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Predigten zu Römer 8,38

"Denn ich bin überzeugt, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, noch Gewalten,"

Autor: Carl Eichhorn (* 11.07.1810; † 08.02.1890) deutscher lutherischer Pastor
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Das Kleinod der Heilsgewissheit (I)

"Ich bin gewiss, dass mich nichts scheidet von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn."

Bei Paulus war völlige Gewissheit seines Gnadenstandes. "Wir wissen", das soll heißen: "Wir wissen gewiss." Ein Christ soll etwas Gewisses haben. Viele meinen, das könne man nie ganz gewiss wissen, dass man begnadigt sei. Wenn wir auf dem eigenen Wirken und Tun fußen, gelangen wir freilich nie zur völligen Gewissheit. Wir kommen aus dem Schwanken nicht heraus. Hat man eine Zeitlang Sieg über das Böse, ist man des Heils gewiss. Kommen Niederlagen, so ist die Gewissheit wieder umgestossen. Stetig fest und gewiss seines Heils kann man nur sein, wenn man sich auf die großen Gottestaten des Todes und der Auferstehung Jesu allein gründet. Auf dieses unerschütterliche Fundament sich stellen kann nur der, der entschlossen ist, mit jeder erkannten Sünde zu brechen. Wer nichts Böses mehr festhalten will, auch keine Sünde um jeden Preis verschweigen will, die ihm das Gewissen vorhält, der hat das Recht, sich auf diesen Felsengrund der göttlichem Barmherzigkeit zu stellen. Trotz allen inneren Schwankungen, trotz allen Schwächen und immer wiederkehrenden Niederlagen darfst du dich der Gnade Gottes getrösten, solange du in der aufrichtigen und bussfertigem Herzensstellung beharrst. Nur wenn du deine Fehltritte nicht einsehen und nicht eingestehen willst oder Böses heimlich in dir hegst und nährst oder in Lieblosigkeit und Gehässigkeit gegen deinen Bruder oder deine Schwester beharrst, schiebt sich zwischen Gott und dich eine Wand. Du fällst schließlich aus der Gnade, wenn du nicht zur rechten Zeit umkehrst. - Wer nach Heilsgewissheit sich sehnt, der höre auf, in seinem Herzen herumzuwühlen oder nur auf sein Verhalten zu blicken. Er setze seinen Fuß im Glauben auf den ewigen Fels und auf die Verheißungen, die in Christo ewig Ja und Amen sind. - Die Heilsgewissheit ruht nicht auf unserer Treue und den Fortschritten unserer Heiligung, sondern allein auf den großen Heilstaten Gottes in Christo. Doch ist sie nicht allezeit eine freudige Gewissheit. Ein frohes Gefühl der Gotteskindschaft ist nicht immer vorhanden. Die freudige Stimmung hängt zusammen mit dem Temperament, oft auch mit dem Gesundheitszustand. Körperliche und seelische Krankheitszustände hemmen die freudige Empfindung des Gnadenstandes und bewirken eine gedrückte Stimmung. - So wenig wir unseren Gnadenstand auf unsere Treue gründen dürfen, so kommt doch unser Verhalten sehr in Betracht für die Freudigkeit des Gnadenstandes. Trägheit, Nachlässigkeit, Nachgiebigkeit gegenüber den fleischlichen Lüsten bewirkt Niedergeschlagenheit. Wir fallen deswegen nicht aus dem Gnadenstand. Wir werden nicht sofort verworfen, sobald wir uns nur wieder beugen. Doch Gott kann sein Angesicht nicht mit Wohlgefallen auf uns ruhen lassen. Und wir empfinden dies als eine Verdunkelung und Dämpfung unserer Freude. Er muss uns tadeln, und das spüren wir als Unruhe im Gewissen. Es bleibt uns deswegen seine Gnade. Aber wir können uns ihrer nicht so freuen, wie wir möchten.


