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Predigten zu Psalm 107,23

"Die sich auf Schiffen aufs Meer hinabbegeben, auf großen Wassern Handel treiben,"

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Seefahrt wurde bei den Israeliten wenig ausgeübt. So waren die Seefahrer in hohem Maß von Geheimnissen umwittert; man betrachtete ihre Tätigkeit als einzigartig waghalsig und gefährlich. Geschichten über das Meer ließen ihre Herzen vor Furcht erzittern, und einer, der aus Ofir oder Tarsis lebendig zurückgekehrt war, galt als etwas Besonderes, und mit ehrfurchtsvoller Aufmerksamkeit lauschte man seinen Geschichten. Wer auf dem geistlichen Ozean einen jener schrecklichen Stürme erlebt hat, die gelegentlich die Seele aufwühlen, weiß, was diese Verse sagen wollen. In einem solchen geistlichen Taifun wechselt Vermessenheit mit Verzweiflung, Gleichgültigkeit mit tödlichen Kämpfen. Man wagt gar nichts mehr, der Mut ist verflogen, die Hoffnung fast erstorben. Solche Erfahrungen sind so real wie das Toben eines buchstäblichen Orkans und weit schmerzlicher. Manche von uns haben viele solcher innerer Hurrikans mitgemacht und wahrhaft die wundersamen Werke des Herrn kennen gelernt.

Wenn Gott Frieden stiftet, dann ist wirklich Frieden, Frieden, der allen Verstand übersteigt. Er kann in einem Augenblick den Zustand des menschlichen Herzens verändern, so dass es diesem wie ein absolutes Wunder vorkommt, wenn es plötzlich aus dem Wirbelsturm in völlige Stille gelangt ist. Ach, möchte doch der Herr in dieser Weise an dem Leser arbeiten, wenn sein Herz vom Sturm umtobt wird, sei es durch Kummer von außen oder durch Angst tief in uns! Herr, sprich ein Wort, und der Friede wird sogleich da sein.

Durch Sturm und durch vorteilhafte Winde, durch Orkane und durch angenehmes Wetter bringt der große Kapitän und Herr- scher über alle Meere die Seeleute in den Hafen und Seine Leute in den Himmel. Ihm gebührt die Ehre für die erfolgreiche Reise durch die Zeit. Und wenn wir am Lebensstrom unsere Anker ausgeworfen haben, werden wir dafür sorgen, dass Sein Lob nicht in Vergessenheit gerät. Wir wären schon längst Schiffbrüchige, hätte es nicht Seine bewahrende Hand gegeben, und unsere einzige Hoffnung, die Stürme der Zukunft zu überleben, gründet sich ebenfalls auf Seine Weisheit, Treue und Macht. Unser himmlischer Hafen wird von dankbaren Freudenrufen widerhallen, wenn wir erst das gesegnete Ufer erreicht haben. Nicht alle Gläubigen machen die gleichen tiefen Erfahrungen; aber mit weiser Absicht, damit sie etwas für Ihn tun können, schickt der Herr einige Seiner Heiligen auf das Meer des Seelenkummers, und dort erleben sie, was andere nicht erfahren: die Wunder der göttlichen Gnade. Wenn sie über die Tiefsee der inneren Verderbtheit fahren oder über die wüsten Wasser der Armut, durch die Wellen der Verfolgung und die rauen Wogen der Versuchung, brauchen sie Gott nötiger als alle anderen, und sie finden Ihn. Wenn ein Herz durch große geistliche Stürme gegangen ist und endlich Frieden gefunden hat, dann folgt darauf als Verpflichtung und als Vorrecht die Verkündigung der Gnade des Herrn vor Seinem Volk, und es ist gut, wenn es im Beisein derer geschieht, die den Dienst in der Gemeinde versehen und die wegen ihrer Lebensreife diese Zeugnisse besser zu würdigen wissen.