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Predigten zu Psalm 99,1

"Jehova regiert: es zittern die Völker; er thront zwischen den Cherubim: es wankt die Erde."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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Heilige beben vor liebender Ergriffenheit, und Sünder beben vor Schrecken, wenn die Herrschaft des HERRN richtig wahrgenommen und empfunden wird. Das ist keine unbedeutende Nebensächlichkeit, sondern eine Wahrheit, die mehr als alles andere die Tiefen unseres Seins aufrühren sollte. In der Großartigkeit erhabener Herrlichkeit und doch in der Erniedrigung eines Mittlers offenbart sich der HERR über dem Gnadenthron, auf dem jene Engel stehen, die auf Seine Herrlichkeit starren und ohne Unterlass rufen: »Heilig, heilig, heilig ist der HERR der Heerscharen.« Der HERR, der auf jenem Gnadenthron regiert, welcher mit Blut besprengt und von den überschattenden Flügeln vermittelnder Liebe bedeckt ist, übertrifft alle anderen Offenbarungen und ist wohlgeeignet, die ganze Menschheit in tiefste Bewegung zu versetzen. Nicht nur das Volk Israel, sondern alle Völker sollten zu anbetender Ehrfurcht bewegt werden, wenn bekannt wird, dass Gott als universaler Herrscher auf dem Gnadenthron sitzt. Die Pracht des Himmels umgibt Ihn und wird durch die ausgestreckten Flügel der wachsamen Cherubim dargestellt. Möge die Erde nicht weniger zu Anbetung bewegt werden, vielmehr sollen sich alle Stämme vor Seiner unendlichen Majestät niederbeugen, ja, die ganze Erdkugel gerate ins Zittern, wenn sie begreift, dass Er da ist. In früheren Zeiten war der heilige Berg des Tempels das Zentrum der Anbetung des Großen Königs und der Ort, an dem Seine Hoheit am deutlichsten wahrgenommen wurde. Seine Gemeinde ist jetzt Sein Lieblingspalast, wo Seine Großartigkeit dargestellt, anerkannt und angebetet wird. Da enthüllt Er Seine Eigenschaften, und dort fordert Er die demütigste Verehrung; die Unwissenden vergessen Ihn, die Bösen verachten Ihn, die Atheisten bekämpfen Ihn; aber für Seine Auserwählten ist Er unvergleichlich groß. Er ist groß in den Augen der Begnadeten, groß in Seinen Werken der Barmherzigkeit und ganz und gar groß in sich selbst, groß an Gnade, Macht, Weisheit, Gerechtigkeit und Herrlichkeit. Das Höchste ist nicht hoch im Vergleich zu Ihm, doch, gepriesen sei Sein Name, der Niedrigste wird von Ihm nicht verachtet. Eines solchen Gottes rühmen wir uns; Seine Größe und Erhabenheit ist für uns über alles schön. Je mehr Er in den Herzen der Menschen geehrt und erhoben wird, umso mehr freut sich Sein Volk.

Der HERR ist auch noch unter den schrecklichsten Umständen zu loben. Viele bekennen, die milderen Strahlen der Sonne der Gerechtigkeit sehr schön zu finden, doch geraten sie in wilde Rebellion gegen ihre Flammenstrahlen. Das dürfte nicht so sein: Wir müssen auch den furchtbaren Gott preisen, den, der die Gottlosen in die Hölle wirft. Der schreckliche Rächer muss gepriesen sein, genauso wie der liebende Erlöser. Dagegen rebelliert das böse, mit der Sünde sympathisierende Herz; es schreit nach einem weichlichen Gott, bei dem das Mitleid die Gerechtigkeit stranguliert hat. Die wohlunterwiesenen Knechte des HERRN aber preisen Ihn wegen aller Seiten Seines Wesens, seien es die schrecklichen oder die sanften. Nur die vom Gnadenthron ausgehende Gnade kann in uns diese bewundernswerte Geisteshaltung schaffen. In Gott gibt es weder Schwäche noch Versagen, weder ein Zuviel noch ein Zuwenig, weder Irrtum noch Ungerechtigkeit. Er ist ganz vollkommen und wird darum der Heilige genannt. O kommt – und lasst uns vor Ihm niederfallen!