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Predigten zu Psalm 66,16

"Kommet, höret zu, alle, die ihr Gott fürchtet, und ich will erzählen, was er an meiner Seele getan hat."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Es ist schön, wenn Bitte und Lob beieinander sind wie die Rosse an Pharaos Wagen. Einige, die nicht singen, rufen um Hilfe, und andere, die nicht um Hilfe rufen, singen; aber beides zusammen ist das Beste. Weil die Erhörung durch den Herrn oft unseren Bitten dicht auf den Fersen folgt oder sie sogar überholt, ist es nur richtig, wenn unsere dankbaren Loblieder mit unseren demütigen Bitten Schritt halten. Beachtet, dass der Psalmist sowohl erzählte als auch rief; der Herr hat den stummen Teufel aus Seinen Kindern ausgetrieben, und solche, denen das Reden am schwersten fällt, sind oft die beredtesten mit ihren Herzen.

Darf ich wünschen, der Herr möge stillschweigend meine Sünde dulden oder mich annehmen, wenn ich absichtlich einen bösen Weg verfolge? Nichts behindert das Beten so sehr wie Unrecht, an dem wir festhalten. Wie bei Kain liegt dann die Sünde vor unserer Tür und blockiert den Zugang zu Gott. Wenn ihr auf den Teufel hört, wird Gott nicht auf euch hören. Wenn ihr euch weigert, Gottes Gebote zu beachten, wird Er sich ganz sicher weigern, eure Gebete zu erhören. Um Christi willen beachtet Gott auch eine unvollkommene Bittschrift, aber keine, die absichtlich durch die Hand eines Verräters gefälscht wurde. Wenn Gott uns nämlich annehmen würde, während wir uns an der Sünde ergötzen, machten wir Gott selbst zum Handlanger von Heuchlern. Ein solcher Titel wäre passender für den Teufel als für den Heiligen Israels.

»Doch wahrlich, Gott hat erhört« (so Schlachter). Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass der Bittsteller nicht heimlich die Sünde liebte. Die Erhörung seiner Gebete war eine erneute Zu- sicherung, dass sein Herz aufrichtig vor dem Herrn war. Seht, wie sicher der Psalmist war, erhört zu sein; das war für ihn keine Hoffnung, keine Vermutung oder Einbildung, sondern er besiegelte es mit einem »gewisslich!« (so nach der KJV). Tatsachen sind etwas Gesegnetes, wenn sie sowohl Gottes Herz als voll von Liebe als auch unser Herz als aufrichtig offenbaren. Liebe zur Sünde ist eine Pestbeule, ein Verdammungszeichen und ein Merkmal des Todes; aber solche Gebete, die offensichtlich leben und sich bei Gott Gehör verschaffen, steigen ganz klar aus einem Herzen auf, das frei vom leichtfertigen Spiel mit dem Bösen ist. Möge der Leser zusehen, dass er in tiefster Seele von den Bindungen an die Ungerechtigkeit, von aller Duldung heimlicher Begierden und verborgener Schlechtigkeit befreit ist.

»Gepriesen sei Gott!« Er hat mir weder Seine Liebe noch die Freiheit zum Beten entzogen. Er hat weder meine Bitten noch mich selbst verworfen. Seine Gnade und meine Bitten begegnen sich immer noch. Der Psalm endet auf dem Anfangston. Alles ist nach Geist und Absicht des Psalms nur Lobgesang. Herr, gib, dass wir einstimmen können! Amen.


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"Ich will erzählen, was er an meiner Seele getan hat."

Gewiss, das ist naturgemäss; das tut wohl; das ist eine Dankespflicht; das ist ein neuer Lebenssame auf die Herzen, die das hören. Und es ist doch ein Aber dabei. Es kommt noch darauf an, wann, wo und wie das geschieht. Passt Ort und Gelegenheit nicht dazu, dann kann solches Offenbaren des schönsten Erlebnisses taktlos, roh, unkeusch sein, und man hat Weizen auf Eis gesät. Oder geschieht es mit einer Art Prahlerei, dann wird die heimliche Strafe des Herrn am Gewissen nicht ausbleiben. Sollte man darüber nicht zuerst beten und noch einmal beten, bis einem die Vollmacht gegeben wird zum Erzählen, was Jesus an unserer Seele getan hat? Dann kann unter Umständen solche schlichte, wahre Darstellung an einer empfänglichen, suchenden Seele gewaltig einschlagen, wie ein Blitz vom Himmel. Aber von Feuer erzählen, während man lau ist oder untreu oder unsicher, das macht einen kläglichen Eindruck. Man sieht dem Verarmten, der von seinen früheren Schätzen und großen vornehmen Beziehungen mit etwas Prahlerei berichtet, unwillkürlich auf die Kleider und auf die Finger: wo ist das Feierkleid geblieben und der goldne Fingerreif, die du vom Vater bei der Heimkehr erhalten hast?

Lieber Vater im Himmel, vergib uns beides, das Zuviel und das Zuwenig, dessen wir uns schuldig machten im Reden über dich. Mach uns zu klaren, hellen Posaunen, wo du uns brauchst, und lehre uns schweigen, wo du es willst. Amen.


