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Predigten zu Römer 5,19

"Denn gleichwie durch des einen Menschen Ungehorsam die Vielen in die Stellung von Sündern gesetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt werden."

Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Gleichwie durch eines Menschen Ungehorsam viele Sünder geworden sind, also werden durch Eines Gehorsam auch viele Gerechte."

Gleichwie alle Kinder Adams durch seinen Ungehorsam zu Sündern verurteilt wurden, so wird auch der ganze Same Christi durch Seinen Gehorsam gerecht gesprochen. Durch Eines Gehorsam! Hier sagt der Apostel ausdrücklich, worin die Gerechtigkeit Christi besteht: Es war Sein Gehorsam, Seine eigene persönliche Erfüllung des ganzen Willens des Vaters. Wie der Sündenfall in "eines Menschen Ungehorsam" bestand, so sollte dessen Wiedergutmachung durch "Eines Gehorsam" geschehen. Das ganze Leben Christi auf Erden, von der Krippe bis zum Kreuz, war Gehorsam. "Die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung", sagt der Apostel. Christus hatte eine vollkommene Liebe, sowohl zu Seinem Vater als auch zu uns Menschen. Aus Liebe zu uns und aus Gehorsam gegen Seinen Vater kam Er auf die Erde und wurde unser Bruder. In Liebe und Gehorsam ging Er umher, tat wohl und half allen. Aus Liebe zu uns und aus Gehorsam gegen Seinen Vater wollte Er "den Tod für alle schmecken". "Er ward gehorsam bis zum Tode, ja, zum Tod am Kreuz." Und nichts Geringeres als ein so vollkommener Gehorsam konnte die Menschen von der Verdammnis erretten, die durch eines Ungehorsam über uns gekommen war. Sieh nun hier in diesem vollkommenen Gehorsam Christi das, was den beständigen Ungehorsam aller Menschen zudeckt.

Die geistliche Not und Klage aller Heiligen ist diese, dass sie Gott nicht recht gehorchen können, sondern noch beständig gegen Ihn sündigen. Wo der Geist willig und heilig ist, da ist das angeborene Verderben stets als ein Ungehorsam nur um so fühlbarer und drückender. Alle Sünden im Herzen oder im Wandel, in Gedanken, in Begierden, Worten und Werken sind stets ein Ungehorsam gegen Gott, der in Seinem heiligen Gesetz all dieses Böse verbietet. Dann ängstigen die Gläubigen sich, erschrecken und jammern als Ungehorsame gegen ihren Gott.

Aber sieh nun hier: Gegen all unseren Ungehorsam hat Gott den Gehorsam Seines Sohnes gesetzt. Sein Gehorsam soll unser Gehorsam sein. So sagt es dieser Text. "Durch Eines Gehorsam werden viele Gerechte." Gerade dazu sandte Gott Seinen Sohn unter das Gesetz, auf dass Er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste. Als Gott von Ewigkeit her alle Menschen unter der Sünde, dem Urteil des Gesetzes verfallen und mit einem solchen Verderben erfüllt sah, dass kein einziger dem Gesetz vollkommen gehorchen oder es erfüllen konnte, da beschloss Er in Seiner ewigen Barmherzigkeit, dieses alles "durch Einen" gutzumachen. Sein Sohn sollte "der Same eines Weibes", ein wahrer Mensch werden, aber mit vollkommenem Gehorsam. Als ein neuer Stammvater sollte Er für uns das Gesetz erfüllen und dessen Fluch erleiden. Wie wir durch den Ungehorsam des ersten Stammvaters Sünder wurden, so sollen wir nun durch des anderen Gehorsam gerecht werden. Und gerade dieser vollkommene Gehorsam Christi ist die eigentliche Gerechtigkeit, mit der wir vor Gott bestehen. "Derhalben sieht der Glaube", sagt die Konkordienformel, "auf die Person Christi, wie derselbe für uns unter das Gesetz getan, unsere Sünden getragen und in Seinem Gang zum Vater den ganzen und vollkommenen Gehorsam Seinem himmlischen Vater für uns arme Sünder geleistet und damit allen unsern Ungehorsam, der in unserer Natur wohnt und in derselben Gedanken, Worten und Werken steckt, zugedeckt hat, so dass dieser (unser Ungehorsam) uns nicht zur Verdammnis zugerechnet wird, sondern aus lauter Gnaden, allein um Christi willen, uns verziehen und vergeben wird."

