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Predigten zu Römer 7,23

"aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meines Sinnes widerstreitet und mich in Gefangenschaft bringt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist."

Autor: Charles Haddon Spurgeon (* 19.06.1834; † 31.01.1892) englischer Baptistenpastor
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"Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meiner Vernunft widerstreitet."

Ich bin nicht sicher, ob der Kampf zwischen der alten und neuen Natur von allen jungen Christen gefühlt wird. Das Leben eines Christen kann sehr oft in drei Perioden eingeteilt werden: Die erste Periode ist die des Trostes, in welcher sich der Christ in dem Herrn freut, singt und erzählt, was der Herr für ihn getan hat. Je mehr davon, desto besser. Danach kommt sehr oft die Periode des Kampfes. Statt wie Kinder zu Hause zu sein, sind wir zu Männern geworden und müssen darum zum Krieg ausziehen. Unter dem Gesetz vom Sinai wurde ein Mann, der sich verheiratet oder ein Haus zu bauen hatte, eine Zeitlang vom Kriegsdienst befreit, aber danach musste er seinen Platz in den Reihen der Soldaten einnehmen. So ist es auch mit den Kind Gottes; es mag eine Weile ruhen, aber dann kommt der Kampf. Der Kampfesperiode folgt die dritte Periode, die wir die der Ruhe und Betrachtung nennen können, in welcher der Gläubige über die Güte des Herrn und über alle Segnungen, die ihm geschenkt sind, nachdenkt.

Mein junger Freund, wenn du jung im Glauben bist, mag es dem Herrn gefallen, dich vor einer Menge Versuchungen zu bewahren. Aber bald musst du dein Schwert ziehen. Die Sünde ist in dir, und der Teufel lauert an verborgenen Plätzen, um daran anzuknüpfen. Der Grund des Kampfes ist dieser: Die neue Natur kommt in unser Herz, um es zu beherrschen, aber der fleischliche Sinn ist keineswegs bereit, seine Macht aufzugeben. Es ist ein neuer Thron in deinem Herzen aufgerichtet, und der alte Monarch, der entthront und geächtet ist, wird sich damit nicht ab finden.

Blicke auf den Herrn Jesus! Denke daran, dass er am Kreuz den Sieg über den Feind errungen hat und dass dein alter Mensch mit seinen Leidenschaften und Lüsten dort sein Ende gefunden hat. Im Anschauen seines Sieges wirst du Sieg haben und Gott danken können.


Autor: Martin Luther (* 10.11.1483; † 18.02.1546) theologischer Urheber der Reformation
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Ich elender Mensch!

»Und führe uns nicht in Versuchung.« Wenn das Wort »Versuchung« nicht so allgemein bekannt wäre, hätte ich lieber das Wort »Anfechtung « gebraucht, weil man sich deutlicher ausdrückt, wenn man sagt: »Und führe uns nicht in Anfechtung.« In diesem Gebet lernen wir, wie elend dies irdische Leben ist. Es besteht nur aus einer einzigen langen Anfechtung! Und wer hier Frieden und Sicherheit sucht, handelt nicht weise. Und niemand wird es dahin bringen. Auch wenn wir es alle begehrten, so wäre doch die Suche nach zeitlicher Ruhe eine vergebliche Mühe. Das Leben ist voller Anfechtungen und bleibt es auch. Darum bitten wir auch nicht: »O Gott, nimm die Anfechtungen von uns«, sondern beten: »Führe uns nicht in Anfechtungen!« Das ist, als sagten wir: »Wir sind von allen Seiten von Anfechtungen umringt und können uns unmöglich davon befreien, aber, o Vater, hilf uns doch, dass wir nicht in sie einwilligen und von ihnen überwunden und beherrscht werden!« Denn wer einwilligt, der sündigt nicht nur, sondern wird auch ein Gefangener der Sünde. Paulus sagt: »Ich sehe aber ein ander Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte und nimmt mich gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in meinen Gliedern.« Und Hiob sagt davon: »Muss nicht der Mensch immer im Streit sein auf Erden, und sind seine Tage nicht wie eines Tagelöhners?« (7,1). Ist dies Leben nicht ein ununterbrochener Kampf gegen die Sünde?


Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetz In meinem Gemüte und mich gefangennimmt in der Sünde Gesetz."

