10.800 biblische Andachten und Predigten von Spurgeon, MacArthur, MacDonald, Christlieb, Eichhorn, Hofacker, Zinzendorf, Luther uvm.

Predigten zu Psalm 23,6

"Fürwahr, Güte und Huld werden mir folgen alle Tage meines Lebens; und ich werde wohnen im Hause Jehovas auf immerdar. "

Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang."

Zuerst ist der Herr unser Hirte. Wir lernen ihm in allem nachgehen und haben viel vom Hirten bekommen in der Zeit, da wir so von seiner Barmherzigkeit lebten. Weiter nichts? Immer nur von ihm nehmen? Nein, zum Schluss bestellt der Herr seine Schafe zu Hirten! Wie er es dem wiedergefundenen Petrus sagte: Weide meine Lämmer! so bestellt er uns, die von ihm geführten Schafe, zu Hirten der verlorenen Welt. Und zwar werden zwei Schafe genannt, die uns bei dieser Arbeit unmittelbar folgen sollen: Gutes und Barmherzigkeit! Das haben wir doch von unserm Hirten erfahren; das sollen wir nun zunächst ausüben. Sieht man diese beiden strahlenden Früchte des neuen Lebens stets in unserm Gefolge, dann bekommen auch Ungute und Unbarmherzige Mut, sich an uns heranzumachen. Wenn ich also nächstens bei euch eingeladen bin, muss ich drei Stühle belegen: einen für mich und zwei für meine Pfleglinge, Gutes und Barmherzigkeit! Dann gibt's keine Klatscherei, keine Verstimmung, keine Härte mehr in der Unterhaltung: das vertragen meine zarten Lämmer nicht!

Herr Jesus, ich danke dir, dass du nicht nur mein Hirte bist, sondern ich von dir auch als Unterhirt angestellt worden bin. Lehre mich deine Art, die mir so wohl tat, nun auch andern antun, damit deine Güte und Barmherzigkeit offenbar werden, wo ich auch hinkomme. Amen.


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

O, dass wir unser Elend nur recht gründlich erkennen und vor dem Herrn bekennen, wie wenig wir ein Herz für seine Güte und Barmherzigkeit haben, wie sehr wir uns selbst oft dagegen sträuben; denn was verstehen wir von seiner Güte, Treue, Barmherzigkeit und Gnade? Ist denn das in unsern Augen stets das Gute, was die ewige Weisheit will und für uns bestimmt und aufbewahrt hat? Und ach, wie oft weigern wir uns, seine Barmherzigkeit anzunehmen! Welche Ausflüchte sind im menschlichen Herzen, um sich selbst sein Heil zu schaffen, selbst mit eigenen Werken sich zu bessern und vor Gott das zu bedecken, was doch vor ihm offen liegt! Welche Mühe und Arbeit hat er mit den Seinen! Als Unwillige, als Widerstrebende findet er uns immerdar; denn wir wollten lieber unsern Willen, unsere Lust, unsere Frömmigkeit, und es soll nach unserer Einsicht gehen. Das erkennt der Psalmist wohl, und das werden wir auch erkennen, wenn wir oft angelaufen und gründlich gedemütigt sind, und dennoch erquickt werden aus seinem übervollen Kelch, gesalbt mit seiner Gnade, gespeist an seinem Tisch, nämlich dass er, unser einziger Freund, uns nachgehen will, während wir uns benehmen, als wäre er unser Feind, der uns verfolgen und umbringen will. So sagt das denn der Psalmist hier vortrefflich aus, wie uns die volle Güte und Barmherzigkeit als den Widerstrebenden auf dem Fuße folgt und folgen wird unser Leben lang, auf dass die Gnade aufs höchste erhöht bleibe.

Im Angesicht der Neider, die mich hassen,
hast du ein Mahl mir zubereiten lassen.
Du salbst mein Haupt mit deinem Freudenöle,
dein voller Kelch erquicket meine Seele.
Mir folgen Heil und Seligkeit im Leben,
einst wird dein Haus mir ewig Ruhe geben.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang

Ist das nicht eine sichere Begleitung? Voran geht uns der gute Hirte, während diese zwei Engel uns folgen. Siehst du nicht, wie besonders schön die starken Engelgestalten sind, die uns folgen? Wir machen so viel Fehler, verursachen unnötigen Schmerz, hinterlassen halbe oder verkehrt getane Arbeit; allzu oft geschieht es, dass wir eher Staub aufwirbeln, als die Stuben reinigen, die wir zurechtbringen möchten! Da ist es wohltuend, denken zu dürfen, dass zwei so liebevolle Engel unseren Fußspuren folgen, mit freundlicher Beurteilung unserer Taten; sie lösen schwierige Knoten, ersetzen unsere Mängel, verhüten es, dass die Folgen unserer unüberlegten Handlungen uns bis ans Ende mit Bitterkeit begleiten.

Es gibt Mütter, die beständig hinter ihren Kindern her aufräumen. Die Kleinen sind sehr wild gewesen und haben Unordnung und Verwirrung zurückgelassen; aber die Mutter kommt, bringt die herumliegenden Spielsachen wieder zurecht, flickt die Kleidchen und bald ist alles wieder zierlich und ordentlich. Wie die Ambulanzwagen über das Schlachtfeld fahren, wie die Natur Ruinen mit grünen Girlanden schmückt, – wie die Liebe jedes Wort, jede Tat auf's zarteste auslegt – so folgt uns die Liebe Gottes nach. Seine Güte rechnet uns den edlen Beweggrund an, wenn auch die Tat selbst misslungen ist; beurteilt uns nach dem Trieb unsers Herzens; gibt uns den vollen Lohn, wenn wir auch nur eine Stunde gearbeitet haben. Seine Barmherzigkeit vergibt, löscht die Spuren unserer Sünden aus, verhütet wo möglich die schlimmen Wirkungen, die sie auf andere ausüben könnten und behandelt uns, als hätten wir nie unrecht getan. Fürchte die Zukunft nicht! Gottes Engel werden nie müde: Was sie ehemals waren, werden sie sein zu allen Zeiten, bis in Ewigkeit, ja auch an solchen Tagen, wo scheinbar dem Satan erlaubt wird, uns zu sichten.