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Predigten zu Psalm 6,2

"Sei mir gnädig, Jehova! denn ich bin dahingewelkt; heile mich, Jehova! denn meine Gebeine sind bestürzt."

Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
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Nicht in Deinem Zorn

»Ach HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn.« In allen Leiden und Anfechtungen soll der Mensch zuerst zu Gott flüchten und sie als von Gott geschickt annehmen – einerlei, ob sie vom Teufel oder von Menschen verursacht wurden. So macht es auch der Gottesmann in diesem Psalm. Er spricht wohl von seinem Feind, aber als Erstes wendet er sich an Gott und nimmt die Feindschaft seiner Feinde nicht von ihnen an, sondern von Gott, denn auf diese Weise lernt man Geduld und Gottesfurcht. Wer aber nur auf die Menschen sieht, und nicht alles von Gott annimmt, der wird ungeduldig und verachtet Gott. Dabei müssen wir sehen, dass Gott auf zweierlei Weise straft: Einmal tut er es aus Gnaden als ein guter Vater und nur für die Erdenzeit. Das andere Mal tut er es in seinem Zorn als ein strenger Richter, und das gilt dann ewig.


Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
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Sei ein Vater und kein Richter

»Ach HERR, strafe mich nicht in deinem Zorn.« Wenn nun Gott den Menschen anfasst, dann ist die Natur so schwach und verzagt, weil sie nicht weiß, ob Gott das aus Gnade oder aus Zorn tut. Und aus Angst vor dem Zorn fängt sie an zu schreien: »Ach Gott, strafe mich nicht in Deinem Zorn. Lass es in Gnaden und nur zeitlich sein! Sei ein Vater und kein Richter!« So sagt auch Augustinus: »Ach Gott, brenne hier, haue hier, schlage hier und schone uns dort!« Er bat nicht darum, hier ganz ungestraft davonzukommen, denn das wäre kein gutes Zeichen. Er wollte aber nur wie ein Kind vom Vater gezüchtigt werden. Weil aber diese Worte von einem Sünder gesprochen werden, sehen wir, dass Gott nicht einen Gerechten bestraft, denn alle Heiligen und Christen müssen bekennen, Sünder zu sein, alle müssen Gottes Richterstuhl entgegengehen, da ist niemand ausgenommen. Wehe denen, die sich nicht fürchten und ihre Sünde nicht spüren und selbstsicher durchs Leben gehen und Gottes Gericht missachten, vor dem doch kein »gutes Werk« ausreichend ist.


Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
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Untergang und Wiederauferstehung

»HERR, … meine Gebeine sind erschrocken!« Das bedeutet: »Alle meine Kraft und Stärke versinkt vor dem Grauen Deiner Strafe. Weil mich aber meine Kraft verlässt, so gib mir Deine Stärke.« Man merkt hier, dass keiner diesen Psalm und alle ähnlichen Schriftstellen jemals völlig verstehen oder beten kann, solange er der Wahrheit nicht in die Augen blicken mag, wie es beim Sterben und Hingehen aus dieser Welt geschieht. Darum sind die selig zu preisen, bei denen das zu ihren Lebzeiten geschieht, denn es muss bei jedem Menschen zu einem wirklichen Untergang kommen. Wenn nun der Mensch auf diese Weise untergeht und zunichtewird mit allen seinen Kräften, seinen Werken und seinem Wesen, sodass nichts mehr als ein elender, verdammter und verlassener Sünder übrig ist, dann kommt die göttliche Hilfe und Kraft. So steht in Hiob 11,17: »Das Finstere würde ein lichter Morgen werden.«


Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
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Meinen Richter werde ich um Gnade bitten

»Meine Seele ist sehr erschrocken.« Gott lässt niemand Kraft und Trost zuteilwerden, der ihn nicht aus Herzensgrund darum bittet. Niemand aber bittet so aus Herzensgrund, der noch nie gründlich erschrocken und verlassen war, weil ein solcher gar nicht weiß, was ihm fehlt. Er stützt sich auf andere Kraft und vertraut auf sich oder auf andere Geschöpfe. Damit Gott uns seinen Trost und seine Kraft geben und uns mitteilen kann, entzieht er uns allen anderen Trost und macht die Seele tief im Herzen betrübt, dass sie schreit und sich nach Gottes Trost sehnt. Und so sind alle Züchtigungen Gottes freundlich zu unserem Trost zubereitet. Die Unweisen allerdings verhindern und verkehren diese Vorsehung Gottes an sich selbst, weil sie so wankelmütige und verzagende Herzen haben. Sie wissen nicht, dass Gott seine Güte und Freundlichkeit unter Zorn und Züchtigung verbirgt.


Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
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Ach Du, HERR, wie lange!

»Ach du, HERR, wie lange!« Allen leidenden Menschen erscheint die Zeit sehr lang, während sie den Fröhlichen kurz vorkommt. Besonders unermesslich lang ist sie denen, die den inwendigen Schmerz der Seele haben, die sich von Gott verlassen fühlt – so, als sei er ganz und gar von ihr gewichen. Es gibt kein größeres Leid, als wenn ein empfindsames Gewissen leidet, weil es den Eindruck hat, dass Gott sich von uns entfernt hat und mit ihm alle Wahrheit, Gerechtigkeit und Weisheit gewichen sind. Dann bleiben nichts als Sünde, Finsternis und Ach und Weh. Das ist dann schon ein Tropfen des Vorgeschmacks der höllischen Pein. Darum wird auch alles davon berührt – das ganze Gebein samt Kraft, Saft und Mark und allem, was im Menschen ist.


Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
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Selig sind, die geistlich arm sind

»Der HERR hört mein Flehen; mein Gebet nimmt der HERR an.« Diese Worte drücken genau das aus, was eine geistlich arme Seele empfindet, die nichts mehr hat als das Geschrei in ihrer Not, die aber bittet und fleht in festem Glauben, in starker Hoffnung und anhaltender Liebe. So müsste es eigentlich im Leben und Wesen eines jeden Christen aussehen, dass er außer Gott nichts wisse und habe und nur in festem Glauben zu ihm aufblicke. Darum werden jene, die anders sind, auch nicht von Gott erhört, weil sie nicht aus tiefstem Herzen rufen. Sie fühlen sich nicht arm und haben das Rufen und Bitten auch nicht nötig, weil sie satt und voll sind.