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Predigten zu Psalm 106,13

"Schnell vergaßen sie seine Taten, warteten nicht auf seinen Rat; "

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Bitten können im Zorn erhört und aus Liebe verweigert werden. Die Tatsache, dass Gott einem Menschen seine Wünsche erfüllt, ist kein Zeichen besonderer göttlicher Gunst, alles hängt davon ab, was man begehrt. Das Fleisch wurde ihnen zu Gift, als sie es ohne Segen empfingen. Was immer es auch darin erreichte, den Körper zu nähren, war es doch nur armseliges Zeug, wenn ihre Seele dadurch schwindsüchtig wurde. Wenn wir darben müssen, gebe Gott, dass nicht unsere Seele Mangel leidet – doch geht dies gewöhnlich mit weltlichem Wohlsein einher! Bei vielen, deren Wohlstand wächst, wird ihr weltlicher Besitz fetter, während ihre Seele abmagert. Silber zu verdienen und Gold zu verlieren, ist ein höchst fragwürdiger Gewinn; doch Gewinn für den Leib und Verlust für die Seele zu machen, ist weit schlimmer. Wie drängend hätte Israel darum gebeten, dass seine Bitten unerhört blieben, hätte es gewusst, was die Erhörung ihm einbrachte! Über die Bitten unserer Begierden werden wir weinen müssen. Wir ärgern uns und sind erregt, bis unsere Begierden erfüllt sind, und dann müssen wir uns wieder ärgern, weil das, was dabei herauskommt, in bitteren Enttäuschungen endet.

An genau derselben Stelle, wo sie sich feierlich verpflichtet hatten, dem Herrn zu gehorchen, brachen sie das zweite, wenn nicht sogar das erste Seiner Gebote und stellten das ägyptische Symbol eines Stieres auf und beugten sich davor nieder. Die Israeliten waren in der Tat töricht, wenn sie meinten, in einem Stier, nein, im Bild eines Stieres, auch nur das geringste bisschen von der Herrlichkeit Gottes zu sehen. Zu glauben, dass das Bild eines Stieres das Bild Gottes sein könnte, erfordert viel Leichtgläubigkeit. Es war reine Verrücktheit. Nach demselben Muster haben die Ritualisten ihre Symbole aufgerichtet und sie überaus zahlreich gemacht. Sie scheinen unfähig zu sein, geistliche Anbetung zu verstehen; ihr Gottesdienst ist in höchstem Maß sinnlich und spricht die Augen, die Ohren und die Nase an. Ach, diese törichten Menschen! Sie versperren sich selbst den Weg zu Gott wohlgefälligem Gottesdienst und machen den Pfad geistlicher Frömmigkeit, der an sich schon hart ist, noch beschwerlicher, indem sie ihn mit Stolpersteinen versehen. Wir haben den Reichtum der katholischen Prachtentfaltung rühmen hören; aber ein Götzenbild aus Gold ist um kein Jota weniger abscheulich als eins aus Unrat oder Mist. Die Schönheit des Kunstwerks kann die Hässlichkeit der Sünde nicht verbergen. Man hat uns auch von der Suggestivkraft ihrer Symbole berichtet. Doch was bedeutet das, wenn Gott ihren Gebrauch verbietet? Es hilft auch nichts, wenn man sagt, solch ein Gottesdienst sei aufrichtig gemeint. Das wäre umso schlimmer! Aufrichtigkeit bei verbotenen Werken steigert nur die Übertretung. Der Psalmist spricht sehr verächtlich davon, und Recht hat er: Missachtung der Götzen ist indirekte Achtung Gottes. Falsche Götter, Versuche, den wahren Gott nachzubilden, und eigentlich alles Materielle, was angebetet wird, ist nichts als Unrat, der die Erde schändet, es seien Kreuze, Kruzifixe, Madonnen, Hostien, Reliquien oder der Papst selbst. Wir sind noch viel zu leisetreterisch gegenüber diesen Ungeheuerlichkeiten: Gott verabscheut sie, und dies sollten wir auch tun.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Das alttestamentliche Volk Gottes kannte Gott wohl. Es traute Gott auch viel zu. Denn der Herr hatte sich unter ihnen mächtig gezeigt. Sie kannten auch die Gebote Gottes. Jedes Kind konnte sie hersagen. An all dem fehlte es nicht. Aber – sie warteten nicht auf Gottes Rat.

Wo man stille werden und fragen sollte: „Was will der Herr?" – da hatten sie längst einen eigenen Plan und Rat fertig, bei dem Gott nur Beistand tun sollte. Ja, sie wollten viel klüger sein als der Herr. Und ungeduldig waren sie dabei. Wenn nun der Herr ihren Rat nicht ausführen wollte, dann haderten sie mit Ihm.

Sind wir etwa anders? Ach, es ist ja auch gar nicht so leicht für unser Herz, auf Seinen Rat zu warten. Denn Sein Rat ist so ganz anders als unsere Pläne. Wir wollen die satte Ruhe – und Er führt in die Wüste. Wir wollen Frieden – und Er führt uns in den Kampf. Wir wollen die Mauern Jerichos umrennen – und Er heißt Sein Volk tagelang nur vor den Mauern warten. Wir wollen große Dinge – und Er verordnet uns die geringen Dinge. Wir wollen hoch hinaus – und Er führt uns in die Tiefen. Und er hat so viel Zeit. Warten" muss man auf Seinen Rat. Es währt oft „bis in die Nacht und wieder an den Morgen."

Und doch – Sein Rat ist gut. Jenseits der Wüste liegt Kanaan. Und auf dies Gute zielt Sein Rat mit uns. Selig, wer auf Seinen Rat warten kann. Amen.