Autor: Christoph Blumhardt (* 01.06.1842; † 02.08.1919) deutscher evangelischer Theologe, Pfarrer und Kirchenlieddichter
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Mit diesem prächtig tönenden Spruch will Paulus sagen, daß wir durch nichts, was vorkommen mag - sei es noch so betrübend, erschütternd und rätselhaft -, den Gedanken in uns aufkommen lassen dürften, als habe uns Gott nicht mehr lieb. Die Liebe Gottes, wie sie in Christus bewiesen ist und um Seinetwillen uns zugehört, ist felsenfest und unerschütterlich. Und der rechte Glaube besteht eben darin, daß er sich durch nichts stören läßt, sondern immer wieder sagt: „Dennoch bin ich der Liebe meines Gottes in Christus Jesus gewiß!“ Halbgläubige, zaghafte Menschen kommen gleich mit der Redensart: „Gott hat mich nicht mehr lieb, Gott hat mich verlassen und verworfen! Gott fragt nicht mehr nach mir!“ Das sind die, die sich wirklich scheiden lassen von der Liebe Gottes, obwohl sie vorgegeben hatten, sie in Seinem Sohne erfaßt zu haben. Und die sollten sich wahrlich schämen angesichts eines solchen Spruchs, da Paulus im Namen aller Gläubigen sagt: „Ich bin's gewiß, daß nichts uns scheiden kann von der Liebe Gottes!“ Vorher hatte er gesagt: „Wer will uns scheiden von der Liebe Gottes? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Fährlichkeit oder Schwert?“ und hatte hinzugesetzt: „Aber in dem allen überwinden wir weit um deswillen, der uns geliebt hat.“ Und jene - 0 würden sie sich doch schämen! - sind im Nu bei der Hand zu sagen, jetzt sei's mit der Liebe Gottes gegen sie aus, weil sie durch irgendwelche Trübsal oder Anfechtung gehen müssen, die sie unfest und verdrossen macht!

Es liegt also der Nerv unsres Spruchs in dem Wort: „Ich bin gewiß.“ Er steckt im Glauben, in der felsenfesten Zuversicht, die man zu Gott um Christi willen hat und die man sich nicht nehmen läßt. Diese Gewißheit kommt auch aus der Überlegung, daß man hinfort - weil man's durch Christus gewiß wird - durch gar nichts verursacht sein könnte, an der Liebe Gottes zu zweifeln. Denn diese ist durch das, was Er mit Seinem Sohne Jesus Christus getan hat, zu fest gegründet. Wer freilich diese Seine in Christus erschienene und bewiesene Liebe nicht recht erkennt, in ihrer Wirklichkeit nicht gläubig erfaßt, der hat kein Fundament für seine Zuversicht und baut auf Sand. Dann werfen Stürme und Ungewitter ihm leicht alles über den Haufen - auch wenn er meint und behauptet, gläubig zu sein.

In welche Tiefen des Jammers hat nicht auch Christus hineinmüssen! Und wie herrlich ist Er aus ihnen herausgeführt worden! Alles das aber geschah doch uns zulieb! Aber wie Er mitten unter den Qualen des Kreuzes doch der Geliebte Gottes, das Kind des Vaters verblieb, so bleiben auch wir die Geliebten des HErrn, - Seine Kinder. Und wenn auch noch so viele Trübsal über uns herfallen mag: Wir bleiben um so mehr Gottes geliebte Kinder, wenn wir gleich Christus leiden! Dessen gewiß werden: das heißt glauben! Und wer's nicht so kann, der soll nur nicht sagen, daß er Glauben habe! Und wir andern - aber freilich wer sind die? - sollen uns nur nicht verwundern, wenn es solcherlei halben Leuten so ergeht, daß sie sich von der Liebe Gottes scheiden lassen, also Verzweiflungsgedanken bekommen.

Freilich hat's der Arge in unsern Tagen besonders darauf angelegt, gerade die Tiefe der Erkenntnis der Liebe Gottes, wie sie in Christus ist und sich dargestellt hat, in den Seelen nicht aufkommen zu lassen.