Darum muss ein jeder, der gern ein Christ sein und Gottes Gnade glauben will, aber von seinem eigenen mannigfachen Ungehorsam behindert und bedrückt wird, ernstlich diesen Trost fassen und sprechen: "Christi Gehorsam ist mein Gehorsam. Mit meinem eigenen Gehorsam und meiner eigenen Gerechtigkeit ist es so ganz und gar verloren, dass ich gänzlich verzweifeln und nimmermehr an die Seligkeit denken könnte, wenn ich nach dem Gesetz gerichtet werden sollte. Aber deshalb ist Christus unter dem Gesetz gewesen und hat einen vollkommenen Gehorsam bewiesen, auf dass Er dadurch"uns erlöste, die wir unter dem Gesetz waren. Denn um Seinetwillen brauchte Er ja wahrlich nicht unter dem Gesetz zu sein; sondern dieses alles tat Er für uns, an unserer Statt und uns zugute. Das ist meine einzige Gerechtigkeit, nämlich nicht mein Gehorsam, sondern Sein Gehorsam; denn selbst, wenn mein neuer Mensch gehorsam sein will, ist die alte Natur in mir doch voller Ungehorsam. Deshalb ist dies mein einziger Trost, dass Christus Jesus für uns gehorsam war."

In dieser Weise sollten wir uns diesen trostreichen Text zunutzemachen. Wenn jemand sagt: "Was hilft es mir, dass Jesus gehorsam war, wenn ich es selbst nicht sein kann?", dann wird geantwortet: Wenn Christi Gehorsam nicht dein Gehorsam ist, dann bist du ewig verloren. Hier sagt uns der Apostel, dass wir nur "durch Eines Gehorsam" gerecht werden. Wir sollen darum mit großem Eifer und Ernst diese teuren Worte "durch Eines Gehorsam" in unser Herz einprägen. Sonst werden wir wegen der Einflüsterungen des Gefühls, des Gewissens und des Unglaubens immer wie Späne auf dem wilden Meer umhergetrieben. - Welch ein seliger Trost dagegen, welch eine Ruhe für einen armen, ermüdeten Sünder, auf diesem festen Felsen, dem Ewigkeitsratschluss Gottes, ruhen zu dürfen. Gleichwie wir alle durch eines Menschen Ungehorsam Sünder wurden, so werden wir auch durch Eines Gehorsam gerecht!

Wenn ich mich selbst betrachte, So wird mir angst und weh; Wenn ich auf Jesum achte, So steig ich in die Höh',

So freut sich mein erlöster Geist, Der durch das Blut des Lammes Gerecht und selig heißt.


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Der Fall des Menschen bewirkte eine moralische Dauerkrise

Der Fall des Menschen hat eine Dauerkrise geschaffen. Sie wird bestehen, bis die letzte Sünde zunichtegemacht ist und Christus über eine erlöste und wiederhergestellte Welt regiert. Bis dahin bleibt die Erde ein Katastrophengebiet und ihre Bewohner leben im Zustand außerordentlicher Gefährdung. Staatsmänner und Ökonomen sprechen hoffnungsvoll von der »Rückkehr zu normalen Zuständen«, aber die Zustände waren nie normal, seit »die Frau sah, dass der Baum gut zur Speise und eine Lust für die Augen« und »begehrenswert war, Einsicht zu geben; und sie nahm von der Frucht und aß, und sie gab auch ihrem Mann bei ihr, und er aß«. Es reicht nicht aus zu sagen, wir lebten in einer moralischen Krise. Das stimmt, aber das ist nicht alles. Denn der Fall hat die gesamte menschliche Natur in Mitleidenschaft gezogen. Alles in ihm verdarb: seine Moral, sein Intellekt, seine Seele, sein Geist und sein Leib. Das ganze Sein des Menschen ist tief verwundet. Die Sünde in seinem Herzen hat sein gesamtes Leben überflutet und seine Beziehung zu Gott und seinen Mitmenschen und zu allem und jedem, was ihn berührt, verdorben. Mir fiel es immer schwer, solche evangelikalen Christen zu begreifen, die behaupten, in dieser Krise so leben zu können, als gäbe es diese Krise nicht. Sie sagen, sie dienten dem Herrn, aber sie teilen ihre Tage so ein, dass sie viel Zeit verspielen und vertrödeln und auch die Freuden dieser Welt genießen. Sie fühlen sich wohl, während die Welt in Flammen steht. Und sie können viele überzeugende Gründe für ihr Verhalten vorbringen, sogar Bibelstellen, wenn sie diesen ein wenig Gewalt antun. Ich frage mich nur, ob diese Christen wirklich an den Sündenfall des Menschen glauben!


