Buch-Rezension: Geschichte und Gott - Eine Deutung aus christlicher Sicht

Geschichte und Gott

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Im geschichtsträchtigen Jahr 2015, in dem das 25jährige Jubiläum der Wiedervereinigung Deutschlands gefeiert wird, erschien auf dem deutschen Buchmarkt ein bemerkenswertes, historisches Werk mit dem anspruchsvollen Titel: „Geschichte und Gott.“

Damals, zur Zeit der Wende, empfanden viele Menschen in Ost und West den unerwarteten Fall der Berliner Mauer und die darauf folgende Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit als eine gnädige Fügung Gottes – oder zumindest des Schicksals. Andere spotteten über diese religiösen Empfindungen und sahen in den Ereignissen jener Jahre nichts anderes als das Ergebnis wirtschaftlicher und politischer Entwicklungen. Ein einschneidendes Ereignis und zwei grundverschiedene Deutungen. So stellt sich unausweichlich die Frage: Kann man Gottes Handeln – oder gar sein Wesen – in der Geschichte erkennen? An diese Fragestellung knüpft Axel Schwaiger mit seiner breit angelegten Darstellung der Weltgeschichte an. Er nennt sie „Eine Deutung aus christlicher Sicht.“

Dies ist ein sehr mutiges Unterfangen, gerade in unserer Zeit, die in der Wissenschaft von einer geschichtstheologischen Abstinenz geprägt ist. Ein theologisches Denken, das den Versuch unternimmt, Gottes Handeln in der Geschichte aufzuzeigen und zu verorten, gerät heute sofort unter Ideologieverdacht. Wer dies versucht, sieht sich schnell dem Vorwurf ausgesetzt, Gott für seine eigenen Interessen zu instrumentalisieren.

Umso höher ist es zu schätzen, dass sich ein ausgewiesener Historiker und Politologe (kein Fachtheologe!) der herausfordernden Aufgabe stellt, Gott und die Geschichte zusammen zu denken und darzustellen. Dabei geht es dem Autor nicht darum, einzelne exemplarische Geschichtsphänomene herauszuarbeiten, um an ihnen Gottes Handeln zu verifizieren, sondern um eine ganzheitliche Entfaltung der Weltgeschichte von den Anfängen der Menschheit bis zu ihrem prophezeiten Ende.

Schwaiger unternimmt in seiner Darstellung nicht den Versuch, einen Theorierahmen für eine Entwicklungsgeschichte zu entwerfen, in der die Menschheit durch die in ihr wirkende göttliche Vernunft schließlich zu ihrem höheren Ziel in Freiheit und Harmonie gelangt. Um es deutlicher zu sagen: Er zieht die Weltgeschichte nicht über den Leisten einer, wie immer gearteten, christlich-religiösen Idee. Seine Ausgangsposition „ist das Bekenntnis zum biblischen Gott, der sich selbst als Geschichte machender Gott definiert und offenbart hat.“ (S. 11)

Methodisch folgt er dem scholastischen Ansatz des Anselm von Canterbury: „Credo ut intelligam – ich glaube, damit ich verstehe.“ Und er präzisiert: „Es wird (glaubend) davon ausgegangen, dass der biblische Text mit seinen Darstellungen, seinen Genealogien und seinen vielen Jahres- und Zeitangaben die Geschehnisse tatsächlich so erzählt, wie sie wirklich waren.“ (S. 12)

Das Gottesbild, das seiner Darstellung zu Grunde liegt, ist keine metaphysische Spekulation, sondern es ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Vater Jesu Christi. Mit diesem spezifischen Ansatz macht Schwaiger deutlich, dass es ihm nicht darum geht, den vielen philosophischen und kulturprotestantischen Geschichtsentwürfen eine neue Variante hinzuzufügen. Es geht um keine neue Universalhistorie im Sinne Schillers oder Burckhardts.

Sein offenbarungsbegründeter Glaubensansatz (S. 707) bewahrt ihn davor, sich bei der Beschreibung von Gottes Handeln in der Geschichte im Unpräzisen oder Spekulativen zu verlieren. Stattdessen macht er Zusammenhänge deutlich, die in der profanen und wissenschaftlichen Geschichtsschreibung fehlen: So zum Beispiel der Zusammenhang zwischen dem Purimfest und den Nürnberger Prozessen (S. 581f). Die Geschichte Israels wird in seinem Werk von ihren Anfängen bis zu den heutigen weltpolitischen Zusammenhängen präzis und klar dargestellt. Das Ineinander von Weltgeschichte und Heilsgeschichte wird darin überzeugend sichtbar.

Von seinem schriftgebundenen Glaubensansatz her kann Schwaigers Darstellung der Menschheitsgeschichte logischerweise nicht im Jahr 2015 enden. Daher weitet er seine historische Perspektive auf die prophezeiten Ereignisse bis zur Wiederkunft Christi aus. „Die Welthistorie, so wie wir sie kennen, endet an einem bestimmten Tag mit dem Einbruch (d. h. Offenbarwerden) des Reiches Gottes in der Welt (vor aller Augen). Dies geschieht durch die Wiederkunft Christi. Dieser Parusie gehen bestimmte, in der Schrift vorhergesagte Entwicklungen und Geschehnisse voraus.“ (S. 679)

Diese Sichtweise mag für die meisten Historiker befremdlich sein, da es bei der Historiographie nur um bisher Geschehenes geht. Weil Schwaiger aber den biblisch offenbarten Gott in seinem Handeln ernst nimmt, ist die Darstellung der Vollendung der Weltgeschichte nicht spekulativ, sondern sachgemäß.

