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Predigten zu Römer 13,12

"Die Nacht ist weit vorgerückt, und der Tag ist nahe. Laßt uns nun die Werke der Finsternis ablegen und die Waffen des Lichts anziehen."

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Lasset uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts!"

Was der Apostel mit "den Werken der Finsternis" meint, sehen wir aus dem folgenden Vers, in welchem er etliche derselben herzählt, wie z. B. Fressen, Saufen, Unzucht, Hader usw. Und dass er solche Sünden "Werke der Finsternis" nennt, bedeutet nicht nur, dass man bei ihrer Ausübung das natürliche Licht scheut, sondern es bedeutet eigentlich, dass solche Werke der geistlichen Finsternis und der Gottlosigkeit angehören, unter welchen man frei in allen Sünden und Lastern lebt.

Was wir aber besonders beachten müssen, ist, dass der Apostel solches den Gläubigen sagt. Wir lernen daraus, dass diese von Sünden nicht ganz frei sind; wenn sie auch nicht wie die Welt mutwillig und ohne Buße über die Sünde in derselben leben können, so können sie doch angesteckt und in den Zeiten der Schläfrigkeit und der schweren Versuchungen mehr oder weniger von den Lüsten gefangen werden, wie es die Geschichte vieler Heiliger beweist. Daraus lernen wir erstens, nicht sogleich zu verzweifeln, noch uns selbst oder andere Christen zu verdammen, wenn etwas Derartiges geschieht. Wenn wir uns noch in der Buße und im Glauben an unseren Heiland halten und Seine Gnade sowohl zur Vergebung als auch zur Erlösung suchen, dann waltet die Gnade doch noch über uns. Das haben wir unserem Herrn Christus zu verdanken, der uns eine vollkommene Gnade für wirkliche Sünden erwarb.

Zweitens müssen wir aber auch die eigentliche Ermahnung des Apostels hier beachten, dass wir nämlich die Werke der Finsternis ablegen sollen. Wir müssen danach trachten, sie um dieser Gnade willen gänzlich "abzulegen". Der Apostel sagt nicht: "Lasst uns sie nur fühlen und erkennen", sondern er sagt: "Lasst uns sie ablegen." Denn das ist der rechte Prüfstein, der einen wahren Christen von einem falschen unterscheidet. Während der erste über seine Sünde herzlich erschrickt und, um sie loszuwerden, die ganze Gnade Gottes und alle Gnadenmittel sucht, schließt der letztere einen geheimen Bund mit ihr und gedenkt sie zu behalten. Er entschuldigt sie in seinem Herzen, wenn er sie zuweilen auch mit dem Mund bekennt. Zwar kann auch der Gläubige in den Zeiten der Sichtung Gott vergessen und gleichsam gänzlich vom Geist verlassen sein, was wir bei Petrus finden, als er seinen Herrn dreimal verleugnete. Aber ebenso wie Petrus gleich darauf "hinausging und bitterlich weinte", so ist auch jeder wahre Christ seinem Geist nach der eigenen Sünde aufs tiefste gram.

Wie aber geht es nun eigentlich zu, die Werke der Finsternis abzulegen? Einige können wir sofort ablegen. Dann müssen wir uns freuen und nicht von Schwachheit reden, sondern die Gnade Gottes preisen. Andere Sünden bleiben dagegen unsere Zuchtruten für lange Zeiten, vielleicht für das ganze Leben, sonst würden wir wirklich sündenfrei; denn nichts Geringeres suchen wir dem Geist nach, der keine einzige Sünde zulässt. Und wenn wir die uns anklebenden Sünden bekämpfen, so dass sie nicht - wie bei der Welt - die Herrschaft gewinnen, dann geschieht das nicht mit unserer eigenen Kraft, sondern nur durch die Zuflucht zur "Macht der Stärke Gottes", die allemal für uns bereit ist!

... und anlegen die Waffen des Lichts. "Die Waffen des Lichts" sind das "den Werken der Finsternis" Entgegengesetzte. Diese bestanden in Sünden und Lastern, die Waffen des Lichts dagegen bestehen in der Reinheit, Nüchternheit und Wachsamkeit des Sinnes und des Lebenswandels sowie vor allem im Glauben, in der Liebe und der Hoffnung, womit wir gegen die Versuchungen des Fleisches, gegen die Verführungen der Welt und des Teufels kämpfen. Während der Apostel vorher von den "Werken der Finsternis" geredet hat, spricht er jetzt nicht von den "Werken des Lichts", sondern nennt sie "Waffen des Lichts". Damit hat er gezeigt, dass hier Streit und Kampf entstehen werden. Hier bedürfen wir der Waffen, um jederzeit im Glauben, in der Gottesfurcht und in der Gottseligkeit verbleiben zu können. Das Leben der Christen wird nicht ein leichtes, ruhiges Leben wie das derjenigen sein, "die des Nachts schlafen", sondern es wird oft ein harter, langer, gefährlicher Streit sein, wenn es um das eigentliche Leben zu kämpfen oder aber zu sterben und alles zu verlieren gilt. - In einem Krieg ist weder Ruhe noch Sicherheit, sondern beständige Unruhe, Lebensgefahr und Furcht. Da muss man beständig wachen und zu neuen Kämpfen gerüstet sein. Bald werden der Glaube und das Gewissen angefallen, so dass wir in Gefahr sind, "uns wiederum in das knechtische Joch fangen zu lassen", bald wird der äußere Lebenswandel angefallen, wenn der Teufel uns in Sünde und Schande stürzen will, bald wiederum die Liebe, wenn wir nahe daran sind, im Hass und in der Feindschaft zu verbleiben usw.

