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Predigten zu Römer 8,19

"Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes."

Autor: Jakob Kroeker (* 1872; † 12.12.1948) wichtigster Vertreter des freikirchlichen russländischen Protestantismus
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"Denn wartet nicht die ganze Schöpfung gespannt und sehnsuchtsvoll der Stunde, da Gottes Söhne sich enthüllen sollen in ihrer vollen Herrlichkeit?"

Mit als Beweis, dass die von Paulus erwartete Herrlichkeit in Aussicht steht, dient ihm: Das Seufzen der Schöpfung, das Seufzen der Söhne und das Seufzen des Geistes. Das ist das große gewaltige Thema, das er hier behandelt. Es hat noch nie jemand mit solchen Worten und mit solch einem tiefen Empfinden das Sehnen der Schöpfung beschrieben wie der Apostel Paulus.

Wie sollen wir uns das erklären? Woher hatte er jenes Wahrnehmen des Geistes, dass er mit einem zarten Ohr das Seufzen der ganzen Schöpfung zu hören vermochte? Hier liegt ein tiefes Geheimnis! Wer wie er vertraut wird mit Gott, der wird vertraut auch mit Gottes Schöpfung. Wer ein offenes Ohr gewinnt für das Sprechen Gottes, der gewinnt auch ein offenes Ohr für die Sprache der Schöpfung. Wer erst innerlich auf Gott eingestellt ist, der fühlt die ganze Disharmonie, von der die gegenwärtige Schöpfung beherrscht wird. Paulus Leben war innerlich durch die Kraftwirkungen des Geistes auf Gott eingestellt worden, daher verstand er diese Disharmonie, von der die Schöpfung beherrscht wurde.

Er sagt uns zunächst, dass die ganze Schöpfung unter dem Banne der Vergänglichkeit steht. Es ist dies aber nicht geschehen durch die eigene Schuld. Der Herr der Schöpfung, der Mensch hat sie mit in seinen Fall hineingezogen. Mit ihm fiel auch sie. Das fühlt die Schöpfung. Sie ist gegenwärtig ohne Herrscher, ohne ihren König, damit aber auch ohne Erlösung. Ihre Hoffnung, heißt es hier, geht nun nicht auf Gott, sie geht auf den erlösten Menschen. Die ganze Schöpfung wartet auf das Sichtbarwerden der Söhne Gottes. Unter der Herrschaft der Söhne wird auch sie wieder ihren König und Herrscher finden, der sie allein aus ihrer Knechtschaft zu erlösen und ihrer ursprünglichen Bestimmung entgegenzuführen vermag.

"Ein jeder tat, was ihm recht dünkte", hiess es in der Richterzeit von Israel. Das ist das Gepräge, das auch die Kreatur jetzt trägt. Das Instinktleben der Kreatur wird nicht beherrscht durch einen höheren Willen. Da der erlösende Mensch fehlt, ist das ganze Sehnen der Schöpfung gerichtet auf die Söhne. Und der Apostel gibt diesem Seufzen der Schöpfung unter dem Druck der Vergänglichkeit hier mit den wunderbaren Worten einen Ausdruck: "Die ganze Schöpfung ist bis jetzt voll Klageseufzern und sie harrt unter Wehen einer neuen Geburt entgegen!" Die neue Geburt kann für sie aber erst kommen mit dem Offenbarwerden der Söhne Gottes in Herrlichkeit. Erst der erlöste Mensch wird Vollmacht haben und begnadet sein, auch eine unerlöste Schöpfung der ihr bestimmten Erlösung entgegenzuführen.


Autor: Carl Olof Rosenius (* 03.02.1816; † 24.02.1868) schwedischer Laienprediger und Initiator einer neuevangelischen schwedischen Erweckungsbewegung

"Das ängstliche Harren der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Kinder Gottes."

