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Predigten zu Psalm 63,1

"Gott, du bist mein Gott! frühe suche ich dich. Es dürstet nach dir meine Seele, nach dir schmachtet mein Fleisch in einem dürren und lechzenden Lande ohne Wasser,"

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Die offene, klare Sprache des Anfangssatzes stände den Christen weit besser an als die furchtsamen und zweifelnden Ausdrücke, die unter Gläubigen oft üblich sind. Besitz erweckt Verlangen. Volle Sicherheit behindert nicht den Eifer, sondern ist dessen Haupttriebfeder. Wie könnte ich den Gott eines anderen suchen? Aber wegen meines glühenden Verlangens suche ich nach dem, von dem ich weiß, dass Er mir gehört. Beachtet den Eifer, wenn er sagt: »Frühe suche ich Dich!« (so unrev. Elberfelder und KJV). Er will nicht bis Mittag warten, oder bis zum Abend; er ist früh unterwegs, um seinem Gott zu begegnen. Gemeinschaft mit Gott ist etwas so Schönes, dass man die Kühle des Morgens vergisst und den Luxus des Bettes verachtet. Der Morgen ist die Zeit des Taus und der Frische, und der Psalmist weiht sie dem Gebet und der hingegebenen Nachfolge. Die Besten waren zu solcher Zeit stets auf den Knien. Das Wort »früh« spricht nicht nur von der Morgenzeit, sondern auch von Eifer und Unmittelbarkeit. Wer nach Gott verlangt, verlangt jetzt nach Ihm. Heiliges Begehren gehört zu den stärksten Einflüssen, die unser Innerstes aufrühren; darum auch der folgende Satz: »Es dürstet nach Dir meine Seele.« Durst ist das unstillbare Verlangen nach dem, was für unser Leben am nötigsten ist. Mit dem Durst kann man nicht diskutieren, man kann ihn nicht vergessen, ihn nicht unbeachtet lassen, ihn nicht mit stoischer Gleichgültigkeit überwinden. Durst verlangt nach Erhörung; der ganze Mensch muss sich seiner Macht unterwerfen. So geht es auch mit dem göttlichen Verlangen, das die Gnade in wiedergeborenen Menschen schafft; nur Gott allein kann das Lechzen der Seele stillen, die wirklich vom Heiligen Geist erfasst wurde.

Ihn verlangte nicht so sehr, das Heiligtum zu sehen, als vielmehr seinen Gott; er blickte durch den Vorhang der Zeremonien auf den Unsichtbaren. Sein Herz war mit Hilfe des äußerlichen Gottesdienstes oft durch die Gemeinschaft mit Gott erfreut worden, und nach diesen großartigen Segnungen verlangt ihn aufs Neue, denn es ist der größte Kummer eines Christen auf Erden, die bewusste Gegenwart des Gottes zu verlieren, der mit ihm einen Bund geschlossen hat. Unser Elend ist, dass wir so wenig nach diesen erhabenen Dingen und so viel nach den lächerlichen Spielsachen der Welt und der Gefühle dürsten. Wir befinden uns tatsächlich dauernd in dürrem Land; denn dies ist nicht unser Ruheort. Erstaunlich ist, dass Gläubige nicht beständiger nach ihrem Erbteil verlangen, das weit hinter jenem Fluss liegt, dort, wo sie nicht mehr dürsten und nicht mehr hungern, sondern das Angesicht ihres Gottes schauen und Sein Name an ihren Stirnen geschrieben steht. David hatte keinen Durst nach Wasser oder nach irgendetwas Irdischem, nur nach geistlichen Offenbarungen. Das Anschauen Gottes genügte ihm; aber auch nichts Geringeres hätte ihn befriedigt. Welch ein großer Freund ist das, dessen bloßes Anschauen solchen Trost bedeutet! O, meine Seele, ahme den Psalmisten nach, lass dein Begehren auf das höchste Gut gerichtet sein – sich nach Gott zu sehnen und selbst in Ewigkeit keine größere Freude zu haben.