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Predigten zu Richter 15,14

"Als er nach Lechi kam, da jauchzten ihm die Philister entgegen; aber der Geist Jehovas geriet über ihn, und die Stricke, welche an seinen Armen waren, wurden wie Flachsfäden, die vom Feuer versengt sind, und seine Bande schmolzen weg von seinen Händen."

Autor: Alfred Christlieb (* 26.02.1866; † 21.01.1934) deutscher Theologe
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"Der Geist des Herrn kam über Simson."

Die Bewohner der Stadt Lehi sind einmal in peinliche Verlegenheit geraten. Simson hatte vorübergehend Wohnung bei ihnen gemacht. Die Philister hörten davon, gingen nach Lehi und drohten dort: Wenn ihr uns den Simson nicht ausliefert, gefesselt mit zwei neuen Stricken, werden wir eure Stadt an allen vier Ecken anzünden. Die Leute aus Lehi gingen zu Simson und fragten, was sie tun sollten. Simson sprach: "Schwört mir, dass ihr mir kein Böses tun wollt, dann bindet mich und liefert mich den Philistern aus." Es geschah also. Als die Philister den riesenstarken Mann erblickten, in Fesseln geschlagen, jauchzten sie laut auf. Da aber kam der Geist des Herrn über Simson. Er zerriss die Stricke wie Fäden, vom Feuer versengt. Simson ergriff einen am Boden liegenden Eselskinnbacken und schlug 1000 Philister nieder. - Diese Geschichte zeigt eine zweifache Wirkung des Geistes Gottes. Derselbe löst Gebundenheit. Bei Simson waren es Hanfseile, zu deren Zerreissung menschliche Kraft allein nicht ausgereicht hätte. Die Kraft des Geistes ließ sie abfallen wie versengte Fäden. - Es gibt für uns schlimmere Gebundenheiten, als die durch Hanfseile: Mammonsgier, Fleischeslust, Trunksucht. Menschenkraft reicht da nicht aus zur Befreiung. Die Fesseln löste einzig die Kraft des Geistes Gottes. - Ein zweites: Dieser Geist schenkt Simson einen herrlichen Sieg. Simson hatte keine Waffe zur Hand, raffte einen Eselskinnbacken vom Boden auf und schlug damit 1000 Philister. Die herrlichste Rüstung hätte ihm ohne des Geistes Kraft nichts genützt! Gottes Geist aber gab ihm übermenschliche Kräfte. - Solche Kräfte kann Gott auch heute noch verleihen. Von Stephanus lesen wir Apg. 6, 8: "Stephanus, voll Glaubens und Kräften, tat Wunder und große Zeichen, und niemand vermochte zu widerstehen der Weisheit und dem Geiste, aus welchem er redete." - Gott schenke uns wieder geisterfüllte Kämpfer!


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Der Text klingt ganz fröhlich. Aber es handelt sich doch um eine sehr traurige Geschichte. Warum jauchzten die Philister? Weil ihnen der Mann, den sie am meisten haßten, gefesselt zugeführt wurde. Welch ein trauriges Bild! Simson, der Geweihte des Herrn, der Streiter Gottes, der Verlobte und Erwählte Gottes in erniedrigenden Banden! Ja, da freut sich die gottlose Welt. Diese Geschichte ist nicht einmalig. Sie hat sich bis in unsre Tage häufig wiederholt: ein Knecht Gottes in Banden! Da ist der Judas! Ein Jünger Jesu! Aber Ehrgeiz und Geldliebe haben ihn in Banden geschlagen. Da ist der Demas, der mit Paulus die Kriege Jesu Christi führte. Und dann muß Paulus melden: „Demas hat mich verlassen und die Welt lieb gewonnen." In Banden der Welt!

Es könnte ja sein, daß es auch unsre Geschichte ist. Wenn Erwählte Gottes in Banden sind, freut sich die Welt. Da jauchzen die Philister. Der Himmel aber trauert. Das Gegenstück zu unsrer Geschichte steht Lukas 15. Da heißt es: „Es ist Freude im Himmel über einen Sünder, der Buße tut." Ja, wenn ein gebundener Sünder sein Elend erkennt, seinem Heiland und Erlöser Jesus zuläuft und im Glauben die Ketten der Sünde zerreißt — dann sind die Philister betreten, die Welt ist ärgerlich und der Teufel zornig. Aber unter den himmlischen Heerscharen bricht ein Freudengeschrei los. Dann jauchzen die Engel, und die himmlischen Räume hallen wider von ihrem Jubel. Da dreht sich der Text um: „Und da der Sünder kam zu Jesus, jauchzten die Himmel." Das soll unsre Geschichte sein! Amen.


Autor: Wilhelm Busch (* 27.03.1897; † 20.06.1966) deutscher evangelischer Pfarrer, Prediger und Schriftsteller
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Eine aufregende Szene! Dort wird der „Geweihte des Herrn", der Simson, in Fesseln hergeschleppt. Die Philister erheben ein Freudengeschrei, als sie ihn so erniedrigt sehen.

Aber ihre Freude ist nur kurz. Es ist, als komme der Simson nun erst zu sich. Er fährt auf. Und in der Kraft des Herrn zerreißt er die starken, neuen Stricke. Wir können dies Bild gar nicht ansehen, ohne daß uns gleich eine Menge geistlicher Verse einfallen. „Fühlst du dich noch gebunden / entreiß dich nur beherzt. / Das Lamm hat überwunden / was deine Seele schmerzt..." Oder: „Herr, habe acht auf mich / und reiß mich kräftiglich / von allen Dingen; / denn ein gefesselt Herz / kann sich ja himmelwärts / durchaus nicht schwingen. — Herr, habe acht auf mich! / Hast du allmächtiglich / den Strick zerrissen / so laß, dem Feind zum Trutz / mich deinen starken Schutz / nun stets genießen." Oder: „Jesus ist kommen, nun springen die Bande / Stricke des Todes, die reißen entzwei. / Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden. / Er, der Sohn Gottes, der machet recht frei."

Kurz: Simson steht vor uns als das Bild eines Menschen, den der Geist der Welt wohl eine Zeitlang in Fesseln schlug, den er aber nicht halten konnte. Dazu ist der Sohn Gottes in die Welt gekommen, daß solche Ausbrüche in die Freiheit geschehen. Wie ernst hat der Apostel Paulus im Römerbrief die Christen zu dieser Freiheit aufgerufen! Er sagt Römer 6, 20—22: „Denn da ihr der Sünde Knechte wäret, da wäret ihr frei von der Gerechtigkeit. Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welcher ihr euch jetzt schämet; denn ihr Ende ist der Tod. Nun ihr aber seid von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden, habt ihr eure Frucht, daß ihr heilig werdet, das Ende aber das ewige Leben." Amen.