus diesem schrecklichen Gewitter bricht Jesus hervor. O furchtbar großer Anblick! Werden wir dann wohl Freudigkeit haben?

Er kommt zum Weltgerichte, zum Fluch dem, der ihm flucht; mit Gnad und süßem Lichte, dem, der ihn liebt und sucht. Ach komm, ach komm, o Sonne, und hol uns allzumal zum ewgen Licht und Wonne in deinen Freudensaal.


Autor: Ludwig Hofacker (* 15.04.1798; † 18.11.1828) deutscher evangelischer Pfarrer
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Mit dem »siehe« will uns Johannes recht aufmerksam machen auf das, was er zu sagen habe. Merket auf, höret mir doch zu, präget es euch doch recht tief ein. Wir bemerken überhaupt, daß die heilige Schrift das Wörtlein »siehe« gebraucht, wenn sie auf etwas recht deutlich hinweisen will, namentlich wenn sie etwas, das im Sichtbaren geschehen soll, recht augenscheinlich darstellen will, so Sach 9,9: »Siehe, dein König kommt zu dir«, als wollte er sagen: mache deine Augen doch recht auf, ziehe sie zurück von allem, was dich zerstreuen und von diesem großen Anblick ab- bringen könnte. Und es ist sehr nötig, dieses Wörtlein »siehe« hier. Wenn es hieße: Es werden nächstens die Schweizerberge einfallen, oder es werden nächstens die Bäume im Wald Trauben tragen, so brauchte es kein »siehe«; ein solches Wort würde die Aufmerksamkeit der Menschen sogleich in Anspruch nehmen, daß sie sogleich entweder darüber lachten und sich darüber hinwegsetzten, oder in Furcht und Schrecken oder in Hoffnung gerieten. In Absicht auf sichtbare Dinge braucht's kein »siehe«; da ist alles Auge und Ohr, aber in Absicht auf den Herrn Jesum und sein Wiederkommen braucht's ein »Siehe«, denn das glauben die wenigsten Menschen, und wenn sie es glauben, so sind sie imstande und schlafen in ihrem Sündenschlafe, in ihrer Schlaffheit fort. »Jesus kommt«, sagt man zu ihnen, und »wen er nicht wachend antrifft, der wird verworfen«, so sagen sie: er kommt, aber er wird nicht so geschwind kommen, man wartet schon so lange auf ihn, und wenn er kommt, so will ich mich schon noch bereiten, mit einem Wort: man fühlt es ihnen an, es macht keinen Eindruck auf sie. Und so ist es selbst bei solchen, die von der Wahrheit angefaßt sind. Auch diese haben bei weitem von dem Kommen, von der Erscheinung des Herrn den Eindruck nicht, den sie haben sollten. Welch heiliger Ernst, welche Scheu vor allem, was Welt heißt, welche Achtsamkeit sollte sich ihrer bemächtigen, wenn sie gleich wären den Knechten, die auf ihren Herrn warten! Aber sie haben auch noch nicht hinlänglich gelernt von dem Sichtbaren hinweg auf das Unsichtbare zu sehen. Darum »siehe«. Amen! Amen! Herr Jesu Christ, der du zur Rechten Gottes bist! Behalt uns fest bei deinem Wort und wehr des Teufels Trug und Mord! Halleluja!

Komm, lieber Herr, komm, wann es Zeit, zu dem Gericht in Herrlichkeit! Führ uns aus diesem Jammertal bald in den ewgen Freudensaal. Halleluja!