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Predigten zu Psalm 90,1

"{Ein Gebet von Mose, dem Manne Gottes.} Herr, du bist unsere Wohnung gewesen von Geschlecht zu Geschlecht."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Für die Gläubigen ist der HERR der aus sich selbst existierende Gott, der ihnen Wohnstätte und Bedeckung bedeutet. Er beschützt, tröstet, bewahrt, versorgt und erquickt all die Seinen. Wir wohnen nicht in der Stiftshütte oder im Tempel, sondern in Gott selbst, und das haben wir getan, seit es die Gemeinde in der Welt gibt. Königspaläste vergingen in der zerbröselnden Hand der Zeit – sie wurden niedergebrannt oder unter Schuttbergen begraben, doch das Herrschergeschlecht des Himmels hat nie seine königliche Wohnstätte verlassen. Wo unsere Väter schon seit zahllosen Generationen wohnten, da wohnen wir immer noch. Der Heilige Geist hat von den neutestamentlichen Heiligen gesagt: »Wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.« Es war ein göttlicher Mund, der sagte: »Bleibt in Mir!« Und dann fügte Er hinzu: »Wer in Mir bleibt und Ich in ihm, der bringt viel Frucht.« Es ist wunderbar, mit dem Herrn zu sprechen, wie Mose es tat: »Herr, Du bist unsere Wohnung gewesen«, und es ist klug, daraus Gründe abzuleiten, auch für Gegenwart und Zukunft Gnadenerweise zu erwarten, weil der Herr zu aller Zeit immer dasselbe Erbarmen hat.

Gott war, als sonst nichts war. In diesem ewig Seienden ist eine sichere Bleibe für alle aufeinander folgenden Generationen der Menschen. Wäre Gott von gestern, würde Er kein passender Zufluchtsort für Menschen sein. Könnte Er sich wandeln oder aufhören, Gott zu sein, wäre Er nur eine unsichere Wohnung für Sein Volk. Das ewige Sein Gottes wird hier im Vergleich zu der Kürze des menschlichen Lebens dargestellt. Dessen Zerbrechlichkeit wird dann weiter deutlich gemacht: Gott erschafft ihn aus dem Staub der Erde, und auf das Wort des Schöpfers hin kehrt er zum Staub zurück. Gott ruft ihn zurück, und nichts bleibt von dem Menschen übrig. Ein Wort erschuf ihn, und ein Wort zerstört ihn. Seht her, wie das Handeln Gottes wahrgenommen wird: Von dem Menschen wird nicht gesagt, er sterbe auf Beschluss des Schicksals oder wegen eines unerklärlichen Gesetzes, sondern der Herr wird als der alles Bewirkende dargestellt; Seine Hand schafft und Seine Stimme spricht. Ohne sie würden wir nicht sterben; keine Macht der Erde oder der Hölle könnte uns das Leben nehmen. Wie eine Sturzflut herniederstürzt und alles mit sich reißt, so reißt der Herr die aufeinander folgenden Geschlechter der Menschen durch den Tod fort. Wie ein Sturmwind die Wolken vom Himmel fegt, so jagt die Zeit die Menschenkinder hinweg. Vor Gott müssen die Menschen substanziell so wenig bedeuten wie die Träume der Nacht, wie nächtliche Einbildungen. Nicht nur unsere Pläne und Einfälle gleichen dem Schlaf, sondern auch wir selbst. »Wir sind nichts weiter als ein Traumgespinst.« Dem Gras gleich, das morgens grünt und abends Heu geworden ist, wandelt sich die Gesundheit des Menschen innerhalb weniger Stunden in völliges Verderben. Wir sind keine Zedern oder Eichen, sondern armseliges Gras, das im Frühjahr kraftvoll erscheint, aber nicht den Sommer überdauert. Was ist vergänglicher auf Erden als wir Menschen!