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Predigten zu Römer 4,6

"Gleichwie auch David die Glückseligkeit des Menschen ausspricht, welchem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet:"

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Die Seligkeit ist allein des Menschen, welchem Gott zurechnet die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke."

Dieser Spruch sagt uns in klaren, bestimmten Worten, dass ein Mensch vor Gott gerecht sein kann, obwohl er noch mit Sünden zu kämpfen hat. Hier wird nämlich ausdrücklich gesagt: Wenn Gott einen Menschen gerecht macht, geschieht dies nicht in der Weise, dass Er die Sünde aus seinem Wesen tilgt und ihn in sich selbst sündenfrei macht, sondern es geschieht durch Zurechnung. Unsere Rechtfertigung geschieht so, dass Gott dem Menschen eine Gerechtigkeit zurechnet, die nicht bei ihm gefunden wird, und Er "vergibt" ihm damit die in ihm vorhandenen Sünden und "deckt sie zu." Da etlichen das Wort "gerecht machen" missverständlich sein könnte, gebraucht der Apostel hier stattdessen das Wort "Gerechtigkeit zurechnen". Sodann erklärt er dasselbe selige Werk mit den Worten Davids, dass nur der Mensch selig ist, "welchem seine Ungerechtigkeiten vergeben und seine Sünden bedeckt sind", und dass der Mann selig ist, "welchem Gott die Sünden nicht zurechnet".

Bedenke nun, wenn der Mensch selig ist, "dem Gott die Gerechtigkeit ohne Zutun der Werke zurechnet" und dem Er die Sünden nicht zurechnet, so ist ja damit gesagt, dass die Gerechtigkeit nicht bei dem seligen Menschen vorhanden ist, denn sonst brauchte sie ihm nicht "zugerechnet" zu werden. Andererseits bedeutet dies auch, dass Sünden bei dem seligen Menschen vorhanden sind, da von diesen gesagt wird, sie würden ihm "nicht zugerechnet", sondern "bedeckt". Dies ist nun die große Hauptlehre der ganzen Schrift, die in allen Verkündigungen Gottes von dem Mittleramt Christi und von der Zurechnung Seiner Gerechtigkeit liegt. Hier haben wir sie in kurzen, bestimmten Ausdrücken, die mit einem Male jene falsche Meinung ganz niederschlägt, dass wir in uns selbst sündenfrei würden. Der Apostel sagt hier ausdrücklich: Gott macht uns in der Weise gerecht, dass Er uns Gerechtigkeit zurechnet, ohne dass wir hier auf Erden in uns selbst gerecht oder sündenfrei sind oder werden, so dass die Sünden darum "vergeben", "bedeckt" werden müssen.

Wir sind also nicht in der Weise gerecht, dass die Sünde aus unserem Wesen getilgt sei und wir in unserer eigenen Person das Gesetz vollkommen erfüllt hätten, sondern dies ist durch "Zurechnung" geschehen. Möchten wir nun nicht in den ebenso großen Irrtum auf der entgegengesetzten Seite fallen und denken, dass Gott uns für gerecht ansähe, obwohl wir es nicht wirklich sind. Gelobt sei der Name des Herrn! Wir sind wirklich gerecht durch Ihn! Solange es uns nicht geschenkt wurde, die Vollkommenheit des Wesens Gottes recht zu sehen, träumen wir noch von einer Rechtfertigung, bei der Gott durch eine Art Minderung der Härte Seiner heiligen Gebote und Urteile uns für gerecht gelten ließe, ohne dass wir das besitzen, was "Gerechtigkeit" bedeutet, nämlich eine ganze Erfüllung und Unsträflichkeit vor dem Gesetz. Dies aber wäre ein lästerlicher Gedanke gegen Gott, so als ob Er Barmherzigkeit auf Kosten der Gerechtigkeit ausüben würde. Etwas ganz anderes lehrt der Apostel Paulus: "Gott hat Seinen Sohn vorgestellt zu einem Gnadenthron durch den Glauben in Seinem Blut, zur Erweisung Seiner Gerechtigkeit, dass Er gerecht mache den, der da glaubt." Die Worte Röm. 3 lauten: "Auf dass Er gerecht sei und gerecht mache den, der da ist des Glaubens an Jesus." Und in Röm. 5 sagt er ausdrücklich, dass wir durch eines Gehorsam, eines Gerechtigkeit gerecht gemacht werden. Es geschieht also nicht durch ein Nachgeben auch nur eines einzigen Buchstabens oder Tüpfelchens im Gesetz, sondern durch die uneingeschränkte Erfüllung aller Gebote und Urteile des Gesetzes, die der große Mittler so ganz und gar für uns und an unserer Statt tat, als ob wir selbst alles dem Gesetz gemäss getan und erlitten hätten. Ein Mensch kann so die Verpflichtungen eines anderen erfüllen, z. B. die Schulden seines Bruders bezahlen, dass der Schuldige wirklich schuldenfrei und unantastbar ist, so dass er nicht nur dafür angesehen wird, sondern auch wirklich schuldenfrei ist, weil der gute Bruder seine Schulden vollkommen bezahlt hat.

Wieviel mehr muss dann die für uns geschehene Erfüllung und Bezahlung vom Herrn Christus uns wirklich gerecht und schuldenfrei machen, obwohl wir selbst das Gesetz nicht zu erfüllen vermögen. Darum müssen wir die Worte "Gerechtigkeit zurechnen" nicht so verstehen, dass Gott uns für gerecht hielte, obwohl wir es nicht wirklich sind, sondern es muss so verstanden werden, dass die Gerechtigkeit eines anderen uns geschenkt und zugerechnet ist, jedoch in einer solch vollkommenen Weise, dass wir wirklich gerecht sind. Das heilige Gesetz hat nichts von seinem majestätischen Recht verloren; seine Forderungen sind in ihrer unermesslichen Ausdehnung erfüllt; seine Urteile und Strafen sind in ihrer ganzen Schwere ausgestanden. Kurz - Gott ist gerecht, wenn Er den gerecht macht, der da glaubt; denn keine erdachte oder eingebildete, sondern eine wirkliche Gerechtigkeit rechnet Er uns zu. Er wird am Jüngsten Tag angesichts der ganzen Welt Seine Gläubigen "die Gerechten" nennen und ihnen in Übereinstimmung mit der vollkommenen Gerechtigkeit "die Krone der Gerechtigkeit" geben.

Du, Jesu, giltst vor Gott allein Mit Deinem Tun und Leiden; Hüllt mich der Glaube da hinein, Was will von Gott mich scheiden? Du selbst gibst mir das Ehrenkleid, Den Brautschmuck der Gerechtigkeit; Darin werd' ich bestehen.