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Predigten zu Psalm 66,10

"Denn du hast uns geprüft, o Gott, du hast uns geläutert, wie man Silber läutert."

Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Denn Gott, du hast uns versucht und geläutert, wie das Silber geläutert wird."

Wie im Silbererz edle und unedle Bestandteile durcheinandergemengt sind, dass eine Scheidung derselben ohne große Glut unmöglich ist - so sind auch bei uns wertvolle und schlechte Anlagen und Eigenschaften so verbunden, dass nur Gott sie klar voneinander unterscheiden kann. Um aber jeden Vorzug von seinem verwandten Fehler zu lösen, müssen wir in den Schmelztiegel der Prüfungen. Dem einen wird körperliches Leid verordnet, dem anderen Demütigungen, Erfolglosigkeit seiner Arbeit oder Kampf mit Menschen; was es immer sein mag, wenn nur die große Hitze den Erfolg hat, unser besseres Teil frei zu machen von dem Unedlen, Unreinen, Selbstsüchtigen in uns. Das Stück Silbererz im Tiegel hat nicht zu bestimmen, wann die Hitze aufhören soll, sondern der Schmelzer. Sein Ziel aber ist der Silberblick; wenn im flüssigen, kochenden Metall sich jener Spiegel bildet, der des Schmelzers Antlitz widerspiegelt. Dann ist's genug. Aber nicht früher. Denn vor ihm nichts gilt, als sein eigen Bild. Es ist daher töricht zu betteln: Nimm den Tiegel vom Feuer, damit ich mich von dem Leiden erhole! Höchstens könnten wir bitten um Klarheit über dasjenige an Schlacken, was jetzt fort soll, damit wir es nicht festhalten und den ganzen Vorgang zu unserem eigenen Schmerz nur verlängern.

Herr, ich beuge mich vor dir. Es war ja Barmherzigkeit von dir, damit ich los käme von den Fehlern meiner Art, dass du gerade mir dieses besondere Leid gesandt hast. So bitte ich, nimm das Böse von mir, nicht das Leid. Halte du mich fest. Amen.


Autor: Frederick Brotherton Meyer (* 08.04.1847; † 28.03.1929) englischer Baptistenpastor

Gott, du hast uns versucht und geläutert, wie das Silber geläutert wird

Das Silber wird durch das Feuer geläutert und das Herz durch Leiden. Aber im Feuer sollst du nicht verbrennen, nur die Schlacken sollen entfernt werden. Nicht einmal den Geruch des Brandes soll man an dir merken, denn der Sohn Gottes wird dir zur Seite stehen.

„Sei still! Er läutert dich zur Paradiesesfreude, Vertrau dich kindlich Ihm, sei's auch in Schmerz und Leide. Es ist für dich nur seliger Gewinn!“

Der Hauptzweck deines Lebens soll nicht sowohl sein, etwas zu tun, als etwas zu we r d e n . Darum stehen wir stündlich in der Bearbeitung und Zucht. Du magst nicht begreifen, weshalb du Jahr für Jahr die ernste Feuerprobe aushalten sollst; dir scheint die Zeit verloren zu sein, weil du nichts tun kannst. Ja, aber du bist eben in diejenigen Verhältnisse gestellt, die dir die beste Gelegenheit gewähren, die Seiten deines Charakters zu entwickeln, wo es dir am meisten fehlte. Der Schmelzer sitzt geduldig neben dem Tiegel, Er achtet mit Spannung auf den Verlauf; Er mäßigt die Hitze, und wartet nur bis der Schaum vergeht und sein eigenes Bild Ihm, aus der flüssigen Masse, entgegenstrahlt.

Sei dessen gewiss, dass dir nichts geschehen kann, als was im Himmel über dich beschlossen worden ist. Trachte darnach, mit jenem im Leiden bewährten Gottesknecht zu sprechen: „Der Wille meines Gottes ist mir ein sanftes Ruhekissen, auf das ich mich lege und unter allen Umständen Sicherheit und Ruhe finde. Es ist wahrlich selig, sich allezeit in den Willen Gottes zu versenken. Unbedingte Ergebung in den göttlichen Willen weist tausend Versuchungen zurück; Vertrauen auf den Heiland trägt uns sänftiglich durch tausend Prüfungen hindurch.“