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Predigten zu Psalm 130,5

"Ich warte auf Jehova, meine Seele wartet; und auf sein Wort harre ich."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Wenn ich damit rechne, dass der Herr in Liebe zu mir kommt, hoffe ich still auf Sein Erscheinen. Ich hoffe in meinem Dienst vertrauensvoll auf Ihn. Auf Gott hoffe ich, auf Ihn allein. Wenn Er sich offenbart, brauche ich auf nichts weiter zu hoffen; doch bis Er mir zur Hilfe erscheint, muss ich auf Ihn warten und selbst in der Tiefe auf Ihn hoffen. Dies, mein Warten, ist kein formaler Akt, meine ganze Seele ist daran beteiligt: »Meine Seele hofft.« Ich hoffe und ich harre – achtet auf die Wiederholungen! »Meine Seele hofft« und dann wieder: »Meine Seele harrt« – um deutlich zu zeigen, welche Mühe dieses Harren macht. Es ist gut, mit dem Herrn so eindringlich zu reden. Solche Wiederholungen sind das Gegenteil gedankenlosen Repetierens. Wenn der HERR uns warten lässt, dann lasst es uns mit ganzem Herzen tun; denn gesegnet sind alle, die auf Ihn harren. Das Warten selbst ist segensreich für uns; es erprobt den Glauben, trainiert die Geduld sowie die Unterordnung und macht den kommenden Segen umso kostbarer. Das Volk des Herrn war immer ein wartendes Volk; es wartete zuerst auf das erste Kommen Jesu, jetzt wartet es auf das zweite. Es wartete darauf, Vergebung zu erfahren, und nun wartet es auf völlige Heiligung. Es wartete in der Tiefe, und es gibt auch jetzt das Warten nicht auf, wo es in glücklicheren Umständen ist. Es hat gerufen, und es wartet immer noch, und vielleicht unterstützt das Beten in der Vergangenheit ihr gegenwärtiges Ausharren. Wer nicht hofft, kann nicht warten; doch wenn wir erhoffen, was wir nicht sehen, so warten wir mit Ausharren. Gottes Wort trifft bestimmt ein; doch manchmal verzögert sich die Erfüllung. Wenn wir wahren Glauben besitzen, werden wir auf den Zeitpunkt des Herrn warten. Ein Wort des Herrn ist Nahrung für die Seele der Gläubigen, und gestärkt davon durchstehen sie die Nacht des Kummers und erwarten die Morgendämmerung der Befreiung und der Freude. Wartend erforschen wir das Wort Gottes, glauben wir dem Wort, hoffen auf das Wort und leben in dem Wort – und alles deshalb, weil es »Sein Wort« ist, das Wort dessen, der nie etwas Ungewisses spricht. Das Wort des HERRN ist ein fester Grund, auf dem eine wartende Seele Ruhe finden kann.

Gott hält für Seine Leute große Dinge bereit; sie sollten riesige Erwartungen haben. Lasst uns von unserer Armut weg auf den HERRN und Seine Reichtümer der Gnade blicken. Er kann und will Seine Leute aus allen ihren vielen und großen Kümmernissen erlösen; nein, ihre Erlösung ist bereits erwirkt worden und liegt für sie bereit, so dass Er den vollen Segen Seiner wartenden Schar zu jeder Zeit geben kann. Das Wesen der Gnade und die Tatsache der Erlösung sind zwei höchst ausreichende Gründe, auf den HERRN zu hoffen, und der Gedanke, dass es nirgendwo sonst Gnade und Erlösung gibt, sollte unser Herz wirkungsvoll von aller Abgötterei fern halten.


Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
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"Ich harre des Herrn, meine Seele harrt, und ich hoffe auf sein Wort."

Es sind etliche, die wollen Gott das Ziel weisen, Zeit und Maß legen und ihm auch gleich selbst vorschlagen, wie ihnen geholfen werden soll. Und wenn es ihnen nicht so widerfährt, verzagen sie, oder sie möchten anderswo Hilfe suchen. Diese harren nicht, nicht sie warten auf den Herrn, sondern Gott soll auf sie warten und alsbald bereit sein und nicht anders helfen, als wie sie es vorgemalt haben; die aber auf den Herrn harren, die bitten um Gnade, aber sie stellen es Gottes gutem Willen frei, wann, wie, wo und wodurch er ihnen hilft. An der Hilfe zweifeln sie nicht, sie geben ihr auch keinen Namen, sie lassen sie Gott bestimmen und nennen, und sollte sie auch lange und ohne Maß auf sich warten lassen. Wer aber Gott die Hilfe selbst benennt, dem wird sie nicht; denn er mag Gottes Rat, Willen und Verziehen nicht leiden.