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Predigten zu Psalm 27,14

"Harre auf Jehova! sei stark, und dein Herz fasse Mut, und harre auf Jehova!"

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Harre des Herrn."

Es mag uns vorkommen, es sei etwas Leichtes um das Harren, aber es ist eine Aufgabe, die ein christlicher Streiter erst nach jahrelanger Übung lernt. Eilmärsche und Schanz-Arbeiten kommen dem Krieger Gottes leichter an, als das Stillesein und Harren. Es gibt Stunden der erwartungsvollsten Ungewissheit, wo der bereitwilligste Christ in seinem Verlangen, dem Herrn zu dienen, nicht weiss, welchen Weg er einschlagen, wofür er sich entscheiden soll. Was soll er dann tun? Sich mit Unruhe ängstigen? Soll er feige fliehen, soll er furchterfüllt zur Rechten ausweichen, soll er vermessen vorandringen? Nein, er soll ganz einfach harren. Aber: harre im Gebet. Schreie zu Gott, und wirf dein Anliegen auf Ihn; sag' Ihm, was dich drückt, was dich ängstigt, und berufe dich auf seine Verheißung, dass Er dich nicht wolle verlassen noch versäumen. In Zweifeln, wie du dich zwischen verschiedenen unvereinbaren Pflichten entscheiden sollest, ist's köstlich, dass wir in Kindesdemut uns bescheiden, und in Seeleneinfalt auf den Herrn harren dürfen. Es schlägt gewiss zu unserm Heil aus, wenn wir unsre Unwissenheit fühlen und erkennen und von Herzen willig sind, uns vom göttlichen Willen leiten zu lassen. Aber harre im Glauben. Beweise dein unerschütterliches Vertrauen auf Ihn; denn ein ungläubiges, zweifelloses Harren ist nur eine Schmach für den Herrn. Glaube, dass, wenn Er dich auch bis tief in die Nacht hinein harren lässt, Er dennoch zu rechter Zeit erscheint; sein Kommen ist gewiss und verziehet nicht. Harre in stiller Geduld; lehne dich nicht auf, weil du unter der Rute der Heimsuchung still halten musst, sondern segne und preise Gott dafür. Wünsche nie, du möchtest lieber wieder zur Welt zurückkehren, sondern nimm alles so an, wie's Gott schickt, und schicke dich darein mit willigem Herzen und einfältigem Gemüt, ohne allen Eigenwillen; überlass alles der Hand deines Bundes-Gottes und sprich: "Siehe, Herr, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe. Ich weiss nicht, was ich tun soll; ich bin ratlos und weiss keinen Ausweg mehr, aber ich will harren, bis dass Du die Fluten zerteilst oder meine Feinde hinter mir zurücktreibst. Ich will harren, wenn du mich auch tagelang hinhältst, denn mein Herz verlässt sich allein auf Dich, o Gott, und mein Geist harrt Deiner in der völligen Überzeugung, dass Du dennoch mein Trost und mein Teil bist, meine Zuflucht und meine Burg."


Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

In der englischen Bibelübersetzung wirkt dieses Psalmwort besonders erfrischend. Es ist nicht nur die Rede davon, mit dem HERRN zu rechnen, was sehr notwendig ist, sondern von mehr, vom geduldigen Warten, vom Harren auf den HERRN, und dieses Wort wird wiederholt: «Warte auf den HERRN, sage ich dir!» Dieser wiederholte inspirierte Ausspruch ist eine väterliche, durch die vielen Erfahrungen des Psalmisten diktierte Ermahnung. In dem Augenblick, wo Gottes Kind ungeduldig wird wie Abraham und selber etwas tun möchte, um die Verheißungen zu erfüllen, spricht der Geist Gottes: «Nein! Warte auf den HERRN!» In Zeiten der Ratlosigkeit möchten wir oft die Lösung der Schwierigkeiten selbst in Gang bringen. Dann sagt uns die sanfte Stimme des Geistes Gottes: «Warte! Warte auf den HERRN, sage ich dir!» Vielleicht wollen wir auch, von einem unbeherrschten Verlangen getrieben, Gott zu dienen und Ihn zu verherrlichen, etwas unternehmen, einen Weg einschlagen, der nicht wirklich der Glaubensweg ist. Um uns die bitteren Erfahrungen und Schwierigkeiten zu ersparen, die daraus entstehen würden, ruft uns Gottes Geist zu: «Warte! Warte auf den HERRN, sage ich dir!»