Harren wir der neuen Zeit einer reichlicheren Ausgießung des Heiligen Geistes! Wer aber nun richtig in der Erkenntnis Christi steht, der kann mit Paulus sagen: Ob ich sterbe oder lebe - Gott hat mich lieb! Ob Engel des Satans, ob Fürstentümer oder Gewalten der Finsternis wider mich sind - Gott hat mich lieb! Ob alles, was wider Gott steht, mich anficht und wo man denken könnte: Warum schlägt sie Gott nicht besser uns und den Seinigen zulieb tot? - Gott hat mich lieb! Und Er wird die Bösen schon noch beseitigen, wenn's Zeit ist! Ob ich in der Gegenwart Trübsal habe oder sie erst in der Zukunft erwarte, ob von oben oder von unten Gewalten über mich fallen - Gott hat mich lieb! Ob andere Kreaturen, welche es auch sein mögen, mir schaden wollen oder scheinbar wirklich schaden - ich bleibe dabei: Gott hat mich lieb!

Denn in dem allen liegen keine Beweise, daß es mit der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, nichts sei!


Autor: Adolf Schlatter (* 16.08.1852; † 19.05.1938) schweizer evangelischer Theologe und Professor fürs Neues Testament
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Liebe eint. Wie stark ist das Band, das sie zwischen Gott und mir knüpft? Paulus sagt mir: von Gottes Liebe wird dich nichts scheiden. Wer wird Gottes Willen brechen, wer das Band zerreißen, das er wob, und die Gemeinschaft zersprengen, die er stiftete? Menschlicher Wille ist wankelmütig und launisch, greift jetzt nach dem Nächsten und lässt ihn bald wieder fahren. Menschlicher Wille kann entwurzelt werden, wenn sich ein starker Gegenstoß ihm widersetzt. Der göttliche Wille wechselt aber sein Ziel nicht und weicht vor keinem gegen ihn gerichteten Druck. Gilt es nicht aber auch von meiner Liebe zu Gott, dass sie beweglich sei? Darf ich von ihr sagen, dass sie mich mit einem unüberwindlichen Griff an Gott binde? Meine Gemeinschaft mit Gott beruht aber nicht auf meiner Liebe zu ihm, sondern auf der, die er mir gewährt. Nicht das ist die Frage, ob meine Liebe stärker sei als alle Widerstände, sondern ob seine Liebe bezwungen werden kann. Kann nicht meine Schuld mich aus Gottes Liebe reißen? Gerade dadurch ist mir ja seine Liebe zuteil geworden, dass ich gerechtfertigt bin. Ich könnte nicht von Gottes Liebe zu mir reden, wenn ich nicht den kennte, der für uns gestorben und auferstanden ist und uns in Gott regiert. Durch ihn kam die Liebe Gottes zu mir, Wie steht es aber mit dem Tod? Reißt er nicht jede Liebe entzwei? Wie sollte er aber Gottes Liebe vereiteln, da er ja nach Gottes Willen zu mir kommt? Sein Wort macht lebendig und Sein Wort ordnet mir den Tod. Ebensowenig als der Tod trennt mich sein Leben von Gottes Liebe, als macht es mich in mir selber reich und satt und Gottes nicht mehr bedürftig. Gabe ist es, von Ihm empfangen und die Gabe kann mich nicht von der Liebe scheiden, die sie mir gibt. Das Gegenwärtige und das Zukünftige sind voneinander geschieden durch einen gründlichen, völligen Gegensatz. Was jetzt besteht, wird nicht auch künftig sein und die ewige Welt gleicht nicht der zeitlichen. Aber das Gegenwärtige und das Zukünftige ist alles unter Gottes Herrschaft gestellt und ich lebe hier und dort in seinem Reich. Unerforschte Höhen und Tiefen gibt es in Gottes Schöpfung, Mächte, die wir nicht sehen, auch wenn wir ihren Einfluss spüren. Zwischen mich und Gott treten sie aber nicht; sie sind ja Kreatur und keine Kreatur widersteht seinem Willen und keine Kreatur zerreißt, was Gott in seiner Liebe eint, und trennt den von Gott, dem er seine Liebe gegeben hat.

Erster und Letzter, Anfänger und Vollender bist Du, Herr, Gott; darum nennen wir Dich den Ewigen. An Deiner Macht und Stärke hat alles teil, was Du uns gibst. Sie ist das Merkmal Deiner Liebe. Sie legt uns die süße Pflicht, Dir zu glauben, Dir zu danken, Dir zu dienen jetzt und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.