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Predigten zu Psalm 106,15

"Da gab er ihnen ihr Begehr, aber er sandte Magerkeit in ihre Seelen."

Autor: Dora Rappard (* 01.09.1842; † 10.10.1923) Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin

"Er gab ihnen ihre Bitte und sandte ihnen genug, bis ihnen davor ekelte."

In obigem Psalmwort wird die Geschichte zusammengefasst, die uns im vierten Buche Mose (Kap. 11) ausführlich erzählt ist. Das Volk Israel war des täglichen Mannas überdrüssig geworden und verlangte mit Ungestüm nach Fleischspeisen. Und Gott gab ihm, was es begehrte, gab es in überreicher Fülle, doch nicht zu seinem Heil. Da das Fleisch noch unter ihren Zähnen war, so lesen wir, entbrannte der Zorn des Herrn über sie, und sie starben an einer sehr großen Plage. Wer die menschliche Natur kennt, versteht diesen Vorgang nur zu gut. Allzu heftige Begierden sind vom Übel. Sie sind wie ein Feuer, das sich selbst verzehrt, und nichts übrig lässt als Asche. Man hat das in mancher Lebensgeschichte erfahren. Ach, wie viele hoffnungsvolle junge Menschen haben geendet in den Lustgräbern! O nimm auch du dich in Acht, liebes Kind Gottes! Behüte dein Herz mit allem Fleiß, und stelle dich in die bewahrende Zucht deines Gottes. Gib den brennenden Wünschen deiner Phantasie durchaus keinen Spielraum. Wolle nichts ertrotzen und erzwingen; Gott könnte es dir geben zu deinem ewigen Schaden. Lege lieber alle deine Bitten gläubig und dankbar in deines Vaters gnädigen Willen. Er kennt dein Herz.

Ich nehme, was Du mir bestimmst, Ich lasse fahren, was Du nimmst. Mach's wie Du willst, ich bin's zufrieden, Nur dass wir bleiben ungeschieden.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Er gab ihnen ihr Begehr; aber er sandte ihren Seelen Mangel

Israel verlangte stürmisch nach Nahrung, nicht nur nach Manna, sondern nach Fleisch. Das Volk beklagte sich über die Himmelsspeise, als wäre sie zu leicht, zu wenig befriedigend; ihr großer Appetit wollte schwerere Speise haben. Da brachte der Wind Wachteln herbei, deren niedriger Flug es leicht machte, sie mit Keulen oder Stöcken zu Boden zu schlagen. Nun fielen die Israeliten darüber her und verzehrten sie mit heißhungriger Gier. Sie füllten ihren Leib mit Speise, sie hatten ihr Begehr, aber ihre Seelen litten Not. „Da aber das Fleisch noch unter ihren Zähnen war, da ergrimmte der Zorn des HErrn unter dem Volk und schlug sie mit einer sehr großen Plage.“ Es gilt im allgemeinen, dass Seele und Leib entgegengesetzte Genüsse haben. Wo der Leib mit jedem erdenklichen Luxus gepflegt wird, da verkümmert die Seele. Sie gedeiht am besten, wenn der Leib leidet. Wir werden wohl alle ein oder zweimal im Leben vor die Frage gestellt werden, ob wir die volle Befriedigung unserer Begierden und damit Mangel der Seele wählen wollen, oder äußere Entbehrung, wobei aber der Geist frisch und mutig, voll Lebenskraft bleibt.

Ist es nicht als ob der Schatten der ewigen Güter diese selbst vor unserem Blick beständig verhüllte. Wer nach dem Schatten greift, dem entgeht das Ewige; wer sich aber mit dem Schatten nicht zufrieden geben will, gelangt zu dem befehlenden Besitz des Göttlichen; und wer Gott findet, der findet in und mit Ihm alles übrige. – O suche ja nicht deinen Willen bei Gott durchziehen; bestehe nicht mit Heftigkeit auf irgend einer Bitte: lass deinem Gott die Entscheidung. So oft du ein Anliegen vorbringst, dessen bestimmte Erhörung dir nicht zugesagt ist, so bitte Gott, deinen Wunsch nicht zu gewähren, wenn es nicht zu deinem wahren Wohle dient.