Schwaigers Buch ist ein faszinierendes und gut gegliedertes Geschichtswerk, das eine ungeheure Fülle von Material anschaulich verarbeitet, ohne den Leser zu überfordern. Es eröffnet neue Perspektiven und stellt bekannte historische Ereignisse in neue Zusammenhänge, die spannende Fragestellungen herausfordern. Es ist jedem historisch interessierten Leser zu empfehlen und eignet sich in besonderer Weise als Lehrbuch und Quellentext für Lehrkräfte, die ihren Schülerinnen und Schülern im Geschichtsunterricht mehr beibringen wollen als nur historische Abläufe und ihre menschlichen Deutungsversuche.

So gesehen ist Axel Schwaigers Werk das richtige Buch zur richtigen Zeit. Ein besonderer Dank gilt den Herausgebern für ihren verlegerischen Mut.

 Die Rezension/Kritik stammt von: Edgar Kollmar
 Kategorie: Geschichte, Kirchengeschichte

  Verlag: Christliche Verlagsgesellschaft (CV Dillenburg)
  Jahr: 2015
  ISBN: 978-3-86353-034-1
  Seiten: 736
 €    Preis: 29,90 Euro
Buch-Rezension: Geschichte und Gott - Eine Deutung aus christlicher Sicht

Geschichte und Gott

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Die ganze Geschichte der Menschheit fundiert und umfassend in einem Buch darstellen zu wollen, ist an sich eine beachtliche Herausforderung. Das als Einzelner zu leisten, erscheint fast unmöglich. Axel Schwaiger hat es dennoch gewagt und auf über 700 Seiten einen Gang durch die Zeit vom Beginn des Menschen bis zur Gegenwart verfasst. Anders als säkulare Werke ist sein Buch jedoch von der tiefen Überzeugung geprägt, dass der ewige Gott den Menschen erschaffen hat, sich in der Geschichte offenbart und sie zur Vollendung bringen wird. Daher ist der Ausgangspunkt für seinen Weg durch die Weltgeschichte die Bibel, die er uneingeschränkt als göttliche Offenbarungsquelle akzeptiert und immer wieder mit einfließen lässt.

Die konsequente Deutung der Weltgeschichte aus biblischer Sicht in der dargebotenen Tiefe und Umfänglichkeit macht das Buch einzigartig. Der Autor hat damit eine echte Lücke geschlossen. Natürlich wird, wer seinen Ausgangspunkt nicht akzeptiert, sich naturgemäß an dieser speziellen Darstellung der Geschichte stoßen. Aber wer die Bibel kennt und liebt (und ein gewisses Interesse für Geschichte mitbringt), wird dieses Buch mit großem Gewinn durchstöbern. Immer wieder stellt der Autor interessante Querverbindungen zur Bibel her und präsentiert faszinierende Beweise für die Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit der Bibel auch in historischen Aussagen.

Unabhängig von der christlich-biblischen Perspektive bietet das Buch eine erstaunlich breite und in einigen Themenbereichen überaus detaillreiche Gesamtdarstellung der Weltgeschichte. Es gelingt dem Autor, seine Darstellungen gut lesbar und durch ein umfangreiches Karten und Bildmaterial gestützt zu präsentieren. Immer wieder werden thematische Exkurse in die Gesamtdarstellung eingeflochten, die historische Entwicklungen und Zusammenhänge an konkreten Beispielen veranschaulichen. Quellenangaben und Verweise auf weiterführende Literatur am Ende jeden Kapitels laden zum Weiterlesen ein.

Man kann bemängeln, dass sich der Autor in einigen Fragen, die auch von bibeltreuen Wissenschaftlern unterschiedlich gesehen werden, einseitig festlegt, was dem Buch an manchen Stellen eine wünschenswerte Ausgewogenheit nimmt. So plädiert er beispielsweise für eine bestimmte Exodus-Route und ein alternatives Kreuzigungs-Datum, ohne die zum Teil gewichtigen Argumente der traditionellen Sichtweisen zu nennen. Auch stützt er seine Ausführungen auf exegetische Ansätze, die viele Ausleger nicht teilen. So bezieht er zum Beispiel das Gleichnis vom Sauerteig (Lk 13,18-21) auf die Durchdringung der römischen Welt durch das Christentum.

Auch wenn Leser nicht in all diesen Punkten mit den Ansichten des Autors übereinstimmen, werden sie dieses Buch dennoch mit großem Gewinn lesen und viele interessante Anregungen erhalten.

Der Autor hat den christlichen Büchermarkt enorm bereichert, und man kann ihm für die mühevolle Arbeit, die er in dieses Werk investiert hat, dankbar sein.

 Die Rezension/Kritik stammt von: William und Thomas Kaal
 Kategorie: Geschichte, Kirchengeschichte

  Verlag: Christliche Verlagsgesellschaft (CV Dillenburg)
  Jahr: 2015
  ISBN: 978-3863530341
  Seiten: 736
 €    Preis: 29,90 Euro