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Predigten zu Römer 3,21

"Jetzt aber ist, ohne Gesetz, Gottes Gerechtigkeit geoffenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten:"

Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Uns, die wie Jesus kennen, sagt Paulus, ist Gottes Gerechtigkeit sichtbar geworden. Die Natur zeigt sie mir noch nicht. Denn sie spendet ihre Gaben freigebig den Guten und den Bösen und das ihr eingepflanzte Gesetz des Sterbens rafft die Gerechten und die Ungerechten weg. Auch im Verlauf der menschlichen Geschichte ist Gottes Gerechtigkeit noch nicht sichtbar. Sie zeigt nur mit erschütternder Deutlichkeit, daß Gott dem Bösen widersteht und den Menschen an seiner Bosheit verderben läßt, und zeigt ebenso deutlich Gottes Langmut und Geduld, die die Sünde übersieht und ihren Täter durch Güte zur Umkehr bewegt. Auch das Gesetz bringt die Gerechtigkeit noch nicht zustande. Es fordert sie, macht sie mir unentbehrlich und schafft den Hunger und Durst nach ihr; aber es gibt sie mir nicht. Solange Gott nur durch sein Gebot zu mir spricht, bleibt mir seine Gerechtigkeit noch verhüllt. Sie ist größer als der Zorn, an dem wir verderben, und größer als die Geduld, die die Strafe aufschiebt und auf uns wartet, und größer als das Gesetz, das sie von uns fordert. Erst dann ist sie sichtbar geworden, wenn der Bosheit das Ende bereitet ist und ich in das wahrheitsgemäße Verhältnis zu Gott gebracht bin. Gibt es das überhaupt an unserem irdischen Ort? Wo hat Gott seine Gerechtigkeit für mich und alle sichtbar gemacht in wirksamer Tat? Sieh auf Jesus, antwortet Paulus, sieh auf sein Kreuz. Dort ist das Böse beseitigt und die Schuld abgetan und du kommst an den dir gebührenden Platz, bei dem Gott Gott und du Mensch, Mensch bleibst. Nun hat das Verhältnis zwischen Gott und mir die richtige Gestalt. Gott spricht das wirksame Nein, an dem meine Sünde und Schuld vergeht, und das wirksame Ja, das aus mir das macht, was ich sein soll, einen Glaubenden. So wird das böse nicht entschuldigt, sondern gerichtet, nicht mächtig gemacht, sondern abgetan und Gott wird für mich der Gebende und ich das, was ich sein soll, der Empfangende. Nun hat Gott die Herrlichkeit und ich habe das Leben. So hat Gott seine Gerechtigkeit offenbar gemacht.

Alles bleibt an mir krumm, unwahr und ungerecht, bis du mich zurecht bringst, und alles kommt zurecht, weil du mich in den Glauben stellst. Nun sehe ich auf dein Gericht und murre nicht und empfange dein Vergeben und mache keine Erlaubnis zum Bösen daraus und empfange deine Erkenntnis und bereite mir aus ihr keinen Ruhm und empfange deine Leitung und tue mein Werk nach deinem Willen. O du Geber der Gerechtigkeit, du bist die Sonne des Heils. Amen.