Mit einer eindringlichen Darstellung des Seufzens der Kreatur nach Erlösung will der Apostel hier den Kindern Gottes einen weiteren Grund der Gewissheit und Grösse ihrer zukünftigen Herrlichkeit geben, von der er zuvor geredet hat. Gott hat im Anfang alles, was auf Erden ist, zum Dienst und zur Freude Seiner Kinder und damit zugleich zum Lob und zur Ehre Seines herrlichen Namens erschaffen. Diese Schöpfung aber erhielt durch unseren Sündenfall ihren Teil am Fluch, so dass sie jetzt nicht ihre ursprüngliche Bestimmung erfüllen kann. Sie dient den Kindern Gottes nicht so, wie sie ihnen gedient haben würde, wenn die Sünde nicht hinzugekommen wäre. Sie dient zumeist den Feinden und Lästerern des Schöpfers, ja, der Sünde, weil die Kreatur von den meisten Menschen zur Sünde missbraucht wird. Dies ist eine Unterdrückung, eine Knechtschaft, unter der die Schöpfung ohne ihren Willen, ohne ihre Schuld, um dessentwillen leidet, der sie einer solchen Knechtschaft unterworfen hat. Dieses Missverhältnis wird jedoch nicht immer währen. Die Schöpfung ist der Knechtschaft der Eitelkeit "auf Hoffnung" unterworfen, so dass auch sie einst davon befreit werden wird zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.

Gleichwie die Propheten von der vernunftlosen Schöpfung oft wie von vernünftigen Wesen reden - wenn sie z. B. sagen, dass Berge und Hügel sich freuen, dass die Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen, dass Sonne und Mond, wilde Tiere und Fische den Herrn loben -, so sieht auch das geistliche Auge des Apostels die ganze Schöpfung in einer leidenden, unruhigen Sehnsucht, um an ihr Ziel zu gelangen. Er hört sie nach der Erlösung der Kinder Gottes und nach ihrer eigenen Erlösung aus der gegenwärtigen Knechtschaft sehnsüchtig seufzen und sich ängstigen. Und dies alles schildert Paulus, um alle Christen zu stärken und aufzumuntern. Er tut es erstens mit der Gewissheit und Verbürgung der Offenbarung unserer Herrlichkeit, die darin liegt, dass die Schöpfung erst mit der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes zu ihrer Bestimmung gelangen wird. Sie werden alsdann gewiss ein anderes und besseres Leben zu erwarten haben, weil die gegenwärtige Weltordnung nicht die rechte, vom Herrn beabsichtigte sein kann. Nach Seiner Verheißung haben wir einen neuen Himmel und eine neue Erde zu erwarten. - Zum anderen müssen sie die Grösse der Herrlichkeit bedenken, die dann zum Vorschein kommt, wenn die ganze Schöpfung zur Offenbarung der Herrlichkeit der Kinder Gottes erneuert und verherrlicht werden wird und wenn alle erschaffenen Werke Gottes, die dem neuen Himmel und der neuen Erde angehören werden, nur deshalb gereinigt, erneuert und verschönert sind, damit die Herrlichkeit der Kinder Gottes um so mehr hervorleuchte.

Der Apostel will sagen, dass die Schöpfung, die um der Sünde willen durch das Urteil Gottes der Eitelkeit unterworfen wurde, von ihrer gegenwärtigen Erniedrigung, unter der sie seufzt, wiederhergestellt werden soll. In Übereinstimmung mit der Verheißung Gottes von einer Erneuerung wartet sie darauf, zugleich mit den Kindern Gottes an der Befreiung aus der Eitelkeit und dem Verderben teilzuhaben und mit ihnen in die Herrlichkeit und Schönheit gekleidet zu werden, in der sie einst aus der Hand des Schöpfers hervorging. Wenn eine Tochter eines vornehmen Hauses sich trauen lässt, wird das ganze Haus für die Feier gereinigt und geschmückt; alle Gäste, ja, selbst die Bediensteten werden dann ihre Feierkleider anlegen. - Die Schöpfung Gottes ist das reiche Haus, in das Er den Menschen zum Kind und Erben einsetzte. Wenn die Braut Christi in die Herrlichkeit ihres Bräutigams eingehen wird, wenn die Kinder Gottes die Niedrigkeit und die Verachtung ablegen werden, unter der sie hier verborgen waren, und wenn sie in ihrer wahren Hoheit und Herrlichkeit offenbart werden, dann wird auch alles, was ihrer Wohnung angehört, erneuert, gereinigt und geschmückt werden. Petrus sagt hierzu: "Die Elemente werden vor Hitze zerschmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden verbrennen. Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach Seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnt." Die Dinge, die der neuen für die Kinder Gottes bereiteten Erde angehören sollen, werden von dem Fluch befreit sein und wieder in den Zustand der Vollkommenheit versetzt werden, in welchem sie waren, als Gott im Anfang alles ansah, was Er gemacht hatte, und erklärte, dass "alles sehr gut" war.

