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Predigten zu Psalm 25,9

"Er leitet die Sanftmütigen im Recht, und lehrt die Sanftmütigen seinen Weg."

Autor: Dora Rappard (* 01.09.1842; † 10.10.1923) Schweizer Missionarin und evangelische Kirchenlieddichterin

"Er leitet die Elenden recht."

Das sind ja ganz bevorzugte Leute, die da und dort, vornehmlich in den Psalmen, als "die Elenden" bezeichnet sind. Der Herr leitet die Elenden recht; er lehrt die Elenden seine Wege (Ps. 25, 9). Er labet die Elenden mit Gütern (Ps. 68, 11). Er hilft den Elenden herrlich (Ps. 149, 4). - Das deutsche Wort Elend heißt im Alt-Gothischen: "ein anderes Land", das Ausland. Die Elenden wären somit Ausländer, Fremdlinge, Einsame.

Nun muss gesagt werden, dass das Wort, das in den genannten Stellen mit "die Elenden" übersetzt ist, wohl genauer heißt: "die Sanft- oder Demütigen". Doch mit dem feinen Sprachgefühl, das ihm eignete, hat Luther erkannt, dass die Gesinnung, von der jene Stellen handeln, nicht eine Charakteranlage, sondern eine Frucht vorhergegangener, wohl schmerzlicher Erziehung sei. Sanftmütig Gewordene, Gedemütigte, Gebeugte, - das sind die Elenden, denen die oben angeführten köstlichen Verheißungen gelten.

So verstehen wir auch, warum gerade dieser Ausdruck vielen auserwählten Seelen so köstlich ist. "Wir seligen Elenden, denen der Herr so herrlich hilft!" schrieb einmal eine begnadigte Magd des Herrn. "Weil ich so elend bin, willst du mein Alles sein," singt ein Dichter. Und unvergleichlich schön hat einer gesagt: "Gebrochen werden, tut weh, aber gebrochen sein, ist selig."

Herr, wenn ich nur Dich habe, bin ich in meiner Armut reich und in meinem Elend glückselig.