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Predigten zu Römer 12,10

"In der Bruderliebe seid herzlich gegeneinander, in Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend;"

Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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BRÜDERLICHE LIEBE

Brüderliche Liebe reflektiert das Wesen der Christen. Deshalb zögert Paulus auch nicht, die Gläubigen daran zu erinnern, dass sie sich in dieser Tugend üben sollen: „Was aber die Bruderliebe betrifft, so habt ihr nicht nötig, dass man euch schreibt, denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, einander zu lieben“ (1Thes 4,9).

Echte Jünger Jesu wissen intuitiv, dass sie die Geschwister in Christus lieben sollten. Da wir als Christen alle denselben himmlischen Vater haben, ist gegenseitige Liebe zwischen Gläubigen genauso natürlich wie z.B. Herzlichkeit innerhalb einer Familie. Wenn du ein echter Jünger bist, wird Liebe eines deiner Charaktermerkmale sein.


Autor: John F. MacArthur (* 19.06.1939) US-amerikanischer Pastor, Prediger, Theologe und Autor
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EINANDER EHREN

Wenn Bruderliebe zu deinen Wesensmerkmalen zählt, wirst du logischerweise auch anderen Gläubigen den Vorrang gewähren. Das bedeutet, dass du von Herzen demütig bist und nicht höher von dir denkst, als es sich zu denken gebührt (Röm 12,3; Phil 2,3). Es bedeutet auch, dass du anderen Geschwistern Ehre gibst und dich aktiv darum bemühst, sie an die erste Stelle zu setzen.

Du wirst nicht jemandem schmeicheln, weil du darauf aus bist, ebenfalls ein Kompliment zu empfangen und in seiner Gunst aufzusteigen. Nein, du wirst Gläubigen gegenüber, weil sie auch Mitglieder der Familie Gottes sind, echte Wertschätzung, Respekt und Liebe zum Ausdruck bringen.


Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Demutsgeist und Streitgeist

"Nichts tut durch Zank oder eitle Ehre, sondern durch Demut achte einer den andern höher denn sich selbst! Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich! Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor!"

Das Wort für "Zank" bedeutet wörtlich: "Eigensucht". Wo sie im Spiel ist, gibt es dann freilich Zank, Anstösse und Zusammenstösse. Man behauptet sein Recht, will nicht nachgeben und zurücktreten, sich nichts bieten und gefallen lassen, macht aus allem einen Zankapfel. "Wenn jemand mit dir rechten will und deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel!" Dann ist es mit dem Streit vorbei. "Nötigt dich jemand eine Meile, so gehe mit ihm zwei!" Zur Zeit Jesu gab's noch keine geordnete Post wie heute. Die Regierungen hatten ihre Boten. Waren diese schwer mit Sendungen beladen, so konnten sie einen Ortseinwohner, und wer ihnen sonst in den Weg kam, aufgreifen und nötigen, ihnen eine Strecke Weges tragen zu helfen. Das war jedem eine lästige Zumutung, der er sich möglichst zu entziehen suchte. Jeder hatte eine Ausrede und suchte einen andern vorzuschieben, der das leichter vermöge. Jünger Jesu sollen nicht auf andere abladen und sich drehen und winden, wenn etwas Unangenehmes an sie herantritt, sich nicht empören und beschweren. Im Gegenteil, statt zu murren, lieber das Doppelte von dem Verlangten tun. Dann ist der Hader beseitigt. Selbstsüchtige Menschen haben immer zu prozessieren. Sie können zu Querulanten werden, die überhaupt vom Nörgeln und Streiten nicht loskommen.

Die Sucht nach eitler Ehre ist auch eine unversiegbare Quelle der Empfindlichkeit, des Übelnehmens und Grollens. Die Demut macht das Zusammenleben frei von Reibereien und hässlichen Störungen. Demütige Jünger und Jüngerinnen achten sich keiner Ehre wert und sind dankbar für die völlig unverdiente Ehre, ein Gotteskind heißen zu dürfen. Im Vergleich zu dieser Ehre erscheint ihnen alle andere Ehre sogar nichtig. Innerlich gebeugte Seelen sehen tief hinein in ihr sündiges, verderbtes Herz. Sie kennen sich, und weil sie sich allein ganz und viel besser kennen als andere, so stellen sie gern jeden über sich. Sie beanspruchen keine besondere Ehre, sondern kommen den anderen mit Ehrerbietung zuvor. Sind wir solch demütige und selbstlose Friedenskinder, die den Lammessinn des Heilands haben?

"Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor!" Was dem Menschen seine Ehre gibt, ist das Ebenbild Gottes. Man soll es auch im verkommensten Menschen noch achten. Wieviel mehr sollten wir ein Gotteskind ehren, in dem das Ebenbild Gottes wiederhergestellt ist! Finden wir noch manche Züge des hässlichen Adamsbildes, dann wollen wir das Auge daran nicht haften lassen, sondern auf das blicken, was Gottes Geist an ihm zustande gebracht hat. Es wird uns nicht schwer werden, den anderen höher zu achten als uns selbst, wenn wir an die Abscheulichkeit unseres eigenen Wesens denken.


Autor: Samuel Keller (* 15.03.1856; † 14.11.1924) deutscher protestantischer Theologe und Schriftsteller

"In Ansehung der Brüderlichkeit voll Zartheit gegeneinander." (Frei übersetzt)

Ein schneller Blick in einen sehr guten Spiegel zeigt uns einen Flecken im Gesicht. So scheint mir es mit diesem Wort des Apostels zu sein. Ist in dieser hellen Beleuchtung nicht ein Fehler an meiner Liebesstellung gegen die Brüder? Die Brüderlichkeit setzt das Wort als vorhanden voraus; ich will das mal heute bei mir auch tun. Aber hat sie diesen zärtlichen Charakter einer familienhaften Zuneigung? Gegen einige Menschen, die mir gar nicht verwandt sind, gewiss. Ihr Schmerz wäre mein Schmerz; ihr Glück würde meines erhöhen; ihre Verunglimpfung würde mich erzürnen. Aber wie wenige sind es unter den Tausenden, die vielleicht an meine christliche Bruderliebe ihnen gegenüber glauben? Manchen gegenüber finde ich in mir Gleichgültigkeit oder nur schwache Ansätze von Interesse; andere liebe ich mit einem starken Aber! Wo ist die neidlose Freude an meinen Brüdern? Auf einmal scheint's mir, als ob meine brüderliche Liebe kleiner geworden sei, seit ich sie so aufmerksam betrachte, und der schwarze Flecken selbstischer Gefühle wächst. Und zart? Rücksichtsvoll, sie schonend und hegend? Erst recht nicht!

Da ist kein Rat, Herr Jesus, du musst dich ins Mittel legen. Vergib mir das eigene Wesen so, dass es ausgewurzelt abfallen kann, und gib mir deine Liebe zu den Brüdern so, dass sie fest einwurzeln und stark wachsen kann und blühen und grünen zu deiner Ehre und der Brüder Freude. Amen.


Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor."

Hier ist vor allem von der "brüderlichen Liebe", von der Liebe zwischen den Brüdern in Christus die Rede, und der Apostel redet davon in einer solchen Weise, dass gewiss viele unter uns gestraft werden. Das Wort des Grundtextes für "herzlich" ist ein Wort, das von der zärtlichen Liebe eines Vaters oder einer Mutter zu ihren Kindern und von der besonderen Liebe leiblicher Brüder untereinander angewandt wird. Eine solche herzliche Liebe, eine solche innige Teilnahme soll unter allen Christen, die durch die himmlische Kindschaft allesamt Brüder und Schwestern sind, vorhanden sein. Hier wird jenes kalte, steife Wesen gestraft, mit dem man vielfach den Gnadengeschwistern begegnet, wo es so zugeht: Wenn man auch nichts Übles von ihnen denkt und redet, so begegnet man ihnen doch auch nicht mit dieser nahen und innigen Liebe, sondern man lässt sie gehen und für sich selbst sorgen. Ein solches Verhalten ist weit entfernt von der rechten Bruderliebe. Wenn wir wirklich Brüder für die Ewigkeit sind, dann sollen wir uns auch allesamt als solche anerkennen und lieben, ja, uns gegenseitig sowohl im Leid als auch in der Freude mit inniger Teilnahme begegnen sowie auf Duldsamkeit und Milde bedacht sein, wie sie liebevolle Eltern ihren Kindern erweisen. Solches enthalten die Worte des Apostels an dieser Stelle. Luther bemerkt hierüber: "Was solche freundliche, brüderliche Liebe tut, leidet und trägt am Nächsten, das lerne von einer leiblichen Mutter gegen ihr Kind. So hat uns Christus auch getan und tut noch also, dass Er uns unflätige, unvollkommene, gebrechliche, sündliche Menschen trägt, dass es scheint, als seien wir nicht Christen; aber Seine Liebe macht uns zu Christen, unangesehen unserer Gebrechen."