Autor: Christoph Blumhardt (* 01.06.1842; † 02.08.1919) deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Kirchenlieddichter
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Davids Herz ist voll von Lob und Dank gegen Gott, der ihm geholfen; und nun kann er's nicht für sich behalten. Er will seine Freude mit andern teilen, und möchte es gerne erzählen. Daher ruft er herzu alle, welche Gott fürchten. Nur an die, welche Gott fürchten, will er sich wenden. Er weiß wohl, daß er's nicht jedermann sagen kann und darf. Denn es giebt viele, bei denen man muß stille seyn, und denen man nichts der Art sagen darf, weil sie nur lachen oder spotten, ja schelten oder lästern. Denen aber, die Gott fürchten, tuts wohl, von Liebestaten Gottes zu hören, welche andere erfahren haben. Wenn dann die so beisammen sind und miteinander die Gnaden Gottes preisen, so ist das ein schönes Häuflein, das dem HErrn Freude macht, und das glücklicher ist, als alle sonstigen Vereine und Klubs in der Welt, die nur pochen und ihr selbst Werk preisen.

Bei Freunden Gottes aber verrät es Undankbarkeit, wenn sie gegen jedermann über das, was sie Großes vom HErrn erfahren haben, so schweigsam sind; und es macht einen üblen Eindruck, wenn jemand, auch da, wo ihm Gelegenheit sich darbietet, erfahrene Hilfe oder Freundlichkeit Gottes zu erzählen, den Mund nicht auftun mag. Da giebt es Leute, die nehmen alles so stumm hin, was der liebe Gott tut, ohne ein rechtes Gefühl selbst für ihren Gott zu haben; und die müssen sich's daher auch gefallen lassen, wenn sie Gott wieder darben und in's Elend kommen läßt, damit sie ein andermal die Güte Gottes schätzen lernen. Oft schämen sie sich gleichsam, nur ein freudiges Gesicht zu zeigen, dabei ein geheimer Stolz zu Grund liegt, wenn nicht gar eine Verleugnung des HErrn. Wer aber fröhlich seyn kann, und mit seinen Brüdern sich Gottes freuen, der darf sich vom lieben Gott noch mehr versprechen.

Andererseits giebt's wieder viele, die zu schnell und ungescheut vor jedermann über alles reden; und die verursachen damit oft großen Schaden, weil sie dem Lästerer den Mund öffnen. Merk's, wie David nur die zuhören heißet, die Gott fürchten. Noch ungeschickter ist es, wenn man vollends prahlt mit den erfahrenen Gnaden Gottes, und den Eindruck macht, als wollte man's ausbreiten, wie man bei Gott so besonders wohl daran sei. Es ist aber eine große Sünde, aus der Gnade Gottes einen Selbstruhm zu machen, und mit dem Preisen Gottes mehr seiner Eigenliebe zu dienen. Da gibts Leute, welche Tage lang fortmachen können, vor andern sich als Lieblinge Gottes hinzustellen.

Wollen wir uns das alles zur Beachtung und Vorsicht gesagt sein lassen. Ein lauterer, kindlicher, wahrer Dank, der sich laut macht, ist etwas Schönes; aber Demuth und Furcht Gottes muß zu Grund liegen, bei welcher man sich alles Guten unwert achtet, das man erfahren darf.

Mel. Womit soll ich dich. HErr, entzünde mein Gemüte, Daß ich Deine Wundermacht, Deine Gnade, Treu und Güte Froh erhebe Tag und Nacht, Da von Deinen Gnadengüssen Leib und Seele zeugen müssen. Tausend, Tausendmal sei Dir, Großer König, Dank dafür!


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Erstaunte Ehrfurcht

Ich könnte als Christ nicht lange leben, ohne innerlich von der Gegenwart und Nähe Gottes zu wissen! Ich kann nur dann meinen Weg als Christ gehen, wenn in mir die Furcht Gottes und die Freude an Seiner Anbetung bleiben. Es tut mir Leid, dass das starke Bewusstsein der Furcht Gottes, der Ehrfurcht vor Ihm, heute in vielen Gemeinden fehlt.

Die Furcht Gottes ist jene »erstaunte Ehrfurcht«, von der einst Faber schrieb. Ich würde sagen, dass die Furcht Gottes eine Weiterentwicklung des Erschreckens ist, das ein schuldiger Mensch vor dem heiligen Gott hat, ein Fortschreiten zu der freudigen Entzückung, die jemand empfindet, der Gott anbetet.

Es gibt in unserem Leben manches, was sich nicht näher bestimmen lässt. Aber ich glaube, dass die Furcht, die Ehrfurcht vor Gott - verbunden mit Liebe, Faszination, Erstaunen und Bewunderung - der erfreulichste Zustand, das reinste Gefühl ist, das ein Mensch erfahren kann. Eine wahre Furcht Gottes ist eine feine Sache, denn sie ist An- betung, ist Liebe, ist Verehrung. Sie ist ein großes Glück, weil Gott ist!