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Predigten zu Psalm 35,20

"Denn nicht von Frieden reden sie; und wider die Stillen im Lande ersinnen sie trügerische Dinge."

Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Die Stillen im Lande

Ein bedeutsamer Name für die Heiligen Gottes! Zu jeder Zeit hat Gott seine stillen Leute gehabt. Sie haben sich von dem Lärm und Streit der Welt abgesondert und von deren ehrgeizigen Bestrebungen sich zurückgezogen, weil sie zu dem Geheimnis eines in Gott verborgenen Lebens hindurchgedrungen waren. Wir müssen der Triebkraft unserer Natur irgendwie freien Lauf lassen; aber wenn wir mit den geheimen Tiefen des ewigen Lebens nicht vertraut sind, so werden wir durch die Berührung mit den irdischen Verhältnissen unvermeidlich in ein hastiges, geschäftiges Rennen und Jagen geraten. Nur der, dessen Schwerpunkt in der Ewigkeit liegt, kann im Zeitlichen ruhig und stille sein.

Wenn wir in der Tiefe mit Gott leben, in der Tiefe warten auf des Meisters Kommen, in der Tiefe die Geheimnisse seines Königreichs betrachten, dann werden wir stille. Wir füllen unseren kleinen Raum aus; wir empfangen unser tägliches Brot und sind zufrieden; wir genießen die natürlichen einfachen Freuden des Lebens; wir werden nicht schreien noch rufen, und unsere Stimmen wird man nicht hören auf den Gassen; mit lautlosem Schritt gehen wir unsere Wege durch die Welt, hinterlassen jedem, der uns begegnt, einen Segen; aber sobald man uns erkennt, sind wir nicht mehr da.

Werde stille, liebe Seele; breite deinen Schmerz, deine Klagen vor Gott aus. Wenn Stürme um dich brausen und wüten, sage es Jesu. Verbirg dich in der Stille seines Gezelts. Jagen andere nach Ruhm und Anerkennung und fürchtest du, davon angesteckt zu werden, so gehe in dein Kämmerlein, schließe die Türe zu und stille dich wie ein entwöhntes Kindlein. Bist du auch stille den Menschen gegenüber, so rede nur um so lauter für sie, vor den Ohren Gottes. O dass wir im besten Sinne des Wortes Quietisten, Stille im Lande würden!