Diese gegenseitige zärtliche, brüderliche Liebe unter den Christen hat auch tiefe, bedenkenswerte Gründe. Der Herr hat sie in Seinem Worte befohlen. Jesus hat uns mit Seiner Liebe zu uns ein deutliches ermunterndes Beispiel solcher Liebe gegeben. Schließlich aber sind wir ja wirklich Brüder, von demselben Vater geboren und zu demselben Erbe bestimmt, wie Jesus uns darum auch beten lehrte: "Unser Vater, der Du bist im Himmel." Das sind nun tiefe, kräftige Gründe für die Liebe zu den Brüdern, eben weil sie unseres Vaters Kinder, unsere Brüder sind. Zunächst müssen wir sie um des Vaters willen lieben. Sodann: Da wir unsere leiblichen Brüder mit einer besonderen Liebe lieben, wie sollten wir dann auch diejenigen lieben, die unsere Brüder nach der hohen Kindschaft bei Gott sind! Möchten alle Christen dies tief beachten: Weil wir uns mit allem Recht Brüder und Schwestern nennen, müssen wir auch in unseren Herzen eine solche Liebe und Teilnahme haben, wie diese Worte sie enthalten. Der Apostel Petrus sagt: "Vor allen Dingen habt untereinander eine brünstige Liebe!"

Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor! Hier lernen wir, dass Christen einander nicht nur von Herzen lieben und in wesentlichen Dingen dienen, sondern auch im Umgang und im Verhalten sich gegenseitig Achtung und Ehre beweisen sollen. "Einer soll dem anderen mit Ehrerbietung zuvorkommen." D.h.: Jeder soll der erste darin sein, dem anderen Ehre und Aufmerksamkeit zu erweisen, und dies nicht nur mit äußerlichen Gebärden, sondern auch mit wirklicher Herzensachtung. Der Apostel ermahnt: "Durch Demut achte einer den anderen höher als sich selbst." Eine nur äußerliche Höflichkeit zur Schau zu tragen, während die ihr entsprechende innere Hochachtung fehlt, heißt eine einem Kind Gottes unwürdige Rolle zu spielen. Haben wir aber erst Demut, Liebe und Achtung im Herzen, dann müssen wir, diesem Texte gemäss, solches auch in unserem Benehmen zeigen. Christen sollen keine plumpen, unhöflichen Leute sein, sondern, wie hier gelehrt wird, auch im Umgang sich demütig, höflich und dienstfertig erweisen. Wir wissen, wie Jesus dies Seinen Jüngern beim Fußwaschen einschärfte, dass nämlich ein jeder der Geringste und des anderen Diener sein sollte. Dabei stellte Er sich zum Vorbild dar. Luther sagt davon: "Das bringt mit sich die Liebe und Freundlichkeit Christi zu uns, dass wir einer den anderen müssen hoch und herrlich halten um Christi willen, der in uns ist. Und (es) leidet (ziemt) sich nicht, dass ich jemand verachte um seiner Gebrechen willen; sondern ich muss denken, mein Herr wohnt in dem schwachen Gefäss und ehrt ihn mit Seiner Gegenwart. So denn Christus denselben würdig achtet, dem Er hold und herzlich günstig sei, dass er ebensoviel an Christus hat als ich, so muss ich mich vor ihm bücken und (ihn) ehren als meines Herrn lebendigen Tempel und Stuhl. Was liegt dir daran, wie gering der Stuhl ist, darauf der Herr sitzt? Ist er dem nicht zu geringe, dass Er darauf sitzt und ehrt ihn, warum wolltest du, Knecht, ihn nicht ehren?". Auch diese Lehre ist ja eine heilsame; möchte Gott uns nur Gnade geben, sie zu befolgen!

Wer hat dich so hoch gesetzt, Dass du andre kaum betrachtest Und verachtest? Wer hat dich den Neid gelehrt, Der dich stört? Mensch, wer hat dich vorgezogen? Du bist von dir selbst betrogen, Und dein Herz hat dich betört.