Das Wort des Grundtextes für ängstliches Harren bezeichnet eigentlich ein standhaftes Warten, bei dem man mit erhobenem Haupte nach dem Erwarteten ausschaut. Ein Gottesmann sieht deshalb hier das Bild einer Schar Menschen, die sich so herzlich sehnen, ihren geliebten König kommen zu sehen, dass sie mit ausgerecktem Hals sich übereinander erheben, um zu sehen, ob er naht. So harrt auch die Schöpfung mit inniger Sehnsucht auf eine Erscheinung. Und wonach sehnt sie sich so innig? Der Apostel sagt: "Auf die Offenbarung der Kinder Gottes." Sie wartet darauf, "dass die Kinder Gottes offenbart werden sollen." Hier sind sie teils unter mancherlei eigenen Gebrechen, teils auch unter den Trübsalen, dem Kreuz und den Leiden dieser Zeit so verborgen, dass sie selbst nicht einmal wissen, wer sie sind. Viel weniger kann die Welt sie kennen. Dereinst aber wird ihre verborgene Herrlichkeit hervorleuchten, und darauf harrt die ganze Schöpfung mit inniger Sehnsucht.

O Jesu, mach ein Ende Und führ' uns aus dem Streit! Wir heben Haupt und Hände Nach der Erlösungszeit.


Autor: Aiden Wilson Tozer (* 21.04.1897; † 12.05.1963) US-amerikanischer evangelischer Pastor und Autor (besser bekannt als A. W. Tozer)
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Gottes Stimme lädt eine verlorene Menschheit immer noch ein

Wie kommt es, dass die strahlende Welt, von der die Menschen träumen und von der jeder hofft, er werde sie irgendwann einmal erreichen, trotzdem den Menschen abhandengekommen ist? Das ist nur möglich, weil wir auf dem falschen Weg sind. Die Erde, auf der wir leben, ist eine verlorene Welt. Sie ist ein kranker, gefallener Planet, auf dem wir unsere Reise machen. Die heilige Offenbarung erklärt ganz offen, dass die Bewohner dieser Welt ebenfalls verloren sind, weil sie ein gewaltiger, furchtbarer Fluch getroffen hat, der noch auf ihnen liegt. Aber daneben berichtet sie von einer herrlichen Tatsache: Dieses verlorene Geschlecht wurde nicht aufgegeben! Glücklicherweise gibt es eine Stimme, die ruft, eine Stimme, die zum Heimkommen nötigt! Wären wir nicht verloren, gäbe es keine Stimme, die hinter uns herruft: »Dies ist der Weg, wandelt darauf!« Ich sage es noch einmal: Wir wurden nicht aufgegeben. Das wird uns im ersten Buch der Bibel gezeigt. Rufe dir den Klang der sanften Stimme Gottes ins Gedächtnis, die zu Adam sagte: »Wo bist du?« – und diese Stimme hat nie zu reden aufgehört. All Sein Einladen hat das gleiche Ziel, sei es die Stimme der Liebe Gottes oder die Stimme des Blutes Jesu oder die Stimme des Gewissens oder die Stimme des Todes oder des Lebens oder die der Verlorenen oder der Geretteten! Daher sagt der heilige Schreiber, der verlorene Planet sei voller Vergänglichkeit und habe seinen Sinn verloren und schreie wie eine Frau in Wehen – dabei warte er aber sehnlichst auf die Wiedergeburt in die Freiheit der Söhne Gottes und dass er von Untergang und Verderben errettet werde!