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Predigten zu Psalm 102,8

"Den ganzen Tag höhnen mich meine Feinde; die wider mich rasen, schwören bei mir."

Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
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Ein einsamer Vogel

Ich bin nicht eingeschlafen, sondern habe auf mich selbst achtgehabt. Die Welt schläft, wie der Apostel sagt (1Thes 5,6): »So lasset uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasset uns wachen und nüchtern sein!« Denn die zeitlichen Güter sind im Vergleich zu den ewigen wie Traumbilder, wenn man sie der Wirklichkeit gegenüberstellt. So sagt auch Jesaja (Jes 29,8), dass es den Sündern geht wie einem Durstigen, der davon träumt, dass er trinkt. Und wenn er aufwacht, so ist seine Seele immer noch durstig. Darum ist dieser Schlaf nichts anderes als die Liebe zu den Geschöpfen und das Festhalten an ihnen. Wachen aber bedeutet, an dem ewigen Gut zu hängen, es zu betrachten und sich danach zu sehnen. Letztendlich steht der Psalmist jedoch ganz allein da, und niemand ist bei ihm. Alle schlafen. Auch sagt er: »Ich … bin … auf dem Dache«, als wollte er damit sagen: »Die Welt ist ein Haus, in dem alle schlafen und eingeschlossen sind, nur ich allein bin außerhalb des Hauses, auf dem Dach – noch nicht im Himmel und auch nicht in der Welt. Die Welt habe ich unter mir und den Himmel über mir; im Glauben bin ich also nicht mehr im Leben unten in der Welt und noch nicht im ewigen Leben droben.«