Gegen alle solche Anfälle müssen wir mit den Waffen des Lichts ausgerüstet sein. Hier kann der Kampf oft so hart und so gefährlich werden, dass wir nahe am Verzweifeln sind, so dass wir nur durch "große Wunder" des allmächtigen, getreuen Herrn errettet werden. Darum sagt auch der Apostel Petrus, dass "der Gerechte kaum erhalten wird". Das Wort und die Erfahrung bezeugen, dass kein Christ ohne Furcht und Kampf glücklich durch dieses Feindesland gekommen ist. - Bin ich ohne Furcht, dann bin ich in Gefahr. Sich inmitten der beständig andrängenden Feinde ohne Gefahr zu sehen, das ist Betrug. Entweder werde ich in der Furcht und im Kampfe sein und dann durch die Allmacht Gottes errettet werden, oder ich werde sicher und sorglos sein und dann verlorengehen. Darum hat Jesus auch so treu ermahnt: "Wachet und betet!" - "Was Ich aber euch sage, das sage Ich allen: Wachet!"


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Nacht nennt Paulus den gegenwärtigen Stand der Christenheit, und doch jubelt er in der Gnade, dankt für alles und verherrlicht Gott in allem. Dennoch heißt er unsere Gegenwart noch nicht Tag, sondern Nacht. Denn er denkt nicht nur an sich selbst und seinen eigenen Anteil an Gottes Liebe, auch nicht nur an die Christenheit und das, was sie durch Jesus geworden ist, sondern schaut auf die Menschheit mit ihrer Schuld und ihrem Jammer. Paulus blieb ihr Glied und rang mit ihrer Sünde und litt unter ihrem Jammer. Ist Gott, fragte er, nur der Juden Gott? Und er antwortete: Nein! Er ist auch der Gott der Völker. Die Christenheit darf ebensowenig meinen, Gott sei nur ihr Gott. Er ist größer als unser Herz und die in unser Herz gelegte Gnade; er ist auch größer als die Christenheit, und das, was sie in ihrer Gemeinschaft erarbeitet und besitzt, reicht bei weitem nicht aus, um sichtbar zu machen, was Gott schaffen wird. Das wird erst dann offenbar, wenn Gott alles, was sein Werk ist, mit seiner Herrlichkeit erfüllt, und dies geschieht erst durch Christus in seinem künftigen Reich. Darum heißt Paulus unsere Gegenwart Nacht, aber nicht eine bleibende, unbewegliche, endlose, sondern eine weichende Nacht, die sich zum Tag hinbewegt. Die nächtliche Art unseres Lebens zeigt sich darin, dass es noch mit Gefahr verbunden ist. Wir bedürfen noch Waffen, und solange uns solche unentbehrlich sind, ist der Tag noch nicht da. Dieser verscheucht die Gefahr. Im Dunkeln leben zu müssen, ist deshalb gefährlich, weil es uns verleitet, die Werke der Finsternis zu tun, die lichtscheuen Werke, die die Heimlichkeit nötig haben, damit sie nicht als schändlich erwiesen seien, all das, was nur mit einem gefälschten Titel und unwahren Schein geschehen kann, alles, was seine boshafte und gottlose Art unter einem unechten Glanz versteckt. Dieser Glanz kann uns nur locken, solange es Nacht ist; fällt auf ihn das Licht, so ist die Verwerflichkeit dieser Werke offenbar. Christus ist aber nicht nur einst das Licht, das die Nacht beenden und den hellen Tag herbeiführen wird, sondern ist auch jetzt bei uns und durch ihn wird uns das Licht als unsere Waffe gegeben, die uns auch in der dunklen Welt unangreifbar macht und die Werke der Finsternis verscheucht.

Herr Gott, dein Tag ist uns verheißen, damit wir uns seiner freuen, auch wenn wir im finsteren Tal wandeln mitten im Getriebe dieser dunklen Welt. Sende uns, wenn wir uns im Finstern verirren, einen Strahl Deines Lichts, damit wir unser Antlitz dahin wenden, wo die Nacht vergangen ist und der Tag scheint. Amen.