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Predigten zu Psalm 130,4

"Doch bei dir ist Vergebung, damit du gefürchtet werdest."

Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Bei dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte

Ja, Gott sei Dank, es gibt eine Vergebung, weil Er zur Rechten Gottes immerdar lebet, der die Sünde durch das Opfer seiner selbst hinweg getan hat. Vergebung ist jeden Augenblick bereit für die Sünden eines ganzen Lebens; wiederholte Vergebung für die Sünden jeder Stunde; augenblickliche Vergebung nach dem offenen Bekenntnis. Gott vergibt gerne und entlastet alle, die aufrichtig ihre Sünden bereuen und lauterlich an Ihn glauben, von dem uns das Evangelium spricht. Und wenn Gott einmal das vergebende Wort ausgesprochen hat. So nimmt Er es nicht mehr zurück. Furcht, Zweifel und Misstrauen mögen es in Frage stellen, aber widerrufen können sie es nicht. Du müde, sündige, gebeugte Seele, – die Quelle göttlicher Vergebung versiegt niemals; sie ist so stark und lauter, als da zum ersten mal jener Born eröffnet wurde wider die Sünde und Unreinigkeit. Erfasse die Gabe und gehe deines Weges mit Frieden. Es kann sein, dass du keine überwältigende Bewegung, nicht einmal ein Gefühl der Vergebung wahrnimmst; wage es aber dennoch, zu glauben, dass deine Bitten, deine Tränen, deine Sündenbekenntnisse gehört wurden, dass dir vergeben worden ist.

Gerade weil Gott so gerne bereit ist, zu vergeben, wird in unserem Herzen eine stets zunehmende Furcht gewirkt, Ihm Schmerz in bereiten. Bei Ihm ist die Vergebung, dass man Ihn fürchte. In dem Herzen des wahren Kindes Gottes ist die Furcht, den Vater zu betrüben, größer als die des Unwiedergeborenen vor der Strafe der Sünde. Die Furcht kehrt wohl zurück; aber sie ist gereinigt und geläutert durch das Feuer der Liebe. Furcht ist nicht in der Liebe; und doch ist gerade die Liebe beständig von der Angst beseelt, unnötige Schmerzen zu verursachen. Weil unser Gott ein verzehrendes Feuer der Liebe ist, so lasset uns Ihm dienen mit heiliger Furcht.

Was fürchtest du, Seele, die Strafe der Schuld? Oder mehr das Entziehen der göttlichen Huld?