Diese Haltung hat nichts mit Passivität zu tun, sie bedeutet ein bewußtes Warten in kindlicher Liebe, eine freudige Hoffnung auf das Offenbarwerden der Herrlichkeit Gottes in der Erfüllung Seiner Verheißungen. Zu wem redet der Geist Gottes so? David sagt im Vers vorher: «Ach, wenn ich nicht gewiß wäre, daß ich die Güte des HERRN sehen werde im Land der Lebendigen.» Sind deine Lebensumstände entmutigend, zum Verzweifeln? Dann schaue dir deine augenblickliche Lage im Glauben an. Steht nicht auf der ersten Seite deiner Bibel geschrieben: «Und es wurde Abend, und es wurde Morgen»? Vielleicht sehnst du dich nach dem Himmel, eigentlich aber nur deshalb, weil du deinen momentanen Schwierigkeiten entfliehen willst, und das ist nicht das Verlangen des Glaubens. Gott redet durch dieses Psalmwort zu deinem Herzen. «Sei guten Muts», sagt Er, und Er verspricht dir, dein Herz, den Mittelpunkt deines Lebens, zu stärken.

Höre also auf Ihn, setze dein Vertrauen auf Ihn! «Warte auf den HERRN; sei guten Muts, so wird er dein Herz stärken. Warte auf den HERRN, sage ich dir!»


Autor: Elias Schrenk (* 19.09.1831; † 21.10.1913) deutscher Theologe und Erweckungsprediger des Pietismus

Harre des Herrn, sei getrost und unverzagt und harre des Herrn.

Harre des Herrn, oder noch richtiger: warte auf den Herrn, ist eine überaus wichtige Ermahnung, die wir in obigem Wort zweimal empfangen. David ermahnt sich selbst zur Zeit der Not zum Warten auf den Herrn. Er war bedrängt von falschen Zeugen und glaubte sich von Vater und Mutter verlassen. Ja solchen Zeiten macht sich leicht ein Gefühl der Vereinsamung geltend, womit gemütlicher Druck und Mutlosigkeit sich verbinden. Gegen solche Versuchung kämpft Davids Glaube, der auf die Hilfe des Herrn wartet. Das war und ist heute noch die richtige Stellung. Durch Selbstrechtfertigung, oder Zanken mit Feinden kommt nicht viel heraus. Stille sein, sich fragen, was der Herr einem durch böse Zungen sagen wolle, sich demütigen, wo es nötig ist, gefällt dem Herrn wohl. Wenn wir in solchen Zeiten die Lektion lernen, die der Herr uns gibt, so können wir getrost warten, bis Er uns rechtfertigt und die Feinde zu Schanden macht. Wer nicht auf den Herrn warten kann, nimmt tiefen Schaden; ja, er kann zu Grunde gehen. Manche haben sich durch Feinde reizen, in Bitterkeit und fleischlichen Eifer bringen lassen und haben die Liebe und damit die Gemeinschaft mit Gott verloren. Fürchten wir uns davor. Der Glaube vergisst nicht, dass der Heiland beständig unter bösen Zungen wandelte und nicht wieder schalt, da er gescholten ward. Folgen wir Ihm nach. Der Blick auf Ihn macht getrost und stillt das Herz, so dass man Mut behält. Feinde können uns das Leben schwer machen; aber unser guter Name ist schließlich allein vom Herrn abhängig. Wohl dem, der seine Ehre ganz seinem Herrn übergeben hat.

Ja, auf Dich Herr will ich warten. Du schickst Hilfe zur rechten Stunde. Wo ich nicht stille und geduldig war, wie Du, da vergib Du mir, und schenke mir Deinen Sinn. Lehre mich mit Dir allein stehen, wenn Dein Wille es so haben will und hilf mir, immer kleiner zu werden. Amen