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Predigten zu Psalm 134,1

"{Ein Stufenlied.} Siehe, preiset Jehova, alle ihr Knechte Jehovas, die ihr stehet im Hause Jehovas in den Nächten!"

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Die Wörter »preisen« und »segnen« charakterisieren diesen Psalm. Die ersten zwei Verse rufen uns auf, den HERRN zu preisen, und im letzten Vers wird der Segen des HERRN auf das Volk herabgerufen. Ach, möchten wir überfließen von Lob und Preis! Mögen »preisen« und »segnen« die beiden Worte sein, die unser Leben kennzeichnen. Lasst die anderen ihren Genossen schmeicheln oder ihre Sterne preisen oder sich selbst. Wir aber, wir wollen den HERRN preisen, von dem aller Segen kommt. Ein Knecht des HERRN zu sein, ist eine unschätzbare Ehre, ein unbeschreiblicher Segen. Ein Knecht in Seinem Tempel, ein Diener in Seinem Hause zu sein, ist noch größere Freude und Herrlichkeit. Wenn solche, die immer bei dem HERRN sind und in Seinem eigenen Tempel wohnen, den Herrn nicht preisen, wer dann? Wir können gut verstehen, wie die heiligen Pilger ein wenig neidisch auf die Geweihten blickten, die den Tempel bewachten und während der Nachtstunden die zu erfüllenden Pflichten versahen. Zu der Stille und Feierlichkeit der Nacht kam die Ehrfurcht gebietende Herrlichkeit des Ortes, den der HERR für die Anbetung bestimmt hatte. Gesegnet waren die Priester und Leviten, die zu diesem erhabenen Dienst eingesetzt waren. Nichts war angemessener, als den HERRN während ihrer heiligen Nachtwachen zu preisen. Das Volk erwartete das von ihnen und dass sie es nie daran fehlen lassen sollten. Doch durften sie es nicht rein mechanisch tun, sondern mussten ihr Herz in alle ihre Pflichten legen und während ihrer ganzen Dienstzeit Gott in Geist und Wahrheit anbeten. Wie die Engel Gott tagein, tagaus preisen, so müssen es auch Seine Knechte in der Gemeinde zu gelegener und ungelegener Zeit tun. Das ist ihre Hauptbeschäftigung. Sie sollen die Menschen mit ihrer Belehrung segnen; aber noch mehr müssen sie den HERRN mit ihrer Anbetung preisen. Zu viele denken bei den öffentlichen Gottesdiensten nur an den Nutzen für die Menschen, doch ist das andere von noch höherer Bedeutung: Wir müssen darauf achten, dass der Herr angebetet, erhoben und mit Ehrfurcht behandelt wird.

Die Seligpreisung kommt von der Stadt des Großen Königs her, aber durch die dazu bestimmten Diener und durch die Wirksamkeit des Bundes, darum heißt es: »von Zion aus«. Bis zum heutigen Tag segnet der Herr einen jeden aus Seinem Volk durch die Gemeinde, durch das Evangelium und die Ordnungen Seines Hauses. Es ist die Gemeinschaft der Heiligen, durch die uns unzählige Wohltaten zukommen. Wenn doch jeder von uns immer mehr von diesen Segnungen empfinge, die letztlich von dem Herrn selbst ausgehen. Zion kann uns nicht segnen; die heiligsten Diener können uns nur Segen wünschen; nur der HERR selbst kann und will jeden Seiner Leute segnen, der auf Ihn wartet. So möge es auch in dieser Stunde sein. Haben wir Verlangen danach? Lasst uns dann den Herrn preisen, lasst es uns nochmals tun; dann können wir beim dritten Mal zuversichtlich auf Segen hoffen; wir sind dann bewusste Empfänger des Segens, der von dem ewig Gepriesenen ausgeht. Amen.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Lobet den HErrn, die ihr stehet des Nachts im Hause des HErrn

Dieser Psalm ist für die Wache, die des Nachts des Tempels wartete und die Leviten, die des Tages dienten, ablösen musste, gedichtet worden. Es ist beachtenswert, dass diese auf besondere Weise aufgefordert wurde, ihre Hände aufzuheben und den Herrn zu loben; denn die des Nachts im Hause Gottes stehen, bedürfen dieser Ermahnung wohl am meisten. Es will uns scheinen, dass die schlaflosen Leidenden unter uns, Gottes Nachtwache sind. Wenn die geschäftigen Arbeiter schlummern, dann kommt ihre Reihe, den HErrn zu preisen, seinen Segen zu erbitten auf das Werk des vergangenen und des kommenden Tages.

Es ist verhältnismäßig leicht, am Tage den HErrn zu preisen, wenn der Sonnenschein einem Lächeln gleich auf der Natur liegt, die ganze Welt voll Musik ist, und unser Leben in friedlicher Ruhe dahinfließt. Da bedarf es kaum der Mahnung, den HErrn zu loben. Aber wenn Nacht die Erbe umhüllt, wenn ringsum alles schweigt, wenn wir einsam stehen im Heiligtum, dessen Schatten uns umgeben, und da den unerklärlichen Rätseln göttlicher Führung gegenübergestellt werden, – dann verstummt das Lied auf unseren Lippen und unser Lob erstickt.

Sobald wir jedoch es wagen, dennoch unseren Mund zum Preise Gottes zu öffnen, und durch eine Tat des Willens das aussprechen, was uns vielleicht anfangs eine Anstrengung kostet, so wird uns, wie jenem Sänger vor alters, die Gewissheit zu teil, dass der HErr, uns segnen wird. Ist es denkbar, dass Er, der Himmel und Erde gemacht hat, die Seele nicht segnen wollte, die Er nicht nur erschaffen, sondern auch erlöst hat? Er kann nicht anders, Er muss diejenigen segnen, die Ihn loben, tönt doch in ihrem Herzen wieder das Echo seiner Liebe.