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Predigten zu Psalm 107,10

"Die Bewohner der Finsternis und des Todesschattens, gefesselt in Elend und Eisen:"

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Mit Gottes Wort treibt man keinen Scherz, und wer sich in dieser Weise gegen Ihn zu empören wagt, legt sich selbst Ketten an. Dies war die allgemeine Ursache für die Versklavung des alten Gottesvolkes. Sie wurden ihren Feinden ausgeliefert, weil sie dem Herrn nicht die Treue gehalten hatten. In ihrer elenden Zwangslage wurden die aufsässigen Israeliten allmählich weniger stolz und dachten freundlicher von ihrem Gott und daran, wie sie Ihn beleidigt hatten. Wenn eine Seele erkennt, dass all ihr Mühen um Selbsterlösung unnütz war, und nun die völlige eigene Kraftlosigkeit fühlt, dann ist der Herr dabei, den Stolz wegzunehmen und den Angefochtenen darauf vorzubereiten, die Gnade zu empfangen. Der geistliche Zustand, der hier bildlich dargestellt wird, ist zum Verzweifeln und bedarf umso mehr des göttlichen Eingreifens. Manche von uns erinnern sich noch gut, wie hell die Gnade in unseren Kerker schien und welche Musik die Fesseln machten, als sie von unseren Händen fielen. Nichts als nur die Liebe des Herrn konnte uns erlöst haben; ohne sie wären wir gänzlich verloren gewesen. Die Verse 17-20 beschreiben eine sündenkranke Seele, töricht noch, doch schon mit erwachtem Schuldbewusstsein. Sie weigert sich, von irgendwoher Trost anzunehmen, und bleierne Verzweiflung lähmt sie ganz und gar. Nach ihrem Verständnis bleibt ihr nichts als das gänzliche Verderben in vielfacher Form: Die Pforten des Todes standen offen vor ihr, und es kommt ihr vor, als eile sie darauf zu. Dann wird diese Seele getrieben, in der Bitterkeit ihres Schmerzes zu dem Herrn zu schreien, und Christus, das ewige Wort, kommt mit heilender Kraft in die Schrecken der höchsten Not und rettet sie vollkommen. Es ist erstaunlich, dass Menschen von Krankheit geheilt werden können – und es ablehnen, den Herrn zu preisen. Eigentlich scheint es doch unmöglich zu sein, eine so große Gnade zu vergessen, und wir sollten erwarten, dass sie sich lebenslang mit ihren Freunden vereinen, denen sie wieder geschenkt wurden, um Gott zu danken. Doch wenn zehn geheilt wurden, geschieht es selten, dass mehr als einer zurückkehrt, um Gott die Ehre zu geben. Schade! Wo bleiben die neun? Wenn der große Arzt eine geistliche Heilung gewirkt hat, ist Lobpreis das sicherste Zeichen wiedergewonnener Gesundheit. Ein von der Sündenkrankheit und von quälenden Gewissensbissen geretteter Geist muss und will den heilenden Gott preisen; doch wäre es gut, wenn es davon tausendmal mehr gäbe. In solch einer Lage darf es auch gern zu Gaben und Verpflichtungen kommen außer zu Dankesworten! Gebt dem guten Arzt aus Dankbarkeit, was Ihm zukommt! Bringt dem euer Leben zum Opfer dar, der es verlängert hat, wiederholt immer wieder Werke selbstverleugnender Dankbarkeit! Diese wunderbare Wohltat ist wohl viele freudig dargebrachte Opfer wert.

Solche Dinge verdienen es, weitererzählt zu werden; denn persönliche Zeugnisse ehren Gott, erleichtern uns selbst, trösten andere und lassen alle Menschen daran teilhaben, dass Gottes Güte tatsächlich wirksam ist, die sie nicht leugnen können.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Gefangensein ist schrecklich! Was ist denn daran so schrecklich? Ein Gefangener hat doch seine Kleidung, seine Nahrung. Er hat sein Bett und viel freie Zeit. Was ist denn so schrecklich an der Gefangenschaft?

Das ist es: Ein Gefangener ist abgeschnitten vom Leben. Ist es uns schon einmal aufgegangen, dass alle Menschen von Natur Gefangene sind? Das heißt: dass alle Menschen von Natur vom Leben abgeschnitten sind? Denn was wir „Leben" nennen, das ist ja gar nicht Leben. Das ist ein Hineilen zum Tode, das ist Unruhe und Herzeleid.

Nein, „Leben" ist etwas ganz anderes. Gott ist das Leben. „Du bist die Quelle des Lebens", sagt ein Mann im Alten Bund mit Recht zu Gott. Gott ist das Leben. Und von Gott sind wir abgeschnitten. Wir sitzen als Gefangene „im Zwang und Eisen, weil wir Gottes Geboten ungehorsam gewesen sind und das Gesetz des Höchsten geschändet haben." Fester als die Riegel im dunkelsten Kerker sind die Riegel unserer Schuld. Dicker als die Mauern des tiefsten Gefängnisses sind die Mauern, die unsere Sünde zwischen Gott und uns aufgerichtet hat.

Aber daraus gibt es Befreiung: „Jesus ist kommen / nun springen die Bande." Wer Jesus hat – nur wer Jesus hat – ist wirklich frei. Er zerreißt Bande und führt zu Gott – in das Leben! Amen.