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Neben dem Namen Jesu stellt Paulus keinen zweiten Namen. Die gefeierten Namen der Väter, die Israel beständig mit Verehrung nannte, haben keinen Platz mehr neben dem Namen Jesu und ebensowenig gibt es in der Christenheit unter ihren Aposteln und Propheten einen Namen, den Paulus neben Jesus nennt. Was Jesus die Unvergleichlichkeit gibt, spricht Paulus mit dem einem Wort aus: Jesus hat gehorcht. Das stellt ihn neben Adam und macht ihn zur Wende der Weltgeschichte. Dort war es der Ungehorsam, hier der Gehorsam, aus dem das Schicksal der Menschheit entstand. Denn Paulus hielt Gott für die alles bestimmende Wirklichkeit, von der sich der Mensch nie losmachen kann. Wie sich der Mensch zu Gottes Willen verhält, das ist derjenige Vorgang, der über alles entscheidet, was aus ihm wird. Im Streit mit Gott bereitet er sich den Tod. Die Einigung mit Gott bringt ihm Leben und Herrlichkeit. Um im Frieden Gottes zu leben, gibt es aber nur einen einzigen Weg, Gehorsam. Die regierende Herrlichkeit Gottes wehrt jede Verdunkelung ab. Sein Wille muss geschehen. Die Einigung mit ihm geschieht durch die Unterordnung unter ihn, durch die Hingabe des eigenen Willens an den seinen. Jesus hat gehorcht; darum spricht Paulus aus, warum er den anbetet, der am Kreuz hing. Denn das Kreuz gab dem, was Jesus tat, das Merkmal des vollendeten Gehorsams. Dort verschwindet der Mensch und Gott wirkt allein. Sein Wille wird zum Gebet, das ins Innerste hineingreift, die völlige Entsagung fordert und die Selbstverleugnung zur Vollendung bringt. Das gibt dem Leiden seine heilige Majestät. Die natürliche Gegenwehr, die das Leiden ablehnt, muss überwunden sein, und indem Jesus sie überwunden hat, hat er gehorcht. An eine zwecklose Entsagung, die nur feststellt, dass der eigene Wille entwurzelt ist, hat Paulus, wenn er auf den in den Tod gegebenen Christus sah, nie gedacht. Er war vielmehr reich an Worten, die die zweckvolle Weisheit und allmächtige gnade preisen, die sich im Kreuz Jesu offenbaren. Aber sein Glaube, der ihn mit dem Gekreuzigten verband, beruhte nicht erst auf dem, was als Frucht und Segen aus dem Kreuz erwuchs, sondern darauf, dass hier der Sohn dem Vater gehorchte und sein Leben dahingab, damit der Wille des Vaters geschehe. Darin sah Paulus das Neue, allein Unmögliche, nie sonst Geschehene und doch schlechthin Notwendige. Das gab Jesus die Heilandsmacht.

Durch Deinen Gehorsam, o Jesus, erwarbst Du uns, den Verschuldeten, die Vergebung. Durch Deinen Gehorsam kommt die Gnade zu uns, den Ungehorsamen. Durch Deinen Gehorsam bringst Du uns, den im Fleisch Gebundenen, den Geist. Durch Deinen Gehorsam verwandelst Du Sterben in Leben. Dein Gehorsam ist Dein ewig leuchtender Ruhm. Amen.