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Predigten zu Psalm 51,8

"Laß mich Fröhlichkeit und Freude hören, so werden die Gebeine frohlocken, die du zerschlagen hast."

Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Es ist kaum glaublich und dennoch wahr, dass fast alle menschlichen Bemühungen auf dem religiösen Gebiete lediglich darin ihren Grund haben und auch von jeher gehabt haben, dass der Mensch nur Lust hat sich zu halten an den alten Stamm Adam und nicht hinübergehen will in die Herrschaft der Gnade, wobei nach der Verheißung die Sünde nicht mehr des Menschen Herr ist. Denn nach der Sünde steht dein Verlangen, o Mensch, und nicht nach der Gerechtigkeit. Im Kirchlichen soll deshalb alles rein sein; ob aber bei dir im Häuslichen alles rein ist, darnach fragst du nicht so sehr. Die Lehre soll durchaus unverfälscht sein; ob aber dein Benehmen mit den Deinen und mit deinem Nächsten auch so ist, wie es vor Gott sein soll, das macht dir wenig Kummer. Ein anderer soll ehrlich sein und Gott und dem Nächsten das Seine zukommen lassen; ob du aber ein Herz habest, dem andern das Seine zu geben, deine eigenen Schulden zu bezahlen, und ob im Falle des Unvermögens bei dir ein Rufen zu Gott da sei um Segen, ein Schreien zu Gott und ein solcher Wandel, dass ein jeder dadurch überzeugt wird: der meint es redlich und ehrlich, das macht dir keine Sorge. Und du willst dich vor der Stimme der Wahrheit für fromm ausgeben? Du willst behaupten, du seiest unschuldig und rein? Dazu hat der Mensch Lust, aber nicht zur Wahrheit.

Herr, willst du Lohn nach Werken geben,
so muss dein Knecht auch vor dir beben.
Ach, geh mit ihm nicht ins Gericht!
Wer ist von allen, die hier leben,
gerecht vor deinem Angesicht?


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Leider ist das so eines jeden Menschen Weise, dass er mit dem Hund auf den Stein beißt, aber nicht auf den sieht, der denselben wirft. Die Sünde, die Sünde wird angeklagt. Aber klage du vielmehr dich selbst an, o Mensch, und nicht die Sünde. Du hassest die Sünde, wie du meinst, aber du liebst dich selbst, den Sünder. Die Sünde soll ausgerottet werden, aber du willst bleiben. Wider die Sünde willst du den Kampf aufnehmen, gegen sie streiten bis aufs Blut, und du schonest des eigentlichen Feindes, wie Saul des Agag. Du klagst dich wohl mal an, ja du kannst keine Ausdrücke finden, die stark genug wären, um zu beschreiben, wer du bist; aber du bedienst dich aller dieser Ausdrücke nur im Hinblick auf die Tat oder die Taten, die du verübst oder verübt hast, indem du stets nur auf das siehst, was aus dir hervorgeht; aber niemals fällt es dir ein zu erforschen, woran es doch eigentlich liegt, dass du so sündigst, dass du solche Begierden nährst, welche dir so viel zu schaffen machen.

Nun höre, das ganze verkehrte Wesen hat darin seinen Grund, dass wir nicht wissen wollen, dass alle Sünden herrühren von unserer Gesinnung gegen Gott, auch nicht wissen wollen, dass diese Gesinnung verdreht und verkehrt ist von Mutterleibe an. Es werden deshalb auch allerlei Kennzeichen der Gnade aufgesucht, und weil keins mehr gefunden wird, soll es mit der Gnade aus sein. Und in solcher Stimmung können wir den 51. Psalm lesen in einem sogenannten Bußkampfe und wir verstehen gar nichts von den Worten: Siehe, du hast Lust zur Wahrheit.

Herr, dir gefällt des Herzens Redlichkeit,
drum sag ich dir, wie ich's im Innern finde;
durch Weisheit, die dein Geist mir noch verleiht,
verberg ich nichts vom Gräuel meiner Sünde.


Autor: Hermann Friedrich Kohlbrügge (* 15.08.1803; † 05.03.1875) niederländischer reformierter Theologe

Wohl dem, der dies von sich anerkennt, welcher der Wahrheit, die in seinem Innern spricht, und wozu Gott allein Lust hat, Raum gibt! Der wird Gott dienen können; denn er wird die Sünde nicht begehen, woraus alle andern hervorkommen, nämlich, dass er sich vor Gott als etwas darstellt, was er doch im Innern nicht ist; er wird die Ungerechtigkeit nicht begehen, welche die Quelle aller Ungerechtigkeit ist, dass er sich das anmaßt, was allein Gott zukommt.

Wie wird es nun geschehen, dass wir dem Herrn so dienen, dass es nach Gottes Willen ist, und wie will Gott, dass ihm gedient werde? Ja, das rate einmal. O das Herz Gottes! Er will uns dienen und dient uns mit Gut und Blut. Er hat uns gedient damit, dass er seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat; er dient uns damit, dass er uns mit diesem Sohn alle Dinge schenkt. Und indem er sie uns schenkt, sagt er uns zugleich, dass wir ihm einen Dienst erweisen, wenn wir uns bekleiden lassen mit den Kleidern seines Heils, wenn wir aus den Reichtümern seiner Gnade nehmen Gnade um Gnade; wie er denn gesagt hat: Tue deinen Mund weit auf, ich will ihn füllen. O welch ein Gott ist Gott! Vor seiner Gnade werden wir am meisten zunichte. Vor dem Licht seines Antlitzes, das über uns leuchtet, schwinden wir dahin, und gerade so fühlen wir uns gestärkt und auf die Füße gestellt. Das ist wohl, um zu sagen: Unser ist die Beschämung des Angesichtes.

Wo ist ein solcher Gott wie du?
Du schaffst den Müden süße Ruh,
Ruh, die nicht zu ergründen.
Ein Abgrund der Barmherzigkeit
verschlingt ein Meer von Herzeleid:
Du Herr vergibst die Sünden.