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Predigten zu Psalm 84,4

"Glückselig, die da wohnen in deinem Hause! stets werden sie dich loben. (Sela.)"

Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Wohl denen, die in Deinem Hause wohnen, die immerdar Dich preisen." Ps. 84,5

Auch dies sind unserer Seele Töne, die wunderbar in ihrem Innern widerklingen. So sehr sie sich einst in ihrer Schuld und Gebundenheit sehnte nach einer Zuflucht zu Gott, so sehr sehnt sie sich jetzt nach einer bleibenden Gemeinschaft mit Gott: nach einem Zustand, wo der Umgang mit Gott nicht nur etwas Festliches oder nur Sonntägliches ist, sondern eine Wirklichkeit wird, die durch kein Alltagsleben, durch keine Pflichten und Berufsaufgaben, durch keine Einsamkeit und Entbehrungen unterbrochen werden kann.

Durch die Erfahrungen, die sie gemacht, durch die Enttäuschungen, die sie erlebt, durch die Niederlagen, die sie kennen gelernt hat, ist es ihr zum Bewusstsein gekommen, dass sie nur dann dauernd glücklich sein kann, wenn sie in jener Gemeinschaft mit dem Vater bleibt, in die sie durch die Tat Gottes hineinversetzt worden ist.

Und sie weiss, dass es so eine bleibende Gemeinschaft, so ein Wohnen im Hause Gottes gibt, dass ihre Sehnsucht Erfüllung werden kann. Sie weiss, dass das Wohnen im Hause des Herrn und die Pflege heiliger Priesterdienste und die Lobpreisung Gottes im Geist und in der Wahrheit nicht mehr an heilige Orte und Zeiten, nicht mehr an besondere Stände und Verbände gebunden ist. Sie weiss, dass es jenes allgemeine Priestertum gibt, von dem der Apostel Petrus in seinem Briefe Zeugnis ablegt mit den Worten: Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, auf dass ihr öffentlich verkündigt die Tugenden des, der euch aus Finsternis berufen hat zu seinem wunderbaren Licht, die ihr einst kein Volk waret, jetzt aber Volk Gottes seid, die ihr nicht begnadigt waret, jetzt aber begnadigt seid."

Auf neutestamentlichem Boden ist auch das kleinste und schwächste Glied der großen Gottesfamilie berufen zu einem "Wohnen im Hause des Herrn." Wer vom Geist gezeugt worden, ist durch die Geburt in die Familie Gottes hineingeboren. Hier kann nun die im Prinzip bleibende Gemeinschaft mit dem Vaterhause auch eine in der Erfahrung erlebte werden. Und erst bleibende Gemeinschaft macht das Leben des Glaubens wirklich reich und köstlich! Denn was bedeutet es doch für eine Seele, der es zur vollen Wirklichkeit wird, dass sie alles mit Gott durchleben kann! Dass es keinen so einsamen Weg für sie gibt, wo Gott nicht wäre, man keinen Dienst tut, an dem Er nicht teilnehmen könnte, man in keinen Trübsalsofen kommt, in den Er nicht mit hineinginge, man keine Tränen weint, die Er nicht zählt, es keine Lasten gibt, die Er nicht mitträgt, es keine Seufzer in unserer Seele gibt, die Er nicht hört und versteht.


Autor: Hugh E. Alexanders (* 1884; † 1957) englischer Evangelist, der Anfang des 20. Jahrhunderts in der französischen Schweiz wirkte

David war auf der Flucht vor Absalom und hatte die Bundeslade nach Jerusalem zurückgeschickt. Er war ein entthronter König, fern vom Heiligtum, und seine Seele dürstete nach Gott. Der Sperling, der gewöhnlichste unter den Vögeln – man verkauft zwei um einen Pfennig –, hat ein Haus. Die Schwalbe, der schnellste, beweglichste aller Vögel, hat ihren Zufluchtsort, ihr Nest, zu dem sie immer wieder zurückkehrt. David entfernte sich mit jedem Schritt weiter von den Altären seines Gottes, dem Heiligtum, in dem er Gott begegnete. Nur dort konnte das Sehnen seiner Seele gestillt werden, nur am Altar, der den Zugang zum Thron öffnet, der Quelle des Friedens, der Zufriedenheit und der geistlichen Erquickung.

Bist du in derselben Seelenverfassung wie David? Hast du dich vom Thron vertreiben lassen? Bist du des Heiligtums beraubt? Wer ist der «Absalom», der dich besiegt hat? Bekenne es ohne Zögern! Sieh, jeder Sperling hat sein Haus, jede Schwalbe ihr Nest. Warum irrst du schutzlos, heimatlos umher, wenn ein solcher Reichtum auf dich wartet? – Herr, ich sehne mich nach Deinen Altären! Führe mich dahin zurück, tue es jetzt!

So schütte dein Herz vor Ihm aus, verheimliche Ihm dein Abweichen nicht, sage Ihm die Ursache deines Zustandes, kehre zu Ihm zurück, zum Altar, wo Er Sich opferte, und erfasse ganz von neuem die von dort ausgehende Kraft und Wirksamkeit. Komm mit Freimütigkeit zum Gnadenthron, um Barmherzigkeit zu erlangen und Gnade zu finden. Dann kannst du mit diesem Psalm ausrufen: «Wohl dem Menschen, dessen Stärke in dir liegt.» Wenn wir uns nicht mehr um uns selber drehen, sondern unser Lebenszentrum in Christus gefunden haben, sind wir wahrhaft frei und erfüllt mit der Freude am Herrn. Wenn es dann auch durchs Tal der Tränen geht, bleiben wir doch ganz nahe beim Altar, sind stark im Herrn und finden den Ausgang aus diesem Tal. Diese Erfahrung wird uns und anderen dann zum Segen. Allein im Kreuz liegt das Geheimnis, das unsere Anfechtungen so verwandeln kann, und wir werden erfahren, was am Schluß des Psalms geschrieben steht: «Wer in Lauterkeit wandelt, dem versagt er nichts Gutes.»