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Predigten zu Psalm 46,3

"Wenn seine Wasser tobten und schäumten, die Berge erbebten durch sein Ungestüm. (Sela.)"

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Wenn auch das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen - dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind."

Das ist ja ein recht fröhlicher und triumphierender Gesang, geboren aus einem recht freimütigen Herzen, das mit seinem Gott über die Mauer springt und sich über alle Höhen hinaufschwingt, sowohl über Berge als auch über jähe Abgründe! Hier ist keine Spur von Verzagtheit, und doch ist dieser fröhliche Psalm zu einer Zeit geschrieben, als "das Meer wütete", als "große Nöte eingetroffen waren", wie wir aus Vers 2 des gleichen Psalms sehen, so dass man fragen möchte, wie man in solchen Zeiten froh und freimütig sein kann.

"Gott ist unsere Zuversicht und Stärke", so beginnt der königliche Sänger den Psalm, "der Herr Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz", so schließt er ihn. Es brauchen solche Verhältnisse nur wahr und lebendig vor unserem Herzen zu werden, unsere Augen brauchen nur geöffnet zu werden, es braucht nur eine kleine Öffnung in den dicken Wolken, die die Herrlichkeit Gottes vor unseren Augen verbergen, zu entstehen, und wir singen und springen alle mit derselben Freude wie David. Als der Knabe des Elisa wegen des Heeres, das mit Rossen und Wagen die Stadt umgab, ausrief: "O weh, mein Herr, wie sollen wir nun tun?" sagte Elisa: "Fürchte dich nicht; denn derer ist mehr, die bei uns sind, denn derer, die bei ihnen sind." Als der zitternde Knabe damit noch nicht getröstet war, betete Elisa und sprach: "Herr, öffne ihm die Augen, dass er sehe!" Da öffnete der Herr dem Knaben seine Augen, dass er sah. Und sieh, da war der Berg voll feuriger Rosse und Wagen um Elisa her. Nun war der Knabe nicht mehr ängstlich. Wir sehen also, was erforderlich ist: "Herr, öffne uns die Augen, dass wir sehen!"

Hier müssen wir nun verstehen, dass mit der Stadt Gottes nicht eine äußere Gemeinde gemeint ist, die ein ganzes Land umfassen kann und deren Einwohner alle auf Christus getauft sind, sondern hier ist die heilige, allgemeine Kirche gemeint, "die Gemeinschaft der Heiligen", die aus den lebendigen Gliedern Christi innerhalb aller Kirchengemeinschaften besteht, und die darum über die ganze Welt zerstreut ist. Diese lebendigen Glieder an Christus, hier und da zerstreut, sind "die Braut des Lammes," die hier eine kurze Zeit hindurch in einem feindlichen Land lebt, fern von ihrem rechten Heim, dem Palast ihres Bräutigams. Sie sind "der Leib Christi," der auf Erden noch viel zu leiden hat und der auf seine Erlösung wartet. Sie sind die Gemeinde des Herrn, die Herde des guten Hirten und "die Schafe Seiner Weide". Sie sind "der heilige Tempel von lebendigen Steinen, erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist." Sie sind "die Bürger mit den Heiligen und Gottes Hausgenossen," unter denen der Herr lebt und wie ein Vater in seinem Haus regiert. Sie sind die Pflanzung des Herrn und "Sein Garten, da Er sie weidet unter den Rosen". Sie sind "die Stadt des lebendigen Gottes, das himmlische Jerusalem, die Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind." Von dieser Stadt Gottes singt David hier so freudevoll und freimütig: "Wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen - dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind."

Gibt es nun wirklich etwas, das diesen lieblichen Worten entspricht, oder sollten es nur Worte sein? Und was ist dann das bezeichnende Merkmal des Volkes Gottes, derjenigen, die der Herr für die Seinen erkennt? Diese Frage wird allen redlichen Christen die wichtigste sein. Wir antworten darauf: Zu diesem lebendigen Leibe Christi gehört ein jeder, der, unter grösserem oder geringerem Sündenelend nach Erlösung suchend, endlich seinen einzigen Trost, sein Leben und seine Seligkeit im Heiland und nur in Ihm gefunden hat, so dass nur Er allein der Gegenstand der Sehnsucht und des Friedens des Herzens ist. Es ist des Herzens größte Sorge, wenn Er entschwunden scheint, und seine größte Freude, wenn Er nahe ist. Sieh, das ist das Kennzeichen der Braut. Und in diesem Sinne, dass nämlich Christus immer und vor allen Dingen zur Versöhnung und zur Gerechtigkeit sowie auch zur Heiligung und zur Erlösung unentbehrlich ist, in diesem Sinne sind sich alle Christen gleich. Wie merkwürdig ist es doch, dass in allen Ländern und Zeiten, unter allen Völkern, Geschlechtern und Sprachen, wo man Christen findet, in diesem Herzenspunkt sich alle so ganz und gar gleich sind: Christus, Christus ist ihr Leben und ihr Lied.

Diese sind das Volk Gottes, das in unserem Text mit der Stadt Gottes bezeichnet wird. In Wahrheit eine wunderliche Stadt, klein und unansehnlich - und doch groß und herrlich - von einem Pol zum anderen sich erstreckend und überaus herrlich ihrem inneren Wesen und ihrer endlichen Bestimmung nach. Einstmals wird man auch die Zerstreuten gesammelt sehen, dann wird man die Braut schauen in ihrem vollen Schmuck und Glanz.

Dann werden die Gebeine grünen, Der große Sabbat ist erschienen, Wo man von keiner Not mehr weiss.