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Predigten zu Psalm 119,153

"Sieh an mein Elend und befreie mich! denn dein Gesetz habe ich nicht vergessen."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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In diesem Abschnitt scheint der Psalmist Gott noch immer näher zu kommen, um seinen Fall darzustellen und mit noch mehr Mut und Erwartung göttliche Hilfe herbeizurufen. Er führt in diesem Abschnitt viele Argumente für sich auf, und das Schlüsselwort heißt »Sieh!«. Mit großem Freimut bringt er die innige Verbundenheit mit der Sache des Herrn als Grund ins Spiel, weshalb ihm geholfen werden sollte. Die besondere, von ihm begehrte Hilfe, ist persönliche Belebung. Danach ruft er wieder und wieder.

Das Anliegen des Schreibers ist gut, wenn es auch schmerzlich ist, und er ist bereit, ja, er drängt darauf, sich dem göttlichen Schiedsspruch zu unterwerfen. Er ist im Recht, und er ist bereit, dies vor den höchsten Gerichtshof zu bringen. Er macht es wie einer, der sich am Thron sicher fühlt. Doch sieht man keine Ungeduld; er bittet nicht um hastiges Eingreifen, sondern um Anhörung. Es ist, als riefe er: »Sieh meinen Schmerz und urteile, ob ich nicht davon befreit werden muss. Ausgehend von meiner traurigen Lage, veranlasse die richtige Zeit und die Art und Weise meiner Rettung!« Der Psalmist begehrt zwei Dinge, und diese sollten miteinander verknüpft sein: erstens eine volle Berücksichtigung seiner Schmerzen, zweitens Befreiung; und dann sollte diese Befreiung unter voller Berücksichtigung seiner Anfechtung kommen. Es sollte das Verlangen jedes angefochtenen begnadeten Menschen sein, dass der Herr auf seine Bedürfnisse schaut und sie auf eine Weise stillt, die am meisten zur Verherrlichung Gottes und zum Wohl des Bittenden ausschlägt.

»Belebe mich!« Dies bittet er dreimal mit denselben Worten. Wir können verstehen, dass sich der Psalmist fühlte wie ein von den Schlägen des Feindes halb Betäubter, der sich wegen der unablässigen Bosheit schon fast aufgegeben hat. Was er brauchte, war Belebung, Wiederherstellung, Erneuerung; darum bat er um mehr Leben: »O Du, der Du mich erwecktest, als ich tot war, belebe mich aufs Neue, dass ich nicht zu den Toten zurückkehre! Belebe mich, dass ich die Schläge meiner Feinde, die Schwachheit meines Glaubens und die Ohnmacht meines Kummers überlebe.« Das dritte Mal sagt er nicht: »Belebe mich nach Deiner Zusage oder nach Deinen Bestimmungen«, sondern: »Nach Deiner Gnade, HERR, belebe mich!« Da fährt er zum Schluss ganz großes Geschütz auf. Es ist sein ultimatives Argument; wenn das nicht zum Erfolg führt, muss er aufgeben. Schon lange hat er an die Tür der Gnade gepocht; aber mit dieser Bitte holt er zum heftigsten Schlag aus. Als David in große Sünde gefallen war, lautete seine Bitte: »Sei mir gnädig, o Gott, nach Deiner Gnade.« Hier, wo der Psalmist in großem Kummer ist, flüchtet er sich in die gleiche wirkungsvolle Argumentation. Weil Gott Liebe ist, wird Er uns Leben schenken; weil Er freundlich ist, wird Er die himmlische Flamme in uns wieder entfachen.