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Predigten zu Psalm 137,4

"Wie sollten wir ein Lied Jehovas singen auf fremder Erde?"

Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Wie sollen wir des HErrn Lied singen im fremden Lande?

Die hebräischen Sänger waren weit über die Grenzen Israels hinaus berühmt. Darum ist es nicht verwunderlich, dass die sie gefangen genommen hatten, von ihnen ein Lied aus Zion zu hören verlangten, ahnten sie doch nicht, welche unüberbrückbare Kluft bestand zwischen jenen heiligen Liedern, die mit dem Gottesdienst des Tempels verknüpft waren, und den fremden Gebräuchen des götzendienerischen Babylon. Des HErrn Lied passt nicht zum fremden Lande. Wie wahr ist dies auch in Bezug auf die heilige Musik des Herzens. Du magst es noch so sehr schelten ob seines Schweigens; es muss stumm bleiben, so lange es von der Macht des Bösen gefangen genommen ist.

Du hast vor kurzem aufgehört zu singen; die Freude deines inneren Lebens ist verschwunden. Wohl setzest du die alten Gewohnheiten noch fort; aber ohne die Fröhlichkeit früherer Tage. Kannst du sagen warum? Es ist nicht, weil dich deine äußeren Umstände drücken, obgleich diese schwierig sein mögen; denn Paulus und Silas priesen Gott im Gefängnis. Ist nicht ein Ungehorsam die Wurzel deiner Stimmlosigkeit? Die Laute deines Lebens hat einen Riss erhalten, der sich langsam erweitert, und bald alle Töne verstummen machen wird. Du wirst dein Lied nicht mehr anstimmen können, bis du das Böse hinwegtust, und aus dem Lande des Feindes zurückgekehrt sein wirst.

Die Heimkehr aus Babylon wiederholt sich in manchem Christenleben. Auf unser Gebet hin wird unsere Gefangenschaft gewendet, wie die Bäche wiedergebracht werden im Mittagslande. Erlöst aus dem fremden Lande, ergreifen wir wieder die Harfe und singen:

„Mein Leben ist ein Lobgesang, denn trotz der Erde Stöhnen Vernimmt mein Ohr den süßen Klang von Salems Friedenstönen. Durch all den lauten, wirren Schall, die sel'gen Lieder klingen. Im Herzen tönt ihr Widerhall, wie sollt ich denn nicht singen?“