Hiervon haben wir leider gar zu deutliche Beispiele in unserem mangelhaften Leben, sowohl hinsichtlich des Glaubens als auch des Wandels. In meinem Gemüte habe auch ich dieses Gesetz, dass ich alles glauben will, was mein allmächtiger Gott gesagt hat, wenn es meiner blinden Vernunft auch noch so unwahrscheinlich wäre. Aber wie geht es? In meiner blinden, hochmütigen Vernunft ist ein anderes Gesetz, das mir zuflüstert: "Dies und jenes ist unwahrscheinlich, ja, unmöglich"; und wenn ich die Möglichkeit der Sache nicht sehe, dann zweifle ich an Gottes Wort und "mache Ihn zum Lügner". Das ist eine grässliche Sünde, die ich nie begehen wollte. Dass ich sie aber dennoch begehe, zeigt, dass ich "in der Sünde Gesetz gefangengenommen werde". Oder wie steht es damit, die Auferstehung unserer Leiber zu glauben? Deiner Gesinnung nach hältst du das Wort des Herrn hierüber heilig und wahrhaftig und Gott für allmächtig, alles tun zu können, was Er will und was Er gesagt hat. Aber dann kommt ein Augenblick, wo du deine Augen auf einige verweste Gebeine heftest und dabei denkst: "Werden auch unsere Leiber auferstehen? Nein, das ist unmöglich!" Dann hat das Gesetz, das in deinen Gliedern ist, Augen und Vernunft, dich gefangengenommen. Selbst dem Hauptartikel von der Vergebung der Sünden widerfährt unaufhörlich dasselbe. Du hast deine ganze Seligkeit in deinem Glauben an Jesu Blut, dass es uns rein macht von allen unseren Sünden. Doch bevor du es noch denkst, hast du schon angefangen, auf deine Sünde zu blicken, unter der du am meisten leidest, auf ihre Ungebührlichkeit und Unaufhörlichkeit, und du denkst: "Es müsste doch einmal mit dieser Sünde ein Ende haben, ich sündige noch immer; wie kann ich dann an die Gnade Gottes glauben?" So bist du bald gefangen in dem Gesetz des Unglaubens und der Vernunft. Auch wenn andere Nöte, Mängel und Bekümmernisse entstehen, sagt dir das Gesetz in deinem Gemüte: "Hoffe auf Gott, Er ist ein allmächtiger, treuer Vater. Fürchte dich nicht, glaube nur!" Aber dann vernimmst du sogleich ein anderes Gesetz aus deinem ungläubigen Herzen, welches sagt: "Diesem kann doch nicht abgeholfen werden, es ist unmöglich, es ist vorbei" usw. In dieser Weise erfahren wir unaufhörlich in unserem Kleinglauben, wie das Gesetz in unseren Gliedern uns gefangennimmt.

Und dies geschieht uns nicht nur mit dem Glauben und der Hoffnung, sondern auch mit dem Wandel. Nach dem Gesetz in meinem Gemüte halte ich Gottes Gebote nicht nur für heilig und für wahrhaftig, sondern sie sind mir auch herzlich lieb. Doch in einem Augenblick werden sie mir wie ein Nichts. Ich kann Gottes Gegenwart weder bedenken noch schätzen. Es ist mir, als ob es keinen Gott gäbe. Es geht mir, wie der Apostel sagt: "Ich weiss nicht, was ich tue; denn ich tue nicht, was ich will, sondern was ich hasse, das tue ich." Ich wollte unerschütterlich sanftmütig und mild sein, werde aber plötzlich vom Zorn und von der Ungeduld ergriffen. Ich wollte beständig rein und frei von allen sündlichen Begierden sein, werde aber von der Sünde Gesetz gefangengenommen, so dass ich tue, was ich hasse. Ich wollte gegen alle Menschen demütig sein, wollte geduldig in Trübsal und uneigennützig und himmlisch gesinnt sein; aber plötzlich bin ich aus meiner rechten Gesinnung in einen Zustand versetzt, der mir ein Rätsel und ein Schrecken ist. Das ist gerade das, was der Apostel hier sagt: "Ich werde gefangengenommen in der Sünde Gesetz, das in meinen Gliedern ist." Und wer kann sagen, wie schlimm es dann zugehen kann?

Dass der Geist nun dennoch den Sieg behält, hängt davon ab, dass die Seele trotz allem in der heiligen Gesinnung verbleibt, die sich noch fortgesetzt gegen das Fleisch erhebt, gegen die Sünde streitet und in der Reue und dem Glauben wieder vor dem Gnadenthron aufgerichtet wird, die aufs neue wieder Trost, Lust und Kraft zur Fortsetzung des Wandels nach dem Geist empfängt. Es hängt davon ab, dass man durch alle demütigenden Erfahrungen nur um so gottesfürchtiger wird, seine Schwachheit und die furchtbare Macht der Sünde immer tiefer erkennen lernt, sowie immer dringender zum Gebet und zum Worte hingetrieben wird, um dort Hilfe zu suchen. Wenn man aber immer mehr vom Gnadenthron fernbleibt, sich in der Sünde wohlfühlt und sie zu entschuldigen anfängt, dann zeugt das von einem Rückgang, ja, von Schlaf oder Tod. - Wenn dagegen die Sünde dem Geist immer erschrecklicher wird - und gerade die Sünde, die meinem Fleisch am liebsten ist, so dass ich ihr gegenüber schließlich alle anderen Sünden gering achte, mich selbst für den unwürdigsten Sünder halte, die Gnade in Christus aber als immer unentbehrlicher schätze -, dann zeugt dies davon, dass der Geist unter allen Kämpfen immer gottesfürchtiger und geheiligter wird. Kommt es dagegen wieder dahin, dass aller Streit aufhört und ich mich nun so gut und fromm finde, wie ich es sein will, dann ist dies gewiss ein Zeichen davon, dass ich eingeschlafen bin und mich still dem Feind ergeben habe. Wenn es in diesem Leben am besten geht, dann geht es so, dass die Sünde nicht tot und müssig, sondern beschwerlich und bedrückend ist, weil ich mich ihrem Willen nicht ergebe, sondern wachend und betend gegen sie kämpfe. Aber dann wird der Streit oft hart und die Not groß. Davon wissen die bezauberten, schlafenden Menschen nichts, denn das ist der Streit, der von denen geführt wird, die um eine Krone kämpfen und bei denen das Gesetz allerlei Lust erregt hat.

Ich armer Mensch, kein Wunder, dass ich mich Nach Freiheit von dem Leib des Todes sehne; Der alte Sinn, der reget wieder sich, Wenn ich ihn eben überwunden wähne. Doch, Gott sei Dank! Der Sieg ist dennoch mein, Und bald werd' ich die ew'ge Ruhe finden; Mein neues Ich dient nicht der Sünde; nein, Ich werd' in Jesu Kraft weit überwinden.